Die Heilige Nacht

Eine Altartafel von Antonio Allegri, genannt Correggio (1489-1534)

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 1272 klicks

Als August III. im Jahr 1746 die berühmte „Heilige Nacht“ (1527/30) von Correggio aus der herzoglichen Galerie in Modena für seine Kunstsammlung in Dresden erwarb, konnte er sich der Bewunderung ganz Europas sicher sein.

Die 256,5 x 188 cm große Altartafel war ursprünglich für die Kapelle Pratonieri in San Prospero in Reggio Emilia von Correggio geschaffen worden. 1640 gelangt sie in die herzoglichen Sammlungen von Modena und von dort 1746 nach Dresden, wo das Gemälde heute noch in der Gemäldegalerie Alte Meister aufbewahrt wird.

Die europaweite und überschwengliche Begeisterung für die Darstellung der Geburt Jesu von Correggio hielt über Jahrhunderte hinweg an, und Künstler wie Annibale Carracci oder Anton Raphael Mengs rezipierten das Meisterwerk in ihren Arbeiten.

Bis heute beeindruckt den Betrachter die Gefühlsintensität der Darstellung, die den emilianischen Stil auszeichnet. Correggio war 1521 in die Laienbruderschaft der Kongregation der Cassineser aufgenommen worden, womit sich die tiefe religiöse Auseinandersetzung mit dem Thema erklären ließe. Besonders auffällig, und bis Correggio einzigartig, ist die intensive Verwendung des Lichts in dem ikonographischen Kontext. Tatsächlich findet sich in Schriften der Zeit der Hinweis, das göttliche Licht stelle das Zentrum des Geburtsgeschehens dar.

In Correggios Darstellung ist Christus das Licht, von ihm geht ein helles Licht aus, das auch das Antlitz Mariä illuminiert. Maria beugt sich zärtlich zu dem Christuskind, das sie liebevoll in ihren Armen hält. Ihr Blick ruht auf dem Kind, die Umstehenden scheint sie nicht zu bemerken. Die beiden, Mutter und Kind, bilden den ruhenden Mittelpunkt der Darstellung. Im Bildhintergrund sieht man Josef, der mit dem Esel beschäftigt ist. Maria und dem Jesuskind in der Krippe haben sich Hirten genähert, die voller Staunen das Kind betrachten. Die vor der Säule stehende Hirtin ist von dem Lichterrausch geblendet und kneift deshalb die Augen ein wenig zusammen. Der jüngere Hirte schaut hoch zu dem älteren, als könne er das Wunder nicht fassen. Der ältere, auf einen Stock gestützte Hirte faßt vor Rührung in sein Haar. Über der Szene in dem angedeuteten Stall schweben Engel in der Höhe.

In der Christmette vom 24. Dezember 2011 erläuterte Papst Benedikt XVI. Weihnachten mit den folgenden Worten: „ … Weihnachten ist Epiphanie – Erscheinen Gottes und seines großen Lichtes in einem Kind, das uns geboren wurde. Geboren im Stall zu Bethlehem, nicht in den Palästen der Könige. Als im Jahr 1223 Franz von Assisi in Greccio Weihnachten feierte mit Ochs und Esel und mit einer heugefüllten Futterkrippe, ist eine neue Dimension des Geheimnisses von Weihnachten sichtbar geworden. Franz von Assisi hat Weihnachten „das Fest aller Feste“ genannt – mehr als alle anderen Feste – und es mit „unaussprechlicher Hingebung“ gefeiert (2 Celano 199: FF 787). Er küßte voller Hingebung die Bilder des Kindleins und stammelte zärtliche Worte, wie Kinder es tun, erzählt uns Thomas von Celano (ebd.). Für die alte Kirche war Ostern das Fest der Feste: In der Auferstehung hatte Christus die Türen des Todes aufgestoßen und so die Welt von Grund auf verändert: Für den Menschen hatte er in Gott selbst Platz geschaffen. Nun, Franziskus hat diese objektive Rangordnung der Feste, die innere Struktur des Glaubens mit seiner Mitte im Ostergeheimnis nicht geändert, nicht ändern wollen. Aber etwas Neues ist dennoch durch ihn und seine Weise des Glaubens geschehen: Franz hat in einer ganz neuen Tiefe das Menschsein Jesu entdeckt. Dieses Menschsein Gottes wurde ihm am meisten sichtbar in dem Augenblick, in dem Gottes Sohn als Kind aus der Jungfrau Maria geboren, in Windeln gewickelt und in eine Krippe gelegt worden war. Die Auferstehung setzt die Menschwerdung voraus. Gottes Sohn als Kind, als wirkliches Menschenkind – das hat das Herz des Heiligen von Assisi zuinnerst getroffen und Glaube zu Liebe werden lassen. „Erschienen ist uns die Menschenfreundlichkeit Gottes“ – dieser Satz des heiligen Paulus hatte nun eine ganz neue Tiefe bekommen. Man kann Gott sozusagen in dem Kind im Stall zu Bethlehem anfassen, liebkosen. So hat das Kirchenjahr eine zweite Mitte erhalten in einem Fest, das vor allem Fest des Herzens ist. … “