Die heilige Agnes, Jungfrau und Märtyrin

Von Ulrich Nersinger

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ROM, 21. Januar 2009 (ZENIT.org).- Vom Leben und Sterben dieser Heiligen berichten sehr frühe Zeugnisse. Ihr Name begegnet uns schon im ältesten römischen Kalender, in der „Depositio martyrum", einem Märtyrerverzeichnis aus dem Jahre 354 nach Christus.

Auch die Kirchenväter Ambrosius und Augustinus wissen von Agnes zu erzählen. Der heilige Ambrosius lobt in seiner Schrift „De virginibus" (Über die Jungfrauen) das Martyrium der jungen Christin mit bewegenden Worten: „Freudigen Schrittes, eilenden Fußes schritt sie zur Richtstätte, nicht mit künstlichen Haarschmuck das Haupt geziert, sondern mit Christus, nicht mit Blumen bekränzt, sondern mit Tugenden. Alles weint, ihr hingegen kommt keine Träne ins Auge ... So habt ihr denn in einem Opfer ein zweifaches Martyrium, das der Jungfräulichkeit und das der Gottesverehrung. Jungfrau blieb sie, die Märtyrerkrone erlangte sie."

In einer Grabinschrift dichtete Papst Damasus I. (+384): „Der Volksmund erzählt, einst haben die heiligen Eltern berichtet, Agnes, das Mägdlein, sei, als die düsteren Klänge ertönten, eilig der Hut der Erzieherin entflohen, habe aus eigenem Antrieb Drohung und Wut des Tyrannen verachtet, habe, als er ihren edlen Leib wollte in Flammen verbrennen, mit ihren schwachen Kräften die unermessliche Furcht überwunden, entkleidet des Haares Fülle über die Glieder gebreitet, dass nicht den Tempel des Herrn ein sterblich Angesicht schaue. O, Du mir Ehrwürdige, hohe, heilige Zierde der Scham, sei gnädig, erlauchte Märtyrin, so fleh' ich, des Damasus Bitten!".

Agnes, Tochter eines römischen Patriziers, dürfte zu Beginn des vierten Jahrhunderts unter Kaiser Diokletian den Märtyrertod erlitten haben. Da  sie sich schon in jungen Jahren Christus versprochen hatte, schlug sie die Brautwerbung eines einflussreichen Hei­den aus. Der Zurückgewiesene, ein Sohn des Stadtpräfekten Sempronius, rächte sich: als Christin wurde Agnes wegen Lästerung der Götter angeklagt und zum Dienst in einem „lupanar" (Bordell) verurteilt. Doch sie bewahrte auch an diesem Ort ihre Unschuld. Sie wurde dem Feuer überantwortet, die Flammen konnten ihr jedoch nichts anhaben. Erst durch das Schwert fand ihr noch junges Leben ein Ende. Als Ort des Martyriums gilt der Circus Agonalis, das Stadion des Kaisers Domitian.

Über der Stätte ihrer Hinrichtung erhebt sich heute die Basilika Sant'Agnese in Agone bei der Piazza Navona. Papst Innozenz X. (Giovanni Battista Pamphily, 1644-1655) ließ das im 8. Jahrhundert errichtete kleine Oratorium abreißen und an seiner Stelle das berühmte Barockjuwel erbauen.

Agnes wurde auf einem Landgut, das ihre Eltern an der Via Nomentana besaßen, beigesetzt. Konstanza, Tochter Kaiser Konstantins des Großen, ließ über dem Grab der Glaubenszeugin eine Basilika - Sant' Agnese fuori le mura - errichten.

In Anspielung auf ihren Namen und ihr Leiden wird die jugendliche Heilige mit dem Lamm dargestellt, Symbol der Unschuld und Hinweis auf den Opfertod Jesu Christi.