Die Friedensbotschaft des Papstes

Von John Flynn

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ROM, 19. Januar 2007 (ZENIT.org).- Immer dringlicher werde es, sich mit vereinten Kräften für eine friedliche Welt einzusetzen, erklärte Papst XVI. in seiner Neujahrspredigt im Petersdom. Am 1. Januar, dem Hochfest der Gottesmutter Maria, wurde zugleich der Weltfriedenstag begangen.



Drei Tage vor Weihnachten erschien zu diesem Thema eine ermutigende Studie mit dem Titel „Human Security Brief 2006“. Sie wurde am 21. Dezember vom Human Security Center der British Columbia University (Kanada) veröffentlicht und bestätigt die Ergebnisse einer Erhebung aus dem Jahr 2005, nach der die Zahl der weltweit geführten Kriege in den 2002 bis 2005 signifikant gesunken ist.

Im Einzelnen werden unter anderem folgende positive Entwicklungen angeführt:

-- Die Zahl der bewaffneten Konflikte verringerte sich im Zeitraum von 2002 bis 2005 von 66 auf 56. Am signifikantesten veränderte sich die Situation im Afrika südlich der Sahara: In dieser Regionen gingen die von den jeweiligen Regierungen verantworteten Konflikte im genannten Zeitraum von 13 auf fünf zurück; die Zahl der nicht-staatlichen Konflikte, also Stammesfehden und Kämpfe zwischen paramilitärischen Milizen, sank von 24 auf 14.

-- Während der genannten Jahre ging die Zahl der Todesopfer bei kriegerischen Auseinandersetzungen um 40 Prozent zurück. Allerdings seien, so heißt es in der Studie, die diesbezüglichen statistischen Angaben nicht sonderlich zuverlässig.

-- Der Rückgang der Genozide und Massenmorde nach dem Kalten Krieg setzt sich weiter fort. Im Jahr 2005 war „nur“ ein einziger Genozid im Gange, der in Darfur (Südsudan). Im Jahr 1989 gab es derer immerhin noch zehn.

-- Immer häufiger werden Kriege nicht bis zu Ende ausgefochten, sondern auf dem Verhandlungsweg beendet.

-- Die geschätzte Zahl der Flüchtlinge in der ganzen Welt sank von 34,2 auf 32,1 Millionen.

-- Militärputsche und Putschversuche nahmen von zehn im Jahr 2004 auf drei im Jahr 2005 ab.

Zu den negativen Entwicklungen, die im „Human Security Brief 2006“ festgehalten wird, zählen:

-- In einigen Regionen nahmen die Konflikte zu. So ist zum Beispiel Zentral- und Südasien gegenwärtig die am meisten von Konflikten heimgesuchte Region. Auch auf anderen Erdteilen, etwa im Nahen Osten, nahmen die gewaltsamen Auseinandersetzungen zu.

-- Die Zahl der internationalen Terroranschläge verdreifachte sich in dem von der Studie behandelten Zeitraum, die der Todesopfer bei Terroranschlägen verfünffachte sich. Die meisten wurden vom Irakkrieg verursacht. Außerhalb des Nahen Ostens und Südasiens geht die Zahl der Terroranschläge jedoch weiterhin zurück.

-- Dafür nehmen organisierte Anschläge auf Zivilisten wieder zu, nachdem die Zahl der zivilen Opfer – entgegen den weit verbreiteten Befürchtungen, die auf die Terrorgefahr zurückzuführen sind – seit dem Ende des Kalten Krieges merklich abgenommen hatte.

In dem Bericht wird zudem darauf hingewiesen, dass es die Anzahl an Todesopfern bei Terroranschlägen verglichen mit der Zahl der Opfer bei bewaffneten Konflikten „relativ“ niedrig sei. So betrug die Zahl der zivilen Opfer aufgrund von Terroranschlägen seit 1998 durchschnittlich 2.546 pro Jahr, die jährliche Rate der Todesopfer aufgrund von staatlich verantworteten bewaffneten Konflikten im Zeitraum von 1998 bis 2005 dagegen fast 60 000.

Die Beendigung von Kriegen

In einem Abschnitt des angesprochenen Berichts geht es um den Trend zur Beendigung von Konflikten durch Verhandlungen. Zwischen 2000 und 2005 wurden nicht weniger als 17 Konflikte auf dem Verhandlungsweg beigelegt, nur vier mit gewaltsamen Mitteln.

Diese Tatsache bestätigt laut Studie, dass die Bemühungen der vergangenen Jahre, Konflikte durch Verhandlungen und dank Friedenstruppen, die oft von den Vereinten Nationen finanziert wurden, zu beenden, erfolgreich waren.

Es gebe allerdings auch, so die Studie, die Kehrseite der Medaille: Es seien Daten vorhanden, aus denen hervorgehe, dass die Konflikte, die durch Verhandlungen beendet werden, bis zu dreimal länger dauern als solche, die im Kampf beigelegt werden; zudem sei bei ihnen die Wahrscheinlichkeit, dass sie innerhalb von fünf Jahren wieder neu aufbrechen, nahezu doppelt so hoch.

Wie das Human Security Center bemerkt, gibt es Kritiker der Verhandlungsstrategie, die behaupteten, dass Friedensgespräche oft nicht viel mehr bewirkten, als den Kombattanten eine Atempause zur Vorbereitung für weitere Kämpfe zu gönnen. Demgegenüber heißt es in der Studie, dass Verhandlungen nicht unbedingt die Konflikte verlängern müssten; vielmehr zögen sich die Feindseligkeiten oft gerade dann in die Länge, wenn keine der betroffenen Seiten in der Lage sei, die andere zu besiegen; in diesem Fall stellten Verhandlungen die einzige Lösungsmöglichkeit dar.

Es sei zwar noch zu früh für eine endgültige Analyse der Situation, aber immerhin habe es den Anschein, dass die Übereinkünfte, die in der nahen Vergangenheit getroffen worden seien, besser formuliert und dauerhafter seien. Im Zeitraum von 2000 bis 2005 seien nur zwei von 17 ausgehandelten Verträgen gescheitert.

Die menschliche Person und verkürzte Menschenbilder

Die zentrale Aussage Benedikts XVI. in seiner Botschaft zum Weltfriedenstag am 1. Januar lautet: Wenn weitere Fortschritte bei der Reduzierung von bewaffneten Konflikten erzielt werden sollen, muss der Würde der menschlichen Person mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Bezeichnenderweise trägt sein Dokument den Titel, „Der Mensch, Herz des Friedens.“

„Ich bin überzeugt, dass durch die Achtung der Person der Friede gefördert wird und mit der Herstellung des Friedens die Voraussetzungen für einen authentischen ‚ganzheitlichen Humanismus‘ geschaffen werden“, schreibt der Papst in Abschnitt 1.

Da der Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen ist, sei er mit der Würde ausgestattet, Person zu sein. Und zugleich sei er zu einem Bund mit seinem Schöpfer berufen; konkret dazu, ihm eine Antwort des Glaubens und der Liebe zu geben und einen persönlichen Beitrag zum Fortschritt der Welt zu leisten.

Das Recht auf Leben und Religionsfreiheit

Der Friede ist nach Benedikt XVI. „Gabe und Aufgabe zugleich“ (3). Er sei Ausdruck des göttlichen Wirkens, das in der Erschaffung eines geordneten und harmonischen Universums und in unserer Erlösung zum Ausdruck komme. Der Friede sei zugleich aber auch eine Aufgabe, die jeden von uns zu einer persönlichen Antwort verpflichte. Wenn wir uns auf der Grundlage der Achtung vor der Würde jedes Menschen für den Frieden einsetzten, dann bedeute dies, dass wir die Rechte eines jeden anerkennen; und das setze voraus, dass wir das Recht des Menschen auf Leben in jeder Phase seines Lebens verteidigen und schützen.

Ein weiteres elementares Recht sei das der Religionsfreiheit. „Das Recht auf Leben und auf die freie Äußerung des eigenen Glaubens an Gott ist nicht der Macht des Menschen unterworfen“ (4).

Zu den weiteren in der Botschaft zur Sprache gebrachten Aspekten gehört die Überwindung aller sozialen Ungerechtigkeiten, damit alle Menschen die grundlegenden materiellen Güter und die fundamentalen Menschenrechte erlangen können. Außerdem ruft der Papst nachdrücklich dazu auf, die Lebensbedingungen für Frauen zu verbessern und die Achtung vor ihrer Würde zu garantieren.

In diesem Zusammenhang warnt der Papst auch vor anthropologischen Vorstellungen, die in sich selbst den Keim zu Feindseligkeit und Gewalt tragen. Als weitere Gefahr nennt er Gottesvorstellungen, die zu Gewalt und Feindseligkeit anstacheln. Wörtlich schreibt er: „Wenn eine gewisse Auffassung von Gott den Ursprung verbrecherischer Handlungen bildet, ist das ein Zeichen dafür, dass diese Auffassung bereits zu einer Ideologie geworden ist“ (10).

Sodann wendet sich Benedikt XVI. einem Thema zu, auf das er besonders beharrlich immer wieder zurückkommt: Er warnt vor den Gefahren des Relativismus. Eine „schwache“ Sicht des Menschen (das heißt eine Sicht, die jeder auch exzentrischen Vorstellung Raum gibt, vgl. Abschnitt 11), führe zu schwachen Menschenrechten. Wenn sich diese Rechte auf ein schwaches Menschenbild gründeten – wie sollten sie dann nicht auch selber geschwächt sein?, fragt der Heilige Vater. Die Rechte würden zwar als absolut hingestellt, aber das Fundament, das man für sie anführe, sei nur relativ.

Wenn die Menschenrechte nicht in objektiven Ansprüchen der dem Menschen von Gott gegebenen Natur verwurzelt seien, dann unterlägen sie der Laune der sich wandelnden Prioritäten und gesellschaftlichen Zwänge. Der Papst ruft die Vereinten Nationen deshalb dazu auf, das Fundament der Menschenrechte nicht aus dem Blick zu verlieren. Wörtlich schreibt Benedikt XVI. diesbezüglich: „Das bewahrt sie (die internationalen Organe) vor der leider immer latent vorhandenen Gefahr, in eine nur positivistische Interpretation dieser Rechte abzugleiten“ (13).

Eine berechtigte Hoffnung auf Frieden hängt also von einer größeren Achtung vor den fundamentalen, unveränderlichen Prinzipien ab, die in der Natur des Menschen verankert sind.