"Die Freude Gottes ist die Vergebung!"

Worte des Heiligen Vaters beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 487 klicks

Heute um 12.00 Uhr zeigte sich der Heilige Vater Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast des Vatikans, um mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den Angelus zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach der Papst die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren:

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[Vor dem Angelus]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Die heutige Liturgie legt uns das 15. Kapitel des Evangeliums nach Lukas vor. Dieses enthält drei Gleichnisse über die Barmherzigkeit: das Gleichnis vom verlorenen Schaf, des verlorenen Geldstücks und dann das längste aller Gleichnisse: das Gleichnis vom Vater und seinen zwei Söhnen, dem „Wunderknaben“ und jenem, der glaubt, „gerecht“ und heilig zu sein. Alle drei Gleichnisse sprechen von der Freude Gottes. Gott ist voller Freude. Interessant ist in diesem Zusammenhang Folgendes: Gott ist voller Freude! Worin besteht die Freude Gottes? Die Freude Gottes ist die Vergebung! Sie ist die Freude eines Hirten, der sein Schäfchen wiederfindet; die Freude einer Frau, die ihr Geldstück wiederfindet; die Freude eines Vaters, der seinen verlorenen Sohn wieder in seinem Haus aufnimmt, der gleichsam wieder zum Leben erwacht und zurückkehrt, nachdem er tot geglaubt war. Hier ist das ganze Evangelium enthalten, hier ist das ganze Christentum! Dabei handelt es sich jedoch nicht allein um ein Gefühl oder ein „Gutmenschentum“! Vielmehr ist die Barmherzigkeit die wahre Kraft, die den Menschen und die Welt vor dem „Krebs“ retten kann, das die Sünde, das moralische und geistliche Übel ist. Allein die Liebe füllt die Leere, die negativen Abgründe, die das Böse in den Herzen und in der Geschichte aufreißt. Dies vermag nur die Liebe, die die Freude Gottes ist!

Jesus ist ganz Barmherzigkeit, ganz Liebe: Er ist der Mensch gewordene Gott. Jeder von uns ist jenes verlorene Schaf, jenes verlorene Geldstück, jener Sohn, der seine Freiheit verdorben hat, indem er falschen Götzen folgte, Blendungen es Glücks, und dabei alles verlor. Gott aber vergisst nicht, der Vater verlässt uns nie. Er respektiert unsere Freiheit, bleibt aber stets treu: Wenn wir zurückkehren, nimmt er uns als Kinder in sein Haus auf, da er nie, auch nicht für einen Augenblick, aufhört, uns mit Liebe zu erwarten. Sein Herz jubelt vor Freude über jeden zurückkehrenden Sohn. Er jubelt, denn er ist die Freude. In Gott wohnt diese Freude, wenn einer von uns Sündern sich an ihn wendet und ihn um Vergebung bittet.

Welche Gefahr ist damit verbunden? Sie besteht darin, sich für gerecht zu halten und über die anderen zu urteilen. So urteilen wir auch über Gott, da wir denken, er solle die Sünder züchtigen und sie zum Tode verurteilen, anstatt ihnen zu vergeben. So laufen wir Gefahr, nicht ins Haus Gottes zu gelangen, wie der ältere Bruder im Gleichnis, der sich nicht über die Rückkehr seines Bruders freut, sondern sich darüber ärgert, dass der Vater ihn aufgenommen und ein Fest für ihn bereitet hat. Wenn in unseren Herzen keine Barmherzigkeit lebt, die Freude der Barmherzigkeit, sind wir nicht in Gemeinschaft mit Gott, auch wenn wir alle Gebote befolgen. Es ist die Liebe, die rettet, nicht allein die Einhaltung der Gebote. Es ist die Liebe zu Gott und zum Nächsten, die zur Erfüllung aller Gebote führt. Und die Liebe Gottes, seine Freude ist die Vergebung. Er wartet immer auf uns! Vielleicht tragen manche von uns eine schwere Last in ihren Herzen und denken: „Aber ich habe dies und jenes getan …“. Er wartet dennoch! Er wartet immer auf uns, denn er ist der Vater!

Wenn wir nach dem Gesetz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ leben, so werden wir der Spirale des Bösen nie entkommen können. Der Teufel ist schlau, und er täuscht uns damit, dass wir uns und die Welt mit unserer Gerechtigkeit retten können. In Wahrheit aber kann uns allein die Gerechtigkeit Gottes retten. Diese offenbarte sich uns im Kreuz: Das Kreuz ist die Gerechtigkeit Gottes über uns alle und diese Welt. Doch wie urteilt Gott? Er urteilt, indem er sein Leben für uns hingibt und so den Fürsten der Welt ein für alle Mal besiegt. Dieser höchste Akt der Gerechtigkeit ist die Barmherzigkeit. Jesus lädt uns ein, ihm auf diesem Weg zu folgen. „Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist“ (Lk 6,36). Ich möchte euch nun um etwas bitten. Denken wir alle in Stille an einen Menschen, dem wir nicht wohl gesonnen sind, über den wir uns ärgern, den wir nicht mögen. Lasst uns im Stillen an diesen Menschen denken. Beten wir einen Augenblick für diesen Menschen, und werden wir barmherzig. [Gebet in Stille].

Bitten wir nun die hl. Maria, die Mutter der Barmherzigkeit, um ihre Fürsprache.

[Nach dem Angelus]

Liebe Brüder und Schwestern,

gestern wurde in Argentinien die Seligsprechung des 1840 geborenen und 1914 gestorbenen José Gabriel Brochero, Priester der Diözese Córdoba, gefeiert. Gedrängt von der Liebe zu Christus, widmete er sein ganzes Leben mit unendlicher Barmherzigkeit und großem Eifer dem Seelenheil seiner Herde, um alle in das Reich Gottes zu führen. Er stand den Menschen bei und versuchte, viele von ihnen in geistliche Übungen einzuführen. Dabei legte er mit seiner Eselin, die „Facciabrutta“ hieß, weil sie nicht schön war, viele Kilometer zurück, überwand Berge und ging auch im Regen, denn er war mutig! Aber auch ihr seid mutig, die ihr trotz des Regens hierhergekommen seid. Ich lobe euch! Am Ende hatte der Selige zwar das Augenlicht verloren und litt an Lepra, war aber voller Freude. Er war erfüllt von der Freude des guten Hirten, des barmherzigen Hirten!

(...)

Heute kommt in Turin die unter dem Thema „Famiglia, speranza e futuro per la società italiana” (Familie, Hoffnung und Zukunft für die italienische Gesellschaft) stehende „Settimana Sociale dei Cattolici Italiani” (soziale Woche der Katholiken Italiens) zum Abschluss. Ich begrüße alle Teilnehmer und freue mich über den großen Einsatz der Kirche Italiens, der die Familien vereint, den Familien gilt und auch den Institutionen sowie dem gesamten Land einen spürbaren Impuls verleiht! Geht weiter voran auf diesem Weg der Familie!

Mit Zuneigung begrüße ich alle hier anwesenden Pilger: die Familien, die Gruppen von Pfarrgemeinden, die jungen Menschen. Mein besonderer Gruß gilt den Gläubigen von Dresano, Taggi di Sotto und Torre Canne di Fasano; UNITALSI von Ogliastra, den Kindern aus Trento, die bald die Erstkommunion empfangen werden, den Jugendlichen aus Florenz und dem „Spider Club Italia“.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag und gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!