Die Heilquelle von Amorbach

Die Legende des Amor von Amorbach

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ROM, 17. August 2012 (ZENIT.org). - Die Entstehung der Heilquelle von Amorbach liegt im Dunkeln, und viele Legenden ranken sich um sie. Die wohl schon in vorchristlicher Zeit bekannte Quelle, die im unterfränkischen Landkreis Miltenberg und damit im fränkischen Odenwald liegt, soll einigen Stimmen zufolge von Amor von Amorbach, einem Gefährten Pirmins, entdeckt worden sein. 714 soll Pirmin mit seinen Gefolgsleuten von Ruthard, dem Grafen von Frankenberg, in den Odenwald gerufen worden sein, um dort Missionsarbeit zu leisten.

Bei einer seiner Wanderungen durch die weiten Wälder hatte Amor den Herrn um Hilfe angerufen, und dort, wo er mit dem Pilgerstab auf den Boden geschlagen hatte, entsprang eine Quelle, die spätere Heilquelle von Amorbach. Nach einer anderen Version hingegen stießen Pirmin und seine Gefährten auf eine Quelle im Otterbachtal und gaben ihr den Namen „Marienborn“. Über der Quelle, mit deren Wasser sie die ersten Taufen im Odenwald vornahmen, errichteten sie eine Holzkapelle.

Ruthard setzte sich weiter für Pirmin, Amor und ihre Gefährten ein und unterstützte sie bei ihrem Vorhaben, ein Kloster zu gründen. Die Klosterkirche wurde 734 vom heiligen Bonifatius geweiht. Amor soll 33 Jahre Abt des Klosters gewesen sein. Er kümmerte sich besonders um Arme und Kranke.

Tatsächlich gibt es keine historischen Zeugnisse über Amor von Amorbach, nach dessen Namen lange Zeit viele Kinder in der Gemeinde getauft wurden. Er soll am 17. August 767 oder 777 gestorben sein. Für glaubwürdiger als die Geschichte von Pirmin, Amor und ihren Gefährten hält man heute die Version, dass iro-schottische Wandermönche in den Odenwald gekommen seien, sich an der schon in heidnischer Zeit heiligen Quelle angesiedelt und die Bewohner der Region zum christlichen Glauben bekehrt hätten.

Ungeachtet all dieser Unklarheiten nahm der Pilgerstrom im Laufe der Zeit immer weiter zu. Im 12. Jahrhundert wurde eine romanische Kapelle aus Stein errichtet, deren Reste noch im heutigen Bau nachweisbar sind, und im 15. Jahrhundert mussten sogar Anbaumaßnahmen durchgeführt werden. Im Jahr 1565 wurde ein Heilbad für entsprechende Anwendungen mit dem Heilwasser errichtet.

Die Heilquelle, deren Wasser über eine Öffnung im Boden der Kapelle zugänglich ist, wurde von jeher vor allem von Frauen in der Hoffnung auf baldige Erfüllung ihres Kinderwunsches aufgesucht. Die in der Kapelle aufgestellte vergoldete Statue des heiligen Amor legt Zeugnis vom erfolgreichen Besuch der Quelle ab: 1735 stifteten der Würzburger Stadtrat Planer und seine Frau die Statue aus Dank für den eingetretenen Kindersegen.

In dem der Kapelle angeschlossenen Badebecken, das bis ins 18. Jahrhundert überdacht war, konnten die Frauen bis zur Taille in die Wunderquelle tauchen. Auch Neugeborene wurden in das Becken gelegt. Das Bad sollte gegen Krankheiten helfen und Wunderheilungen herbeiführen.

Heute ist das Kloster im Privatbesitz des Fürstenhauses zu Leiningen; die Kirche, der Konvent mit der Bibliothek und der Grüne Saal können dennoch besichtigt werden. [bd]