Die großen Versuchungen des Theologen nach Benedikt XVI.

Christus reduziert auf ein "Gespenst ohne Fleisch und Knochen bleibt, einer, der im Grab bleibt, verwest und wirklich tot ist.“

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ROM, 1. Dezember 2009 (ZENIT.org).- Eine Versuchung des Theologen kann darin bestehen, fachmännisch und mit einer gewissen akademischen Kälte das Geheimnis Gottes und der Welt zu sezieren. Es mag sogar intelligente und anspruchsvolle Bibelforscher geben, die trotzdem den Funken des Transzendenten nicht kennen.

Über die Versuchungen des Theologen sprach Papst Benedikt XVI. während einer gemeinsamen Eucharistiefeier im Apostolischen Palast mit den Mitgliedern der Internationalen Theologenkommission.

Es gebe einen "Prototyp des pedantischen Theologen", der die Heilige Schrift rein sachlich auf ihren Informationsgehalt hin analysiere. Dazu gehören die Schriftgelehrten von denen Matthäus im Kindheitevangelium Jesus spricht. Diese Schriftgelehrten, so der Papst, seien „große Spezialisten“. Sie seien imstande zu sagen, „wo der Messias geboren werden wird“, fühlten sich jedoch nicht eingeladen, zu ihm zu gehen.

Die Nachricht von der Geburt des Messias berühre ihre Seele nicht. Sie könnten nur Informationen geben, diese „Information“ nähmen aber keinen Einfluss auf ihre Lebensgestaltung.

„Es gibt große Gelehrte, Lehrer im Glauben, die uns viele Dinge gelehrt haben. Sie sind in die Details der Heiligen Schrift, der Heilsgeschichte eingedrungen. Aber sie konnten das Geheimnis nicht erfassen, den wahren Kern: dass Jesus wirklich der Sohn Gottes war“, erklärte der Papst.

"Und so wird das große Geheimnis Jesu, des menschgewordenen Sohnes, auf einen historischen Jesus reduziert, einer wirklich tragischen Gestalt, die ein Gespenst ohne Fleisch und Knochen bleibt, einer, der im Grab bleibt, verwest und wirklich tot ist.“

Stattdessen verwies der Papst auf die Klugheit von "kleinen" Heiligen, die in besonderer Weise „gelehrt“ seien, wie eine Bernadette Soubirous oder Therese von Lisieux, die "mit einer neuen Lesart der Heiligen Schrift, die nicht wissenschaftlich war, in das Herz der Schrift eingetreten ist". Heilige und Selige unserer Zeit wie Sr. Bakhita, Mutter Teresa, Damian de Veuster sollen dazu inspirieren, „wahre Theologen zu sein, die das Geheimnis Christi verkündigen können, da es sie in der Tiefe ihres Herzens berührt hat“.

Die Internationale Theologenkommission tagt vom 30. November bis zum 4. Dezember unter dem Vorsitz des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre, Kardinal William J. Levada. Es handelt sich um die erste Vollversammlung des neuen Quinquenniums, die unter der Leitung des Generalsekretärs der Kommission P. Charles Morerod O.P., stattfindet.

Die Kommission, die dieses Jahr den 40. Jahrestag ihrer Einrichtung durch Papst Paul VI. begeht, wird vor allem über die Gegenstände entscheiden, die in dieser neuen Fünf-Jahres-Periode behandelt werden sollen. Zu den Themen, die der Kardinal-Präsident zur Entscheidung vorgelegt hat, gehört die wichtige Frage der theologischen Methodologie, mit der sich die Mitglieder der Kommission im ersten Jahr auseinandersetzen werden.