Die Feier der Liturgie zum Lob Gottes und zum Heil des Volkes

Monatsbrief von Erzbischof Mauro Piacenza an die Priester

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ROM, 22. August 2009 (ZENIT.org).- Der Sekretär der Kongregation für den Klerus, Erzbischof Mauro Piacenza, lässt den Priestern anlässlich des Priesterjahrs jeden Monat einen Brief zukommen. Seine Betrachtungen wollen zu einer tiefen geistlichen Erneuerung beitragen und jedem Priester die Schönheit seiner Berufung neu vor Augen führen.

Wir veröffentlichen die offizielle deutsche Fassung des zweiten Briefs des Erzbischofs zum aktuellen Priesterjahr, das die Kirche zur Feier des 150. Todestages des heiligen Johannes-Maria Vianney, Pfarrer von Ars, am 4. August begeht.

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»Seid ihr bereit, die Mysterien Christi... gemäß der kirchlichen Überlieferung zum Lobe Gottes und zum Heil seines Volkes in gläubiger Ehrfurcht [pie et fideliter] zu feiern?«


(Pontificale Romanum. De Ordinatione Episcopi, presbyterorum et diaconorum,
editio typica altera [Typis Polyglottis Vaticanis 1990])

 

Liebe Mitbrüder im priesterlichen Dienst!

Das Amt, das der Herr uns durch die Vermittlung der Kirche anvertraut hat, besitzt im Munus Sanctificandi einen besonderen und unersetzlichen Grundvollzug. In der Feier der »Mysterien Christi«, die auch auf existentielle Weise den Einsatz der besten und sich dabei gleichsam »verzehrenden« Kräfte des Apostolats erkennen lassen und erkennen lassen müssen, verwirklicht sich dieser Vollzug.

Jenes »Feiern«, zu dem wir uns verpflichtet haben, ist nicht etwas, was vom aktiven Apostolat und der Sendung zu »trennen« wäre: das Werk Gottes vollzieht sich gerade durch die Heiligung seines Volkes. Heiligung »geschieht« in der Feier der Geheimnisse Christi, die jeweils auf Wesen mit geschaffener Freiheit treffen. Zu oft ist unrechtmäßigerweise jene Wahrheit vernachlässigt worden, nach der eben durch die Feier der Geheimnisse immerfort das von Christus, dem Herrn, gewirkte Heil in der Gegenwart wirksam wird.

Die Kirche fordert von ihren Dienern, »pie et fideliter« zu feiern. Die beiden Adjektive beziehen sich auf die innere und die äußere Haltung, die bei der Feier vorherrschen sollte. Die pietas – ein edles menschliches Gefühl – ist weit davon entfernt, eine leere Frömmelei zu meinen; sie verweist unmittelbar auf jenen hohen Sinn des Adels und der Religiosität, der Anerkennung und der Achtung des Heiligen, der die Ausübung des Munus Sanctificandi auszeichnen muß. Frömmigkeit und Hingabe, devotio – das heißt Aufopferung seiner selbst –, sind Gefühle, die typisch sind für den, der wirklich in den Herrn verliebt ist und »dessen Dinge« mit jener Achtung und Zartheit behandelt, die das Herz ohne die geringste Anstrengung für den Geliebten für angebracht erachtet! Die Treue wird einerseits von der Achtung der Form bestimmt, die die Kirche für die Feier der Geheimnisse festgelegt hat; dabei handelt es sich um eine objektive, universale und nie willkürliche Form, die einem Ort oder persönlichen Erfordernissen entsprechend gebeugt werden dürfte. Andererseits gehört zur Treue die »Beständigkeit«, mit der die Geheimnisse gefeiert werden. Die Liturgie, die vor allem göttliches Werk ist, lebt weniger von »subjektiver Kreativität« als vielmehr von jener treuen Wiederholung, die nie eine Schwere zutage treten läßt, sondern Gottes Treue selbst räumlich und zeitlich zum Ausdruck bringt. Kreativ sein bedeutet daher vielmehr, ein Herz zu besitzen, das immer neu, weil verliebt, ist.

Die Geheimnisse werden »zum Lobe Gottes und zum Heil seines Volkes« gefeiert: die Ordnung der Faktoren ist nicht zufällig, obwohl diese gleich-wesentlich bleiben. Wir feiern immer »zum Lobe Gottes«, das heißt innerlich hingewandt zum Herrn, in jener Vertikalität, die der feierlichen Handlung eignet, die ein zur Ewigkeit hin offenes »Fenster« und ein Einbrechen des Ewigen in die Zeit ist. Der Priester ist weniger »Gestalter« des Gebets, als vielmehr derjenige, der beten muss: das Gebet wird nämlich dadurch »beseelt«, daß man betet und mit Taten aufzeigt, wie unersetzlich die Zentralität des Gebetes ist. »Zum Lobe Gottes« verweist auch auf die Anerkennung der Herrlichkeit des Herrn innerhalb des Gottesdienstes: die Sorgfalt in der Liturgie, die Auswahl der Lieder und der Musik, die Vorbereitung des Altares, die Schönheit der liturgischen Gewänder und der Einrichtung – alles trägt dazu bei zu sagen, »wem« wir gehören und was uns wirklich am Herzen liegt; alles bringt zum Ausdruck, zu wem wir beten und was wir feiern. All dies fällt dann wie ein Regen, wie ein »erquickender Tau« auf das heilige Volk Gottes hernieder, für das die Mysterien des Herrn gefeiert werden, eben »zur Heiligung«! Das Leben des Priesters ist zutiefst »gottesdienstlich« – alle Getauften sollen durch das Weiheamt dazu angeleitet werden, ihr Dasein Gott aufzuopfern, »als Opfer, das Gott gefällt« (Eph 5,2).

All dies soll »gemäß der kirchlichen Überlieferung« geschehen. Darin besteht die Wirksamkeit und manchmal sogar die Gültigkeit der Feier der Geheimnisse: daß sie »gemäß der kirchlichen Überlieferung« stattfinden: eingesenkt in eine zweitausendjährige Geschichte, die abseits von jedem Hang zur Selbstdarstellung in Jesus Christus ihren Ursprung und in seiner durch die Kirche fortgesetzten Gegenwart in der Welt ihren Sinn hat. Die Vergangenheit legt ein sehr kostbares Erbe in unsere Hände, und wir sind dazu berufen, es unseren Brüdern unversehrt in seinem Reichtum und – wenn es der Heilige Geist und die übernatürliche Gnade gestatten – bereichert durch unseren Glauben und unser Zeugnis weiterzugeben (tradere).

Diese Vertikalität, Frömmigkeit, Treue und dieser Gehorsam gegenüber der kirchlichen Überlieferung gewährleisten erst die echte Verwirklichung des Priesters, der seines Zeichens dazu da ist, um »die Mysterien Christi« zu feiern.

+ Mauro Piacenza

Titularerzbischof von Victoriana

Sekretär

 

Aus dem Vatikan, 15. August 2009