"Die geweihten Menschen sind ein Zeichen Gottes"

Die Worte des Papstes beim Angelus-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 341 klicks

Papst Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das Angelus-Gebet zu sprechen.

Zur Einführung in das Mariengebet sprach er die folgenden Worte, die wir hier in einer eigenen Übersetzung dokumentieren.

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[Vor dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern, guten Tag!

Heute ist das Fest der Darstellung des Herrn. An diesem Tag begehen wir auch den Tag des geweihten Lebens, der uns daran erinnert, wie wichtig für die Kirche jene Menschen sind, die dem Ruf gefolgt sind, Jesus aus nächster Nähe in der Anwendung des Vorbilds der Evangelien nachzufolgen. Das heutige Evangelium berichtet, dass vierzig Tage nach Jesu Geburt Maria und Josef das Kind zum Tempel trugen, um es Gott darzubringen und ihm zu weihen, wie es das mosaische Gesetz vorsah. Diese Episode des Evangeliums ist auch ein Sinnbild für die Schenkung des eigenen Lebens seitens derer, die durch Gottes Gnade die Haupteigenschaften Jesu annehmen, der keusch, arm und gehorsam war.

Diese Darbringung des eigenen Lebens betrifft jeden Christen, denn wir alle sind durch die Taufe geweiht worden. Wir alle sind dazu berufen, uns mit Jesus und wie Jesus dem Vater zu schenken, indem wir aus unserem Leben eine großzügige Gabe machen; in der Familie, im Beruf, im Dienst an der Kirche, in den Werken der Nächstenliebe. Doch wird diese Weihe des eigenen Lebens auf ganz besondere Weise von den Ordensleuten, den Mönchen, den geweihten Laien verwirklicht, die durch ihre Gelübde zum ausschließlichen Eigentum Gottes werden. Diese Zugehörigkeit zu Gott erlaubt es denen, die sie auf authentische Weise leben, ein besonderes Zeugnis vom Evangelium des Gottesreichs abzulegen. Weil sie sich ganz Gott geweiht haben, sind sie ganz den Mitmenschen übergeben, um das Licht Christi dorthin zu tragen, wo die Finsternis am dichtesten ist, und um den verzweifelten Herzen seine Hoffnung zu bringen.

Die geweihten Menschen sind ein Zeichen Gottes in den verschiedensten Bereichen des Lebens, ein Sauerteig, der eine gerechtere und geschwisterlicheres Gesellschaft wachsen lässt, eine Verheißung der Teilnahme mit den Armen und Kleinen. Wenn es auf diese Weise verstanden und gelebt wird, erscheint uns das geweihte Leben als das, was es wirklich ist: ein Geschenk Gottes, ein Geschenk Gottes an die Kirche, ein Geschenk Gottes für sein Volk! Jeder geweihte Mensch ist ein Geschenk für das Gottesvolk, das unterwegs ist. Es herrscht ein großes Bedürfnis nach diesen Menschen, die den Einsatz für die Verbreitung des Evangeliums, der christlichen Kultur, der Liebe zu den Notleidenden, des kontemplativen Gebets stärken und erneuern. Und auch den Einsatz für die menschliche und geistige Formung der Jugendlichen und der Familien, für Frieden und Gerechtigkeit in der großen Menschheitsfamilie . Denkt doch, was geschähe, wenn die Ordensfrauen aus den Krankenhäusern, den Missionen, den Schulen verschwänden! Versucht doch, euch eine Kirche ohne Ordensschwestern vorzustellen! Das kann man sich gar nicht vorstellen: Sie sind der Sauerteig, der das Volk Gottes vorantreibt. Diese Frauen, die ihr Leben Gott geweiht haben und die Botschaft Jesu verbreiten, sind wirklich großartig!

Die Kirche und die Welt brauchen dieses Zeugnis der Liebe und der Barmherzigkeit Gottes. Die geweihten Menschen, die Ordensmänner und Ordensfrauen bezeugen, dass Gott gut und barmherzig ist. Deshalb ist es notwendig, mit Dankbarkeit die Lebenserfahrung dieser Menschen zu verwerten und die Kenntnis der verschiedenen Charismen und spirituellen Traditionen zu vertiefen. Wir müssen beten, damit viele Jugendliche dem Herrn, der sie dazu beruft, sich ganz ihm und dem selbstlosen Dienst an den Mitmenschen zu weihen, mit „Ja!“ antworten und ihr Leben Gott weihen, um den Brüdern und Schwestern zu dienen.

Aus all diesen Gründen wird das nächste Jahr, wie schon angekündigt, auf besondere Weise dem geweihten Leben gewidmet sein. Lasst uns jetzt schon diese Initiative der Fürbitte von Maria und Josef anvertrauen, die als Eltern Jesu die ersten waren, die von ihm geweiht wurden und ihm ihr Leben weihten.

[Nach dem Angelus:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich grüße die Familien, Pfarreien, Vereine und alle Pilger die aus Rom, Italien und vielen Ländern der Welt gekommen sind. Ganz besonders grüße ich die spanischen Studenten aus Villafranca de los Barros und Zafra; die Verehrer des seligen Stefano Bellesini, die aus Verona gekommen sind; die Gläubigen aus Taranto, die Chöre aus Turriaco, Modena und der Provinz Tarent.

In Italien wird heute der „Tag des Lebens“ gefeiert, dessen Thema in diesem Jahr lautet: „Zukunft zeugen“. Ich grüße und ermutige die Vereine, Bewegungen und Kulturzentren, die sich in der Verteidigung und Unterstützung des Lebens engagieren. Zusammen mit den italienischen Bischöfen wiederhole ich, dass „jedes Kind ein Gesicht des Herrn ist, der das Leben liebt; ein Geschenk für die Familie und die Gesellschaft“ (Botschaft zum 36. Nationalen Tag des Lebens). Jeder soll in seinem Umfeld und bezogen auf seine Rolle in der Gesellschaft den Ruf spüren, dem Leben zu dienen, es aufzunehmen, zu achten und zu fördern, besonders dann, wenn es schwach und hilfsbedürftig ist, vom Mutterleib bis zu seinem Abschied aus dieser Welt.

Ich grüße den Kardinalvikar und alle, die in der Diözese Rom für die Veranstaltung des Tags des Lebens arbeiten. Ich danke den Universitätsdozenten, die aus diesem Anlass Vorträge über die aktuellen Probleme gehalten haben, die dieses Thema betreffen. Vielen Dank!

Meine Gedanken sind mit den Menschen in Rom und in der Toskana, die von den starken Regenfällen und Überschwemmungen dieser Tage betroffen sind. Diesen unseren Brüdern und Schwestern, die in Not sind, darf unsere konkrete Unterstützung genauso wenig fehlen, wie unser Gebet. Liebe Brüder und Schwestern, ich bin euch nahe!

Allen wünsche ich einen schönen Sonntag und gesegnete Mahlzeit. Auf Wiedersehen!

[Aus dem Italienischen übersetzt von Alexander Wagensommer]