Die Globalisierung des Friedens

Interview mit dem katholischen Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr Dr. Walter Mixa

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AUGSBURG, 1. Februar 2007 (ZENIT.org).- Der Augsburger Diözesanbischof Dr. Walter Mixa, der seit dem 31. August 2000 für die Militärseelsorge in Deutschland zuständig ist, geht im vorliegenden ZENIT-Interview auf den Friedensdienst der Soldaten ein. Darüber hinaus fordert er einen Gottesbezug in der zukünftigen europäischen Verfassung, in der „auch die Grundintentionen des christlichen Humanismus“ zur Sprache kommen müssten.



Das Gespräch mit dem 65 Jahre alten Oberhirten führte Giovanni Patriarca.

ZENIT: In seiner Botschaft zum letzten Weltfriedenstag hat der Heilige Vater die Bedeutung der Verpflichtung für den Frieden betont. Wie arbeitet der Militärbischof in seiner heiklen Aufgabe im Dienst des Friedens?

-- Bischof Mixa: In der Botschaft von Papst Benedikt XVI. zur Feier des Weltfriedenstages am 1. Januar 2007 steht die Würde des Menschen als Geschöpf Gottes im Mittelpunkt. Jeder Mensch hat Würde, unabhängig von seiner Herkunft und Hautfarbe, ob er gläubig ist oder überhaupt keiner Konfession angehört. Der Schutz der Menschenwürde geschieht durch die Gewährleistung der Menschenrechte. Deshalb ist die Regelung der Beziehungen zwischen Kirche und Staat in Deutschland im wechselseitigen Interesse so formuliert, dass die Soldatinnen und Soldaten in der Bundeswehr ihren rechtlichen Anspruch auf Seelsorge und ungestörte Religionsausübung verwirklichen können.

Wichtig für mich ist in der Erfüllung meiner Aufgaben, dass ich das Gespräch mit den Soldatinnen und Soldaten sowohl an den Standorten als auch in den Auslandseinsätzen führen kann. Dabei kommt es mir immer darauf an ihnen zu verdeutlichen, dass ihr Dienst ein Dienst für den Frieden ist. Dabei will ich betonen, dass gerade der Lebenskundliche Unterricht (LKU), den unsere Militärpfarrer, Pastoralreferenten und Pastoralreferentinnen erteilen, ein wichtiger Beitrag für den Friedensdienst der Soldatinnen und Soldaten ist. Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die Pastoralkonstitution des Konzils, die unmissverständlich davon spricht: „Wer als Soldat im Dienst des Vaterlandes steht, betrachte sich als Diener der Sicherheit und Freiheit der Völker“ (79).

ZENIT Die Globalisierung der Konflikte hat die Eingriffsmethoden radikal verändert. Welches ist heute die Rolle der Friedenskräfte?

-- Bischof Mixa: Die Rolle der Friedenskräfte orientiert sich zunächst am Mandat, das den militärischen Auftrag beschreibt. Ziel soll es beispielsweise sein, dass der Beitrag der Soldaten in erheblichem Maße zur Stabilisierung in der Krisenregion beiträgt, damit gute Voraussetzungen für den Aufbau staatlicher Strukturen geschaffen werden. Ich meine eine in der Tat wichtige Rolle, die Soldatinnen und Soldaten im Auftrag der entsendenden Staaten und in der Regel mit dem Willen ihrer nationalen Parlamente dort leisten.

Was aus meinen bisherigen Erfahrungen stärker in den Blick zu nehmen ist, gilt der Zusammenarbeit zwischen zivilen und militärischen Kräften in den dortigen Regionen. Vielfach – und so ist auch mein Eindruck – bedarf es einer besseren Verzahnung und Abstimmung. Trotzdem bleibe ich dabei: Die Rolle, die unsere Soldatinnen und Soldaten einnehmen, verdient Respekt und Wertschätzung, gerade auch hier in der Bundesrepublik Deutschland.

ZENIT: In vielen Einsatzgebieten treffen die Soldaten auf alte religiöse Traditionen und lokale Kulturen, die zu respektieren und zu schützen sie verpflichtet sind. Könnten diese Erfahrungen nicht auch ein Dienst sein, der darin besteht, den interreligiösen Dialog zu verbessern und zu vertiefen?

-- Bischof Mixa: In der Tat kann dies ein weiterer Anlass sein. Als katholische Kirche stellen wir uns jedoch unabhängig der eingangs genannten Feststellungen dem interreligiösen Dialog.

Ich darf an dieser Stelle an die wichtigen Beiträge unseres Heiligen Vaters Papst Benedikt XVI. hinweisen, der mit seinen eindeutig wertschätzenden Äußerungen zum interreligiösen Dialog wichtige Aspekte nennt, die dabei immer wieder zu beachten sind. Auch sein zurückliegender Besuch in der Türkei hat viel dazu beigetragen, das Verständnis im interreligiösen Dialog zu verbessern.

Ich selbst habe als Bischof von Augsburg erst vor kurzem den neu gewählten Vorstand des Dachverbandes der türkischen Vereinigungen in Augsburg zu einem Gedankenaustausch empfangen. Wir stimmten in diesem Gespräch in der Einschätzung überein, dass Christen und Moslems aus ihrem jeweiligen Glauben heraus aufgerufen sind, gemeinsam einen Kontrapunkt gegen die verbreitete Gottvergessenheit und den aggressiven Atheismus in vielen westlichen Gesellschaften zu setzen, der jede Art von Religion aus dem öffentlichen Leben verbannen will.

ZENIT: Das humanitäre Recht hat seinen Ursprung in der christlichen philosophisch-theologischen Reflexion. Wie kann die christliche Tradition einen neuen Humanismus fördern? Welchen Herausforderungen steht die Kirche in diesem Bereich gegenüber?

-- Bischof Mixa: Zusammen mit vielen anderen bin ich der Überzeugung, dass ein Gottesbezug in einer zukünftigen europäischen Verfassung geboten ist. Eine europäische Verfassung, die darauf verzichten würde, wäre leer und ohne ethische Grundlage in unserer christlich begründeten Herkunft in Europa.

In der zukünftigen europäischen Verfassung müssen sich – und ich sage dies mit Nachdruck – auch die Grundintentionen des christlichen Humanismus widerspiegeln. Sie sehen gerade in der Diskussion um den Gottesbezug in einer zukünftigen europäischen Verfassung, welchen Herausforderungen wir als Kirche gegenüberstehen.

Wir werden uns natürlich auch weiterhin im Sinne unserer christlichen Tradition dafür einsetzen, dass prinzipielle ethische Grundsätze wie zum Beispiel der Schutz des ungeborenen Lebens bis hin zu den Diskussionen um Sterbehilfe in unserer Gesellschaft nicht ungehört bleiben.