Die Heiligen Drei Könige, Vorbild für eine Theologie der Anbetung

Predigt von Bischof Vitus Honder

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Chur, 6. Januar 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Predigt, die der Churer Diözesanbischof Vitus Huonder anlässlich eines Studierendentreffens vor zwei Tagen, am 4. Januar, im Priesterseminar St. Luzi in Chur gehalten hat.

„Aus der Anbetung heraus, und nur aus der Anbetung heraus wird Verkündigung möglich“, so der Hirte. Aus diesem Grund folge man der Devise „suchen - anbeten - verkünden; suchen um anzubeten - anbeten um zu verkünden“.

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Brüder und Schwestern im Herrn,

Licht werden soll Jerusalem, fordert der Prophet auf (Is 60,1). Licht werden soll Jerusalem, weil der Herr sein Licht über diese Stadt aufgehen lässt. Erkennbar wird dies dadurch, dass sich in Jerusalem die verbannten Israeliten sammeln. Sie kommen aus der Ferne, aus dem Exil, und bevölkern die verlassene Stadt. In Jerusalem beginnt neues Leben. In der zerstörten Stadt beginnt reger Betrieb.

Licht werden soll Jerusalem, weil das Licht des Herr erscheint. Das Licht des Herrn kann sich nur dort als Licht erweisen, wo das Herz der Menschen selber licht wird, wo es sich aufhellt und bereit ist, das Licht des Herrn aufzunehmen. Der Herr kann nur dort wirken, wo Bereitschaft vorhanden ist, wo Menschen auf ihn warten, ihn willkommen heißen und sein Licht annehmen.

Die Botschaft, die von Gott her kommt, ist das Licht, das wir aufnehmen sollen, und das unsere Wege erleuchten wird. Ganz deutlich kommt dies schon am Anfang des Buches Isaias zum Ausdruck, im Kapitel 2, wo die Völker sagen: "Kommt, wie ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Sion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort". So ist das Buch Isaias von Anfang an ganz darauf angelegt, mit uns diesen Weg hinauf nach Jerusalem zu gehen, um Gottes Weisung zu empfangen. Das ist das Licht, für das Jerusalem, für das wir alle licht werden sollen.

Das Evangelium berichtet uns von Menschen, die licht wurden, und von Menschen, die in der Dunkelheit, in der Finsternis verharrten. Die Weisen aus dem Osten stehen für Jerusalem, das angesichts des Lichtes dieser Welt, angesichts des Kommens des Herrn in unsere Zeit, licht wird; sie stehen für die Menschen, die den Herrn aufnahmen. Herodes hingegen und jene, welche mit ihm erschrecken, weil sie befürchten, nicht mehr selber im Licht - heute würden wir sagen im Rampenlicht - zu stehen, verlieren das Licht und enden in der Finsternis.

Es ist unsere Aufgabe als Männer und Frauen der Theologie licht zu werden und nicht in der Finsternis des Eigendünkels zu verharren. Für uns sind die Weisen aus dem Osten Vorbild zunächst einer Theologie des Suchens. Wir müssen uns auf den Weg machen, um das Licht Gottes zu suchen, jenen zu suchen, den das göttliche Licht anzeigt. Es ist das Licht des Glaubens, welches uns hinführt zum neugeborenen König der Juden, zu Christus. Ohne dieses Licht des Glaubens, und ich betone des Glaubens der Kirche, können wir den neugeborenen König nicht finden. Wir müssen uns - eben durch den Glauben der Kirche - sagen lassen, wo wir das göttliche Kind entdecken. Das ganze Theologiestudium ist nichts anderes als ein Weg hin zum neugeborenen König, zu Christus, dem Herrn.

Bemerkenswert ist auch, wie dieser Weg des Suchens endet. Er endet bei der Anbetung: "Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm". Das Wort huldigen bedeutet den Akt der Anbetung. So sind die Weisen aus dem Osten Vorbild für eine Theologie der Anbetung. Anbeten heißt, Gott erkennen, Gott anerkennen. Denn wir können nur Gott anbeten; wir können nur den anbeten, den wir als Gott erkennen und anerkennen. Die Weisen haben Gott erkannt, anerkannt und ihn - das ist folgerichtig - angebetet. Theologie führt zur Anbetung Gottes oder sie führt ins Nichts.

Aus der Anbetung heraus, und nur aus der Anbetung heraus wird Verkündigung möglich, das praktische Ziel der theologischen Ausbildung. Deshalb heißt unsere Devise schließlich: Suchen - anbeten - verkünden; suchen um anzubeten - anbeten um zu verkünden. So werden wir aus Theologen zu Boten des Glaubens, Zeugen - Märtyrer, und das sollte bis zum Blutzeugnis gehen. Theologie ist dann für uns nicht mehr ein Job - ein gut bezahlter Job, ein reicher Brotkorb - Theologie ist dann unser Leben, weil Christus unser Leben und unser Alles ist. Nur dann sind wir glaubwürdig und können, wie Paulus, in Dienst genommen werden, entsprechend seinen Worten: "Ihr habt gehört, welches Amt die Gnade Gottes mir für euch verliehen hat". Es ist das Amt, das Geheimnis Christi in die Herzen der Menschen zu tragen, damit über ihnen die Herrlichkeit Gottes leuchtend aufgehe. Wählt also zwischen den Weisen aus dem Osten und zwischen Herodes und den Leuten von Jerusalem. Ich empfehle euch, sich jenen anzuschließen, die anbeten und ihre Schätze dem Herrn darbringen - das heißt konkret, ihm ihr Herz hingeben. Amen.

[Vom Bistum Chur veröffentlichtes Original]