Die Familie, erste und wichtigste Vermittlerin des Glaubens

Erste Katechese zur Vorbereitung auf das V. Weltfamilientreffen in Valencia (Spanien)

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ROM, 19. Juni 2006 (ZENIT.org).- Zur geistigen Vorbereitung auf das V. Weltfamilientreffen, das vom 1. bis zum 9. Juli in Valencia stattfindet, veröffentlichen wir in den kommenden Tagen die Katechesen, die der Päpstliche Rat für die Familie und das Erzbistum Valencia zu diesem Anlass ausgearbeitet haben. In den Texten kommen zentrale Grundwahrheiten des Glaubens sowie das christliche Verständnis von Ehe und Familie zum Ausdruck.



Nach Angaben der Organisatoren des Weltfamilientreffens werden rund 1, 5 Millionen Menschen beim Großereignis in der drittgrößten Stadt Spaniens erwartet. Sie werden zusammenkommen, um "die Familie als göttliche Gabe zu feiern und sie zu einen, um zu beten, miteinander zu sprechen, zu lernen, zu teilen und die Erkenntnis über die Rolle der christlichen Familien als 'Hauskirche' und Grundlage der Evangelisierung zu stärken". Papst Benedikt XVI. wird mit Familien aus allen Erdteilen die Abschlussmesse feiern.

Der Päpstliche Rat für die Familie schlägt für die Katechese den folgenden Ablauf vor:

1. Eröffnungslied

2. Gebet des Vaterunsers

3. Schriftlesung: Mt 11,25-30

4. Lesung eines Texts zur Lehre der Kirche (Katechesentext, siehe unten)

5. Gedanken des Katecheten

6. Gespräch

-- Ist es den Verheirateten heute bewusst, dass die Familie die erste und wichtigste Vermittlerin des Glaubens ist, oder wissen sie nichts von diesem Sendungsauftrag oder vernachlässigen sie ihn?

-- Ist es den christlichen Familien bewusst, dass die Erfüllung ihrer Sendung einen beständigen Kontakt und Dialog mit den Erziehern und der Gemeinde erfordert? Wie kann dieser Dialog (oder Nicht-Dialog) gesehen werden?

-- Wie kann die Familie heute ihren Kindern Jesus Christus verkünden?

7. Anregungen und persönlicher Vorsatz

8. Gebet des "Gegrüßet seist du, Maria" und Anrufung "Regina familiae. Ora pro nobis" ("Maria, Königin der Familie, bitte für uns")

9. Gebet für die Familie: O Gott, du hast den christlichen Familien die ehrenvolle Verantwortung übertragen, den Glauben an ihre Kinder weiterzugeben. Gewähre ihnen die Kraft, diese Aufgabe, die du ihnen anvertraut hast, treu zu erfüllen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn.

10. Schlusslied

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Erste Katechese

1. Der ewige Plan, die Menschen in und durch Christus zu retten, ist durch das Mensch gewordene Wort offenbart und insbesondere durch das Ostergeheimnis seines Todes, seiner Auferstehung und Himmelfahrt und der Sendung des Heiligen Geistes erfüllt worden. Also ist das Mysterium Gottes in Christus vollkommen und endgültig offenbart worden, und es wird keine andere Offenbarung geben. "Indem er uns seinen Sohn, sein einziges Wort, gab (denn er hat kein anderes), hat er uns in diesem einen Wort alles auf einmal gesagt – und mehr muss er uns nicht sagen" (Johannes vom Kreuz).

2. Diese Offenbarung ist der Kirche anvertraut worden, die stets den Beistand des Heiligen Geistes hat, damit sie Gottes Erlösung wahrhaftig und ohne Einschränkung zu allen Menschen aller Zeiten und Kulturen bringt. Die Kirche hat nicht aufgehört – und wird nie aufhören –, dieses Mysterium vor allem durch den Dienst des Papstes und der Bischöfe und Priester zu verkünden, die in erster Linie dafür verantwortlich sind. Zudem hat jeder gläubige Christ kraft der prophetischen Sendung, die er oder sie in der Taufe von Christus empfangen hat, an dieser Verantwortung teil.

3. Wenn diese Verkündigung angenommen wird, führt sie zur Umkehr und zum Glauben. Dieser ist stets ein ungeschuldetes Geschenk Gottes, das jedoch eine Antwort des Menschen und seine offene und bereitwillige Mitarbeit erfordert. Normalerweise ist der Glaube ohne eine ausdrückliche Verkündigung der offenbarten Inhalte nicht möglich. Nur in Ausnahmefällen gießt Gott den Glauben in einen Erwachsenen ein, ohne dass diesem sein Mysterium zuvor verkündet worden ist. Üblich ist diese Reihenfolge: ausdrückliche Verkündigung des Mysteriums Gottes, Annahme dieser Verkündigung, Bekehrung und Glaubensbekenntnis, Taufe.

4. Durch das Sakrament der Ehe und der Taufe der Eltern und der Kinder ist die christliche Familie eine "Hauskirche" und hat an dieser Sendung Anteil. Als Erzeugerin der Kinder wird die Familie zur ersten und wichtigsten Einrichtung, der die Aufgabe anvertraut ist, das Heilsmysterium Gottes an sie weiterzugeben. Aus diesem Grund sind Eltern für ihre Kinder die authentischen Vermittler des Glaubens, den sie bekennen. Die großen Heiligen sind meist in zutiefst christlichen Familien geboren worden. Es ist eine Tatsache, dass der Glaube in Ländern, wo er lange Zeit verfolgt gewesen ist, durch den Dienst der Eltern bewahrt und weitergegeben wurde.

5. Die Familie ist, was die Weitergabe des Glaubens an ihre Kinder anbelangt, keine autarke oder autonome Einrichtung. Sie ist auf eine enge Verbindung zur Gemeinde und zu der Schule, die die Kinder besuchen, angewiesen, vor allem dann, wenn es sich um eine katholische Schule handelt. Die Gemeindekatechese und der Religionsunterricht in der zentralen Bildungseinrichtung ergänzen die informelle Familienkatechese, die zuweilen auch formell sein muss.

6. Schon in den frühesten Zeiten der Christenheit wurde die Familie als Vermittlerin des Glaubens der Väter angesehen. So war es üblich, die Kinder zur Taufe zu bringen, damit der Bischof sie stellvertretend für alle Gemeindemitglieder in die Kirche aufnahm. Das Zeugnis der Eltern spielte eine so entscheidende Rolle, dass die Familie der Ort schlechthin für die Weitergabe des kirchlichen Glaubens wurde. Dies geschieht auch heute noch in den Missionsländern, während die Familie in anderen Ländern mit großer christlicher Tradition ihre tragende Rolle oft verloren hat, was zu einem Niedergang des Glaubens und der religiösen Praxis führt.

7. Die Wiederherstellung einer kraftvollen, evangelisierenden Kirche führt über die Erneuerung der Familie als der grundlegenden Einrichtung für die Weitergabe des Glaubens. Deshalb hat die christliche Familie in den oben erwähnten Ländern heute ein besonderes Betätigungsfeld, und zwar vor allem im Hinblick auf andere, nichtchristliche Familien oder solche, die ihre Religion nicht mehr praktizieren. Großeltern, Kinder und andere Mitglieder der christlichen Familie sind dazu aufgerufen, den Glauben an ihre Eltern und Verwandten weiterzugeben.

[© Päpstlicher Rat für die Familie und Erzdiözese Valencia 2005]