Die Heilige Stiege in Windberg

Die Nachbildung der "Scala Santa" im bayerischen Landkreis Straubing-Bogen

Regensburg, (Bistum Regensburg) | 334 klicks

Früher spielte die Passionsfrömmigkeit in der Karwoche eine wichtige Rolle. Bereits um das Jahr 400 n.Chr. versammelten sich in Jerusalem die Gläubigen am Ölberg, um der Todesangst Christi zu gedenken. Im Mittelalter kamen dann Ölbergandachten und Ölbergspiele auf. Eine besondere Form der Passionsfrömmigkeit war mit der „Heiligen Stiege“ verbunden.

Unzählige Pilger kommen noch heute zur Scala Santa, zur Heiligen Treppe nach Rom. Als Jesus in Jerusalem zu seinem römischen Richter Pontius Pilatus geführt wurde, soll er über diese Treppe gegangen sein. Die heilige Helena ließ der Legende nach die Treppe aus dem Jerusalemer Palast des römischen Stadthalters im 4. Jahrhundert nach Rom bringen. Und bis heute werden die 28 Stufen von den Gläubigen auf Knien erklommen. Die ursprünglich freistehende Zugangstreppe zum Lateran wurde Ende des 16. Jahrhunderts überbaut. Später erhielten die Marmorstufen eine Holzverkleidung, um sie vor Abnutzung zu schützen. An der zweiten, elften und achtundzwanzigsten Stufe ließ man kleine Sichtfenster offen, die den Blick auf angebliche Blutspuren Christi freigeben.

Vor allem in der Barockzeit entstanden auch in Bayern zahlreiche Nachbildungen der Heiligen Treppe. Nur wenige sind bis heute erhalten, eine davon steht in Windberg im Landkreis Straubing-Bogen. 

Im Jahr 1692 hatte sich der Pfarrer von Aufhausen, Johann Georg Seidenbusch, entschlossen, auf einer Anhöhe in der Nähe des Dorfes Windberg ein Kreuz zu errichten, da sich von hier aus ein wunderschöner Ausblick auf seine Pfarrei bot. Schon bald wurde der Berg Ziel zahlreicher Pilger. Bereits drei Jahre später ließ Abt Franz Knodt von Windberg an dieser Stelle eine Kapelle errichten. Es war ein weiterer Abt des Prämonstratenser-Kloster Windberg, der Anfang des 18. Jahrhunderts in der kleinen Heilig Kreuz Kirche auf dem Hügel außerhalb des Dorfes eine Heilige Stiege bauen ließ. Schon beim Betreten der Kirche fällt ihre Besonderheit auf: Die Heilige Stiege ist nicht erbaut, um irgendwo hin zu führen. Sie steht für sich selbst – als Erinnerung an die Stufen, die Jesus zum Palast des Pontius Pilatus gehen musste. Und so gehen die Besucher erst in den unteren Teil der Kirche, um dann die 28 Treppen kniend nach oben pilgern. Aus den unterschiedlichsten Beweggründen kommen die Menschen hierher. Zahlreiche Votivtafeln bezeugen, in welche Sorgen und Nöte den Pilgern hier geholfen wurde. Leicht zu übersehen ist eine kleine Öffnung in der Nähe der Heiligen Stiege, durch die man nur in gebückter Haltung kommt. Sie führt zum Heiligen Grab, das hier das ganze Jahr über aufgebaut ist. So sollen in dem kleinen Kirchlein mit dem Heiligen Kreuz, der Heiligen Stiege und dem Heiligen Grab alle Szenen des Leidensweges verdeutlicht werden. 

Ein Kreuzweg führt von Windberg aus zur Hl. Kreuzkirche und jeden Freitag um 16 Uhr wird in dem kleinen Barockkirchlein die Heilige Messe gefeiert.

(Quelle: Webseite des Bistums Regensburg)