Die geistliche Schriftlesung, Weg zur Gotteserkenntnis

Benedikt XVI. über die Pastoralbriefe - 19. Katechese zum heiligen Paulus

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ROM, 28. Januar 2009 (ZENIT.org).- Um die Gegenwart Gottes in der Geschichte zu entdecken, sei es erfoderlich, „die Schrift geistlich zu lesen“. Mit diesen Worten wandte sich Papst Benedikt XVI. heute während der Generalaudienz in der Audienzhalle Pauls VI. an rund 8.000 Pilger und Besucher.



Am Ende seiner Ausführungen, die wieder im Zeichen des Völkerapostel Paulus standen, betonte der Papst seine Solidarität mit dem jüdischen Volk und bezeichnete die Schoah als ein Mahnmal für das, was die Macht des Bösen tun könne. Ebenso erinnerte er an die Rücknahme der Exkommunikation der vier Bischöfe der Priesterbruderschaft St. Pius X. Benedikt XVI. bezeugte seinen Wunsch, dass auf diese seine Geste das umgehende Bemühen von Seiten der Bruderschaft folge, die weiteren notwendigen Schritte zu setzen, um die volle Einheit mit der Kirche zu realisieren. Abschließend brachte der Heiloige Vater seine Segenswünsche zur Wahl des neuen Patriarchen von Moskau und ganz Russland Kyrill zum Ausdruck.

Als besonders freudiger Moment präsentierte sich danach die Begegnung des Papstes mit einer Gruppe von Künstlern des Zirkus Medrano. Benedikt XVI. verfolgte mit einem Lächeln die kurze Vorstellung und schloss sich dem Applaus der Anwesenden an. Zum Schluss brachte einer der Domteure ein Löwenbaby zum Papst, der dieses streichelte.

In seiner Katechese zur Lehre des heiligen Paulus betonte Benedikt XVI. die Notwendigkeit der geistlichen Schriftlesung. Die Schrift dürfe nicht, wie dies heute oft geschehe, „aus reiner Neugier oder historischer Wissbegier“ gelesen werden, um in ihr Fakten und Geschichten auszumachen. Bereits die ersten christlichen Gemeinden seien dieser Versuchung ausgesetzt gewesen, was in den letzten Briefen des Völkerapostels, den so genannten „Pastoralbriefen“, korrigiert worden sei. Diese Briefe seien einzelnen Hirten übersandt worden: zwei Briefe an Timotheus und ein Brief an Titus, beides enge Mitarbeiter des Völkerapostels.

Die Pastoralbriefe, so erklärte der Papst, seien an eine neue Generation von Christen gerichtet gewesen, in einer kirchlichen Situation, die sich von jener der zentralen Jahre des Lebens des Paulus unterschieden hätte. Mit diesen Briefen beziehe sich Paulus insbesondere auf die Lesung der Schrift, auf das Glaubensgut sowie auf die Struktur der Kirche. Als „offene Gemeinschaft betet die Kirche für alle Menschen jeden Standes und jeden Ranges, damit sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen, da Christus für alle gestorben ist“, so der Papst.

In den Pastoralbriefen werde des Weiteren der „gute Schatz“ erwähnt. Damit sei die Überlieferung des apostolischen Glaubens gemeint, die es mit Hilfe des Heiligen Geistes, der in uns wohne, zu bewahren gelte. Es handle sich dabei „um die Summe der apostolischen Überlieferung und das Kriterium der Treue gegenüber der Botschaft des Evangeliums“.

Schrift und Tradition bilden nach Worten des Papstes beide zusammen das feste, von Gott geschaffene Fundament. Die apostolische Verkündigung „ist notwendig, um in die Schrift einzutreten und in ihr die Stimme Christi zu sehen“, fügte Benedikt XVI. hinzu.

Die Briefe nähmen auch auf die Amtsstruktur der Kirche Bezug, mit der dreifachen Einteilung in Bischöfe, Priester und Diakone. „Hier haben wird das Wesentliche der katholischen Struktur. Es muss die persönliche Struktur der Nachfolger als Zeugen der apostolischen Verkündigung hinzugefügt werden.“

Die Kirche werde von Paulus in sehr menschlichen Begriffen dargestellt, er vergleiche sie mit einem Haus oder einer Familie. Über den Bischof schreibe er, dass dieser „untadelig, nur einmal verheiratet, nüchtern, umsichtig, fähig zum Lehren, gewaltlos und wohlwollend, nicht streitsüchtig und nicht dem Geld verhangen“ sein solle. Sein Leumund bei den Christen müsse gut sein. Der Bischof müsse mit einem Wort „aufmerksam der Lehre und der Väterlichkeit gegenüber“ sein, da er als „Vater der christlichen Gemeinde“ angesehen werde.

Benedikt XVI. schloss seine Katechese mit einem Gebet: „Bitten wir darum, dass auch wir uns in der Gesellschaft, in der wir leben, immer mehr als Christen zeigen können, als Glieder der Familie Gottes und als Hirten der Kirche, die beim Aufbau der Gemeinde Gottes, der Kirche, immer mit feinfühligen und zugleich starken väterlichen Gefühlen ausgestattet sind.“