Die Faszination der Schönheit Jesu Christi – die Bewegung „Gemeinschaft und Befreiung“

Interview mit Romano Christen, Verantwortlicher für Jugendpastoral in Deutschland

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ROM, 20. November 2007 (ZENIT.org).- Eine faszinierende Anziehungskraft übt die Schönheit des Glaubens auf Jugendliche auf, davon ist die Bewegung „Gemeinschaft und Befreiung“ („Comunione e Liberazione“, CL) überzeugt. Attraktiv ist das Christentum auch für jeden, der mitten im Leben steht und bei allen Entscheidungen seinen gesunden Menschenverstand bewahren will, denn die Erfahrung Jesu Christi ist vernünftig und Teil unserer Kultur.



Das Ereignis der Menschwerdung Jesu Christi und das Faktum seines Todes und seiner Auferstehung stehen im Zentrum der Spiritualität dieser Bewegung, die in Italien entstand. Die Wirkungsgeschichte des christlichen Heilsmysteriums in der heutigen Kultur zu ergründen, zu verbreiten, miteinander zu teilen und sie fortzusetzen, war die Lebensaufgabe von P. Luigi Guissani, dem Gründer von CL.

ZENIT befragte Romano Christen zum Charisma der Bewegung und zu den Akzenten, die sie in der Jugendpastoral in Deutschland setzt.

ZENIT: Zu welchem Zweck wurde die Bewegung „Gemeinschaft und Befreiung“ gegründet? Welche Aspekte waren Don Luigi Guissani, Ihrem Gründer, besonders wichtig?

Christen: Am Anfang stand nicht eine formale „Gründung“, sondern die Leidenschaft des jungen Religionslehrers, den Schülern am Berchet-Gymnasium in Mailand den Glauben als eine Erfahrung zu bezeugen, die dem Alltag Sinn und Geschmack und dem Ich die Statur einer freien, schöpferischen Person schenkt. Daher sind die grundlegenden Faktoren, die Giussani’s Pädagogik prägen, die Freiheit und die Vernunft: Nur wenn ich selber prüfe, wie sehr das Ereignis Christi meine Menschlichkeit erfüllt, kann ich mit Zuneigung und Kreativität die Schönheit des Glaubens erfahren und mitteilen.

ZENIT: Welche besonderen Akzente setzt Ihre Bewegung bei der Verbreitung des Evangeliums?

Christen: Sie setzt alles darauf, aus dem Ereignis Christi zu leben, den Alltag im Lichte seiner Gegenwart zu entdecken und in der Gemeinschaft der Kirche seine Freundschaft zu erfahren.

Aus dieser Mitte entspringt dann ein Interesse an der Wirklichkeit, eine Leidenschaft für die Wahrheit, ein Sinn für das Schöne, eine Zuneigung zu allen Menschen, die jeden Lebensumstand als positive Herausforderung sieht und den Glauben nicht in leeren oder moralistischen Formeln erstarren lässt.

ZENIT: Was hat Sie dazu motiviert, sich der Bewegung anzuschließen?

Christen: Die Lebensfülle! Die erste Begegnung war gezeichnet von frohen Gesichtern, die mich so aufnahmen, wie ich war. Daraus wuchs schnell eine Freundschaft, die mich wie nichts zuvor bereichert hat.

Die Schönheit der Lieder, die Leidenschaft in der Auseinandersetzung mit den Ereignissen an der Schule und im weltweiten Tagesgeschehen, die Intelligenz der Urteilskraft, das Interesse an allem, was in Kunst, Musik, Literatur vom Menschen und seinem Elend wie von seiner Größe sprach, und in alledem schrittweise die Entdeckung, dass „Christus“ nicht die Chiffre eines Kultes, sondern eine geheimnisvolle aber zugleich prägende Gegenwart ist, die meinem Leben Tiefe und Sinn, Richtung und Auftrag gibt.

ZENIT: Papst Benedikt XVI. hat die Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen wiederholt gebeten, die Kirche vor Ort nach Kräften zu unterstützen. Wie setzt das Ihre Bewegung um?

Christen: Indem wir dem Charisma, durch das der Heilige Geist einen jeden von uns in die Gemeinschaft der Kirche hinein berufen hat, auf den Grund gehen. Denn nur wenn wir immer mehr in das hineinwachsen, was wir sind, können wir auch das ausstrahlen, was uns geschenkt wurde.

Schwerpunktmäßig ist unsere Präsenz da am Werk, wo sich unser Alltag abspielt: Familie, Arbeitsplatz, Schule.

Die wichtigste Unterstützung für die Kirche ist der durch Christus veränderte, das heißt der er selbst gewordene Mensch. Diese grundlegende Dimension der Mission darf nie übersprungen werden. Keine Struktur kann einen Menschen ersetzen, der dem Ereignis Christi deshalb zustimmt, weil er nichts Befreienderes kennt.

ZENIT: Welche Initiativen und Apostolate sind für Sie mit Blick auf die Jugend jetzt wichtig?

Christen: Im Kern schlagen wir den Jugendlichen genau das vor, was wir selbst für uns erfahren haben: eine Anziehungskraft, die unsere Freiheit in Bewegung gesetzt und unseren Erfahrungshorizont erweitert hat.

Allzu oft wird das Christentum als eine belastende Norm beziehungsweise als ein weniger an Leben betrachtet. Bestenfalls moralisch perfekt, steril und freudlos. Die Jugend, die Schönheit Christi und die Vernünftigkeit des Glaubens als Antwort auf die Sehnsucht ihres Herzens entdecken zu lassen ist eine Aufgabe, der man sich fast nicht mehr entziehen kann, wenn man sie selbst erfahren hat.

Die Freundschaft mit Christus und untereinander besitzt die Kraft, alle Lebensbereiche zu prägen – die Schule wie die Familie, den Sport wie das Verliebtsein – und fördert eine Urteilskraft, die kein Intellektualismus ist; eine Offenheit, die positiv und neugierig und nicht zynisch oder skeptisch ist; eine Hingabe, die auch Opfer anzunehmen bereit ist; eine Gewissheit, die sich nicht scheut, auch ganz fern liegenden Positionen zu begegnen.

Persönliches und gemeinschaftliches Gebet, die Sakramente, eine Katechese, welche die Dimensionen des Glaubens entfaltet, gemeinsam verbrachte Freizeiten, aber auch das Beurteilen von aktuellen Ereignissen oder das Besprechen von Büchern und Filmen sind alles Dimensionen, die zu diesem erzieherischen Weg gehören. Ziel: das Heranreifen von Personen, die das Leben nicht fürchten weil sie wissen, wem sie gehören.