Die Goldene Madonna aus dem Domschatz in Essen

Erstes vollplastisches Marienbild der abendländischen Kunst

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Von Britta Dörre

OBERHAUSEN, 25. April 2012 (ZENIT.org). - Das Ruhrgebiet birgt eine der bedeutendsten Sammlungen salisch-ottonischer Goldschmiedekunst aus dem 10. und 11. Jahrhundert. Vier kostbare Gemmenkreuze, ein Kreuznagelreliquiar, das Evangeliar der Theophanu sind nur einige der kostbaren Kunstwerke, die wie die Goldene Madonna zum Bestand des Essener Domschatzes zählen.

Die Goldene Madonna ist eines der wichtigsten Kunstobjekte ottonischer Zeit. Sie gilt als das erste vollplastische Marienbild in der abendländischen Kunst und neben dem Gerokreuz in Köln als eine der ältesten Großskulpturen des Mittelalters. Ihre Entstehungszeit wird um 980 datiert und fällt damit in die ottonische Blütezeit des Essener Stiftes. Zu diesem Zeitpunkt stand Mathilde, eine Enkelin Ottos des Großen, dem Stift als Äbtissin vor.

Das vornehme Stift für adlige Frauen und Mädchen war um 850 von dem Adligen Altfrid, dem späteren Bischof von Hildesheim, gegründet worden und zählte zu den drei großen Familienstiften des ottonischen Kaiserhauses. In dieser Zeit wurden bedeutende Kunstwerke – wie auch die Goldene Madonna - in Auftrag gegeben.

Die 74 cm große Madonnenskulptur ist aus Pappelholz geschnitzt und mit Goldblech überzogen, nur die Augen sind jeweils aus blauer Email gefertigt und heben sich vom Goldton ab. Die Madonna ist sitzend dargestellt, das Jesuskind auf ihrem Schoß blickt sie an. Der Künstler und der Entstehungsort sind unbekannt, stilistische Gründe sprechen aber für eine Verortung in den Kölner Raum. 

Die Goldene Madonna ist bis in die heutige Zeit ein hochverehrtes Gnadenbild, und die Gläubigen kommen zahlreich, um tagtäglich in der Essener Münsterkirche davor zu beten.

Bis vor einigen Jahren wurde das Gnadenbild bei bedeutenden Prozessionen, den Bittagen vor Christi Himmelfahrt und Mariä Himmelfahrt mitgeführt. Seit dem Jahr 2000 wird aus konservatorischen Gründen darauf verzichtet. Auch die Krönung der Goldenen Madonna am Fest Maria Lichtmess ist aus denselben Gründen nicht mehr möglich. An dem Festtag wurde die Skulptur früher mit einer goldenen Krone versehen, um die Darstellung Mariä als „Regina Caeli“, der Himmelskönigin, zu versinnbildlichen.

Die Goldene Madonna zählt zu den wenigen bis heute erhaltenen Zeugnissen des mittelalterlichen Erbes der Stadt Essen. In der Säkularisation wurde das Stift Essen aufgelöst, und die Stiftskirche St. Cosmas und Damian wurde der Pfarre St. Johann angegliedert. Der Domschatz des ehemaligen Frauenstiftes ist geblieben und dokumentiert bis heute die kulturelle Blüte des Damenstiftes im 10. und 11. Jahrhundert, in der so herausragende Kunstwerke wie die Goldene Madonna entstanden.