Die Funktion von Religionen und Weltanschauungsgemeinschaften in einer pluralistischen Demokratie

Bettina Jarasch über die neue Kommission der Grünen

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 197 klicks

Das Erzbistum Berlin veröffentlichte gestern ein Interview der KNA mit Bettina Jarasch, die Mitglied im Bundesvorstand der Grünen ist und gemeinsam mit Simone Peter eine neue Kommission leiten wird, die sich mit dem Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften auseinandersetzen wird.

Bettina Jarasch ist aktives Mitglied der katholischen Kirche; sie gehört dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) an und leitet den Pfarrgemeinderat der Kirchengemeinde Sankt Marien-Liebfrauen in Berlin-Kreuzberg.

Zur neuen Kommission erklärte Bettina Jarasch: „Die Kommission will sich damit beschäftigen, welche Funktion Religionen und Weltanschauungsgemeinschaften in einer pluralistischen Demokratie haben und welcher rechtliche und finanzielle Rahmen notwendig ist.“ In der Gesellschaft seien in den vergangenen Jahren große Veränderungen feststellbar. Während die Zahl religiöser und weltanschaulicher Gruppen zunehme, sei bei den beiden großen Konfessionen ein Rückgang feststellbar. „Es ist an der Zeit, eine Debatte über die Folgen dieser Entwicklung zu führen.“

Auf die Frage nach den durchaus auch kirchenkritischen Tönen aus den Reihen der Grünen erklärte Jarasch, dass es innerhalb ihrer Partei sowohl viele religiöse als auch laizistische Grüne gebe, denen als gemeinsames Anliegen das „Aufbrechen verkrusteter Strukturen“ am Herzen liege. „Darauf wollen wir auch bei der Diskussion über das Verhältnis zwischen Religion und Staat unser Augenmerk richten.“

Der Kommission werden rund 23 Vertreter angehören, darunter der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, und die Vorsitzende der Bundestagsfraktion, Katrin Göring-Eckardt. „Wir haben uns bemüht, das gesamte Spektrum an Positionen in unserer Partei miteinzubeziehen, was gar nicht so einfach war: Aber es sind jetzt sowohl praktizierende wie nicht praktizierende christliche, muslimische und jüdische Grüne als auch Vertreter des religionskritischen Arbeitskreises Säkulare Grüne dabei“, so Jarasch.

Zu den Themen, die in der Kommission diskutiert werden, werden „Statusfragen“ ebenso zählen, wie die „Rolle von Religionen in öffentlichen Institutionen wie der Schule“. Ein weiterer Punkt werde die Frage sein, „wo die Grenzen zu ziehen sind, wenn kollektive und individuelle Religionsfreiheit miteinander oder mit anderen Grundrechten in Konflikt geraten.“

Auch das kirchliche Arbeitsrecht werde ein Thema für die Kommission darstellen, so Jarasch. „Wir sind eine Antidiskriminierungspartei und vor diesem Hintergrund können viele Grüne Sonderregelungen, die für die Kirchen gelten, nicht nachvollziehen.“

Als Arbeitsergebnis strebt die Kommission „etwas langfristig Tragfähiges“ an. „Geplant ist, dass wir im Herbst kommenden Jahres einen Abschlussbericht vorlegen. Die Ergebnisse könnten dann etwa in das nächste Parteiprogramm einfließen. In die Debatte sollen auch die Religionsgemeinschaften miteinbezogen werden, sobald wir uns in der Kommission über grüne Grundlinien verständigt haben.“ Als wichtig betonte Bettina Jarasch die Bedeutung des spezifischen Religionsverfassungsrechts: „Ich persönlich bin etwa eine große Befürworterin des Religionsunterrichts und glaube, dass er die Chance bietet, Schüler fit für ein tolerantes Zusammenleben zu machen. Aber natürlich wird es auch Vorschläge geben, die die Besitzstände der Kirchen in Frage stellen.“