Die Hände des Priesters sind gesalbt, um zu heiligen

Meditationen zum Priestertum in der Homilie der Chrisammesse 2011 von Bischof Vitus Huonder*

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CHUR, Donnerstag, 21. April 2011 (ZENIT.org/Bistum Chur). - Durch Gebet füreinander wirklich Mit-Priester für den Bruder im priesterlichen Dienst sein, selbst ein heiliges Leben führen und sich als Opfer anbieten, treu den Heiligungs-und Opferdienst erfüllen: Darum bat der Bischof von Chur in seiner Homilie bei der Chrisammesse in der Kathedrale von Chur alle Mit-Priester. Das Priestertum sei keine Gabe, die aus dem allgemeinen Priestertum des Gottesvolkes herauswachse, sondern ein Sakrament, das eine eigene Wirklichkeit setze. Trotz aller Unvollkommenheiten handle der Priester „in persona Christi“ und müsse sich stets um die Angleichung an den Hohepriester Jesus Christus bemühen.

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Meine lieben Mitbrüder im priesterlichen Dienst,

heute gedenken wir in Dankbarkeit unserer Priesterweihe. Denn heute feiern wir den Geburtstag des Priestertums des Neuen Bundes. Heute hat unser Hohepriester, unser Herr Jesus Christus, der Kirche das Weihesakrament hinterlassen, indem er die Apostel beim Abendmahl mit den Worten „Tut dies zu meinem Gedächtnis" aufforderte, immer wieder sein Opfer, das Opfer des Kreuzes, darzubringen. Er schenkt sich ihnen nicht nur selber im Sakrament des Altares. Er gebietet ihnen, das zu vollziehen, was er in ihrer Gegenwart eben tat. Er weiht sie ins Geheimnis seines Leibes und Blutes ein, er weiht sie für den Vollzug dieses Geheimnisses.

Die Priesterweihe ist nicht eine Gabe oder Gnade, die aus dem allgemeinen Priestertum des Volkes herauswächst und eine Wirkung der Taufe ist. Die Priesterweihe ist ein eigenes Sakrament, das eine eigene Wirklichkeit setzt, die priesterliche Wirklichkeit, die Wirklichkeit, dass ein Mensch als Mittler und Priester des Neuen Bundes vor Gott stehen und für die Menschen das Opfer vollziehen kann. Die Priesterweihe ist jenes Sakrament, welches den Geweihten dem Hohepriester Jesus Christus angleicht und ihn in diesem neuen Sein, in dieser neuen Existenz tätig sein lässt.

In der Weiheliturgie kommt dieser Auftrag in der Salbung der Hände zum Ausdruck. Dabei spricht der Bischof die Worte: „Unser Herr Jesus Christus, den der Vater mit dem Heiligen Geist und mit Kraft gesalbt hat, behüte dich. Er stärke dich in deinem Dienst, das Volk Gottes zu heiligen und Gott das Opfer darzubringen."

Die Salbung der Hände des Priesters hat einen deutlichen Bezug zur Heiligung und zur Darbringung des Opfers. Der Priester soll das Volk Gottes heiligen und Gott für die Menschen das Opfer darbringen. Die Salbung gehört nicht zum Wesen und zur Gültigkeit des Weihesakramentes, aber sie verdeutlicht etwas, was eben das Wesen des Sakramentes der Priesterweihe ausmacht, nämlich das Heiligen und das Darbringen des Opfers. Der Priester lehrt auch, und er leitet. Wir sprechen daher von den „tria munera“ des Priestertums. Doch erreicht das Sakrament der Weihe dann seine Vollendung, wenn der Priester den Heiligungs- und Opferdienst vornimmt und dabei in der Person Christi handelt. In Dankbarkeit wollen wir die Bereitschaft zu diesem Dienst heute erneuern.

Am 29. Juni 1947 wurde in Freising der bekannte und große Theologe Leo Scheffczyk - 2001 zum Kardinal erhoben - zum Priester geweiht. In seinem Tagebuch hinterließ er uns am Vortag der Weihe die bedenkenswerten Worte: „Mag all mein Sehnen zunichte werden, mag ich als letzter Hilfskaplan in einem Hinterwald mein Dasein auch beschließen, es ist groß angelegt und in jedem Augenblick vollendet, wenn ich opferwillig bleibe und stets das Wort im Ohr fortrauschen lasse wie eine Muschel, die den Ton des Weltmeeres ewig mit sich führt: Sacerdotium oportet offere (Dem Priestertum kommt es zu, zu opfern - der Priester muss das Opfer darbringen)."

Ja, damit erinnert uns der Gottesgelehrte an unseren Auftrag als Priester. Er erschöpft sich nicht im sacerdotium. Er wird getragen vom Lehren und Leiten, wird aber im Dienst am Altar vollendet und zum Höhepunkt geführt.

Die Hände des Priesters sind gesalbt, zu „heiligen und Gott das Opfer darzubringen". Das bedeutet, dass der Priester selber ein heiliges Leben führen wird und sich Gott als Opfer für die Seinen anerbietet. Im Jugendkatechismus YOUCAT steht unter Nummer 250 die Frage: „Wie versteht die Kirche das Weihesakrament." Unter anderem lesen wir bei der Antwort: „Ein katholischer Priester, der die Sakramente spendet, handelt nicht aus eigener Kraft oder aus moralischer Vollkommenheit heraus (die er oft leider nicht hat), sondern ‚in persona Christi‘."

Darauf hat die Kirche schon immer aufmerksam gemacht, um den Gläubigen zu zeigen und ihnen die Sicherheit zu geben, dass die Wirkung der Sakramente nicht von der Vollkommenheit des Priesters abhängt. Das darf uns aber niemals davon abhalten, dass wir uns um Heiligkeit und Opfergesinnung bemühen und darin Fortschritte machen. Denn dies trägt wesentlich zur Glaubwürdigkeit und zur Nachhaltigkeit des priesterlichen Dienstes bei.

Beten wir daher um diese Vollkommenheit. Beten wir um diese Vollkommenheit auch füreinander. Wir sollen uns ja gegenseitig in unserem Dienst stützen, vor allem auch durch das Gebet füreinander, durch das Gebet für den Mit-Priester. Seien wir wirklich Mit-Priester mit unseren Brüdern im priesterlichen Dienst. Fragen wir uns doch, ob wir nicht zu wenig für einander tun, ob wir uns nicht zu wenig Mut zusprechen, ob wir nicht zu wenig Seelsorger am Seelsorger sind, und bitten wir den Herrn, dass er uns auch diesbezüglich zur Vollkommenheit verhelfe, damit die Aussage des YOUCAT „nicht aus moralischer Vollkommenheit heraus, die er oft leider nicht hat" einer positiven Aussage weiche, etwa „nicht aus moralischer Vollkommenheit heraus, die jedoch selbstverständlich zur priesterlichen Lebensführung gehört".

Meine lieben Mitbrüder, darf ich diese Gedanken nochmals mit einem Wort von Leo Scheffczyk anreichern und Euch mit diesem Wort in das Triduum sacrum begleiten. Der Theologe schreibt: „In jeder Sekunde meines ferneren Lebens muss das Erlebnis der Weihe nach vibrieren. Es darf keine leeren Augenblicke mehr geben. Das Malzeichen des dreifaltigen Gottes, das mir ... aufgebrannt wird, muss immer weiterbrennen. Es verursacht uns ja eine richtige Wunde an unserem Leibe. Ich will sie immer spüren und für jedes Leid, das auf dem Wege anfällt, herzlich dankbar sein."  Amen.

© Bistum Chur

*Bischof Vitus Huonder von Chur ist am 6. Januar 2011 von dem Präfekten der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Antonio Kardinal Cañizares Llovera, in die Kommission "Ecclesia celebrans" berufen worden.