Die Förderung der Einheit gehört zu den Hauptaufgaben der Kirche

Empfang für den Patriarchen von Antiochien der Syrer

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ROM, 14. Juli 2009 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die offizielle Übersetzung der Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am 19. Juni beim Empfang des Patriarchen von Antiochien der Syrer, Ignace Youssif III. Younan, und seinem Gefolge gehalten hat.

Er ermutigte seine Gäste, die „Förderung der Einheit, der Verständigung und der Vergebung" immer als Hauptaufgaben für den Aufbau der Kirche Gottes zu betrachten und fügte mit Blick auf die Lage im Irak hinzu: „Ich bete unter anderem stets für den Frieden im Nahen Osten, insbesondere für die Christen, die in der geliebten irakischen Nation leben, deren Leiden ich dem Herrn jeden Tag im eucharistischen Opfer darbringe."

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Seligkeit!

Der Besuch, den Sie in Rom abstatten, um die Gräber der Apostel zu verehren und dem Nachfolger Petri zu begegnen, ist für mich eine große Freude. Am heutigen Tag erneuere ich mit aufrichtiger und brüderlicher Zuneigung den Gruß und den Friedenskuß in Christus, den ich zu Beginn des Jahres, kurz nach Ihrer Wahl zum Patriarchen von Antiochien der Syrer mit Ihnen ausgetauscht habe. Ich danke Ihnen für die herzlichen Worte, die Sie im Namen Ihrer Patriarchalkirche an mich gerichtet haben. Ebenso möchte ich Ihren Seligkeiten Kardinal Ignace Moussa Daoud, emeritierter Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, und Ignace Pierre Abdel Ahad, beide emeritierte Patriarchen Ihrer Kirche, sowie allen Mitgliedern der Bischofssynode meine Anerkennung und meine Dankbarkeit aussprechen. Mein Dank wird zum Gebet insbesondere für Sie, Seligkeit, den neuen Patriarchen, während ich mit brüderlicher Solidarität die ersten Schritte Ihres kirchlichen Dienstes begleite.

Seligkeit, die göttliche Vorsehung hat uns als Diener Christi und Hirten seiner einen Herde eingesetzt. Halten wir also den Blick unseres Herzens fest auf ihn gerichtet, den obersten Hirten und Bischof unserer Seelen, in der Gewißheit, daß er uns, nachdem er das bischöfliche »munus« auf unsere Schultern gelegt hat, niemals im Stich lassen wird. Christus selbst, unser Herr, hat den Apostel Petrus als »Felsen« eingesetzt, auf dem das geistliche Gebäude der Kirche ruht, und er hat seine Jünger aufgefordert, in voller Einheit mit ihm, unter seiner sicheren Leitung und der seiner Nachfolger voranzugehen. Im Lauf eurer mehr als tausendjährigen Geschichte ging die Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom immer einher mit der Treue zur geistlichen Tradition des christlichen Orients. Beide zusammen bilden die einander ergänzenden Aspekte des einen Glaubenserbes, das eure ehrwürdige Kirche bekennt. Gemeinsam bekennen wir denselben katholischen Glauben und vereinen unsere Stimmen mit denen der Apostel, Märtyrer und Heiligen, die uns vorangegangen sind. So erheben wir in Christus und dem Heiligen Geist den Gesang des Lobes und des Dankes zu Gott, dem Vater für den unermeßlichen Reichtum dieser Gabe, die unseren schwachen Händen anvertraut ist.

Liebe Brüder der syrisch-katholischen Kirche, ich habe während der festlichen Eucharistiefeier am Hochfest des Leibes und Blutes des Herrn besonders an euch gedacht. In der Predigt, die ich auf dem Vorplatz der Basilika St. Johann im Lateran gehalten habe, habe ich den großen heiligen Kirchenlehrer Ephräm den Syrer zitiert, der sagt: »Beim Abendmahl opfert Jesus sich selbst auf; am Kreuz wurde er von den anderen geopfert.« Diese schönen Worte erlauben mir, die eucharistische Wurzel der »ecclesiastica communio« zu unterstreichen, die ich Ihnen, Seligkeit, im Augenblick der Wahl durch die Synode gewährt habe. Sie haben durch ein öffentliches Zeichen in sehr angemessener Weise dieses enge Band zum Ausdruck bringen wollen, das Sie mit dem Bischof von Rom und der Gesamtkirche verbindet. Dies geschah während der Eucharistiefeier, die Sie gestern in der Basilika »Santa Maria Maggiore« gefeiert haben und an der als mein Sondergesandter der Präfekt der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, Kardinal Leonardo Sandri, teilgenommen hat. In der Tat ist es die Eucharistie, die unsere unterschiedlichen Traditionen in der Einheit des einen Geistes begründet und sie zu einem Reichtum für das ganze Volk Gottes macht. Möge die Feier der Eucharistie, Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens, euch weiter in der alten syrischen Tradition – die sich rühmt, dieselbe Sprache wie unser Herr Jesus Christus zu benutzen – verankern und zugleich den Horizont der Universalität der Kirche vor euch eröffnen! Sie möge euch immer aufmerksam auf das hören lassen, was der Heilige Geist den Kirchen sagt. Sie möge die Augen eures Herzens öffnen, damit ihr die Zeichen der Zeit im Licht des Evangeliums erforschen könnt und auf die Erwartungen und Hoffnungen der Menschen wie auch auf die Nöte derer, die in Situationen großer Armut leben, zu antworten wißt. Die Eucharistie ist das Brot des Lebens, das eure Gemeinschaften nährt und sie alle in der Einheit und in der Liebe wachsen läßt. Schöpft also aus der Eucharistie, dem Sakrament der Einheit und der Gemeinschaft, die Kraft, die Schwierigkeiten zu überwinden, die eure Kirche in den letzten Jahren durchgemacht hat, um die Wege der Vergebung, der Versöhnung und der Gemeinschaft wiederzufinden.

Liebe Brüder, ich danke euch nochmals für euren Besuch, der mir die Gelegenheit gibt, euch meine tiefe Fürsorge hinsichtlich eurer kirchlichen Probleme zum Ausdruck zu bringen. Ich freue mich über die volle Wiederherstellung des Funktionierens eurer Synode und ermutige alle Bemühungen im Blick auf die Förderung der Einheit, der Verständigung und der Vergebung, die ihr immer als Hauptaufgaben für den Aufbau der Kirche Gottes betrachten müßt. Ich bete unter anderem stets für den Frieden im Nahen Osten, insbesondere für die Christen, die in der geliebten irakischen Nation leben, deren Leiden ich dem Herrn jeden Tag im eucharistischen Opfer darbringe.

Ich möchte schließlich mit euch eine andere meiner Hauptsorgen teilen, die Sorge um das geistliche Leben der Priester. Genau am heutigen Tag, dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu und Tag der Heiligung der Priester, werde ich die große Freude haben, das Priester-Jahr zu eröffnen, im Gedenken an den 150. Todestag des heiligen Pfarrers von Ars. Ich glaube, daß dieses besondere Jubiläumsjahr, das jetzt beginnt, wo das Paulus-Jahr zu Ende geht, eine fruchtbare Gelegenheit ist, die sich der ganzen Kirche bietet. Auf Golgota stand Maria mit dem Apostel Johannes unter dem Kreuz. Heute begeben auch wir uns geistig mit all euren Priestern unter das Kreuz, um unseren Blick auf den zu richten, der durchbohrt wurde und von dem wir die Fülle aller Gnaden empfangen. Maria, Königin der Apostel und Mutter der Kirche wache über Sie, Seligkeit, über die Synode und die ganze syrisch-katholische Kirche! Meinerseits versichere ich euch, daß ich euch mit meinem Gebet begleite, und erteile euch den Apostolischen Segen, in den ich alle Gläubigen eurer ehrwürdigen Kirche, die in den verschiedenen Ländern der Welt leben, einschließe.

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