Die Herausforderung des Islam

Interview mit Professor Robert Royal vom Washingtoner \"Faith and Reason Institute\"

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NEW YORK, 17. Februar 2006 (ZENIT.org).- Der islamische Fundamentalismus ist im Vormarsch und wird eine immer größere Bedrohung für die westliche Welt, erklärt Robert Royal, Präsident des Washingtoner \"Faith and Reason Institute\" und Autor des 2002 erschienenen Buches \"The Catholic Martyrs of the Twentieth Century\" (\"Die katholischen Märtyrer des zwanzigsten Jahrhunderts\") im folgenden Interview, das die italienische Tageszeitung \"Avvenire\" führte.



Der Gelehrte bekräftigt außerdem, dass die Mohammed-Karikaturen für einen Moslem sehr wohl Blasphemie sind, gibt allerdings zu bedenken, dass antichristliche und antijüdische Karikaturen und Aufsätze in arabischen Tageszeitungen alles andere als eine Seltenheit seien. Der große Unterschied zwischen Christen und Moslems besteht Royal zufolge darin, dass diese zum ehrlichen und offenen Dialog unter Gleichberechtigten bereit seien, jene aber nicht.

Professor Royal, wie reagiert Ihr Publikum, wenn Sie von \"Martyrern\" sprechen?

Robert Royal: Selbst für Katholiken ist das ein schwer verständliches Konzept. Man glaubt, dass es sich dabei um etwas handelt, was nur in Zeiten der ersten Christen geschehen konnte, etwa im Kolosseum, und dass es das heute eben nicht mehr gibt. Aber gemäß den Statistiken war das Martyrium noch nie so aktuell wie heute.

Wie ist das möglich?

Robert Royal: In meinem Buch unterstrich ich die ideologische Grundstruktur des gerade zu Ende gegangenen Jahrhunderts. Aber in jüngster Zeit habe ich eine besorgniserregende Tendenz beobachtet, die möglicherweise in wenigen Jahren in ihrer ganzen Ernsthaftigkeit deutlich wird. Es ist der Groll vieler muslimischer Fundamentalisten auf die Menschen im Westen sowie die Leichtigkeit, mit der diese Abneigung von radikalen Führungspersönlichkeiten und Regimes instrumentalisiert wird.

Gibt es dafür ein konkretes Beispiel?

Robert Royal: Betrachten sie nur einmal die Türkei. Immer schon ist es für katholische Priester ein gefährliches Pflaster gewesen. Wenn es sich selbst auch als säkulares Regime definiert, so gibt es nur sehr wenig Toleranz gegenüber den Christen. Deshalb bin ich nicht überrascht, dass die Türkei zum Schauplatz für den Mord an Pater Santoro geworden ist. Aber dieser Fall offenbart jene Art von Entartung, wie wir sie aufgrund der wachsenden Spannungen zwischen Ost und West in naher Zukunft immer öfter sehen könnten. Das zeigt, dass es viele Fanatiker gibt, und in diesem Fall Moslems, die bereit sind, bei der geringsten Provokation gewalttätig zu reagieren.

Seit wann gibt es diese Spannungen? Schon vor dem 11. September und dem Einmarsch in den Irak?

Robert Royal: Meiner Meinung nach ja. Ein eindeutiges Beispiel ist die Ermordung von John Joseph, des Bischofs von Faisalabad in Pakistan, der unter mysteriösen Umständen im Mai 1997 getötet wurde. Darin kommt eine Modalität zum Ausdruck, die immer öfter wird, nämlich ein Regime, das Nichtmoslems das Finden einer Arbeit und die Teilnahme am öffentlichen Leben fast vollkommen verunmöglicht und tatsächlich eine Klima schafft, in dem die Verfolgung dieser Menschen legitimiert wird. Es handelt sich um eine Form von Islamisierung, die erzwungen wird, um eine Kampagne für \"religiöse Reinheit\", die schon in vielen muslimischen Ländern angelaufen ist.

Nicht alle Koranlehrer und nicht alle muslimischen Religionsführer rechtfertigen ein solches Vorgehen, aber der Druck der Fundamentalisten wird immer stärker: Denken sie nur an die Tatsache, dass einige muslimische Länder die Vereinten Nationen formal dazu aufforderten, Menschenrechtsgruppen den Gebrauch des Begriffs \"Islamisierung\" zu verbieten.

Was sind die für Christen gefährlichsten Länder?

Robert Royal: Eines ist zweifellos Saudi-Arabien, das sogar noch unerbittlicher ist als Pakistan. Jede öffentliche Manifestation des christlichen Glaubens ist dort verboten, und theoretisch kann man verhaftet werden, wenn man im eigenen Haus betet.

Als die Amerikaner während des ersten Golfkrieges in Saudi-Arabien waren, wurden sie deshalb angewiesen, vor dem Kampf nicht zu beten. Und dort kann ein Moslem, der zum Christentum konvertiert –wie übrigens fast überall in der muslimischen Welt –, mit dem Tod bestraft werden.

Aber die Rechte der Christen werden in Kuwait, in Katar, im Oman, in den Vereinten Arabischen Emiraten und in der Türkei regelmäßig und per Gesetz verletzt. Ich sehe zum Beispiel auch in Ägypten gewalttätige Übergriffe gegen die Christen, abgesehen natürlich vom Irak.

Glauben Sie, dass aufgrund dieser Entwicklungen das christliche Martyrium in den kommenden Jahren häufiger in der arabisch-muslimischen Welt vorkommen wird?

Robert Royal: Es gibt auch noch China und Nordkorea, und selbst in den Ländern der westlichen Welt gibt es Bedrohungen. In vielen europäischen Ländern erleben wir heute tatsächlich die Geburt von antichristlichen und antireligiösen Bewegungen, die sehr gewalttätig sein können. Und es darf nicht vergessen werden, dass es sich in der muslimischen Welt auch fortwährend Gelegenheiten zum Dialog auftun. Aber es ist ein sehr schwieriger Dialog, der ständig mit dem Willen gewisser Regierungen kollidiert, jede Gelegenheit zu nutzen, um die Massen zur Gewalttätigkeit gegen die westliche Welt anzustacheln.

Richtet sich der Hass in diesen Ländern allgemein gegen die Christen oder eher gegen die Bewohner der westlichen Welt?

Robert Royal: In vielen muslimischen Ländern wird diesbezüglich nicht unterschieden. Die Gefühle gegen die westliche Welt richten sich gegen Amerikaner und Europäer, gegen Juden und Christen. Ordenleute wie P. Santoro werden als Repräsentanten der westlichen Regierungen gesehen, wie Religion und Politik in der muslimischen Welt ja auch unterschiedslos zusammengehören. Es handelt sich um einen Hass, der von einem Gefühl tiefer Erniedrigung getragen wird und dessen Wurzeln ins vergangene Jahrhundert hineinreichen, bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs. Aber heute ist die Abneigung größer. Selbstverständlich gibt es viele Gründe, warum man über das Verhalten des Westens im Mittleren Osten nachdenken sollte, aber der Unterschied ist, dass die Christen zum Dialog bereit sind, während die Atmosphäre in vielen islamischen Ländern zu stark vergiftet ist, um eine ehrliche Auseinandersetzung unter zwei Gleichberechtigten zuzulassen.

Es reicht, wenn ich ihnen sage, dass – obgleich es zutreffend ist, dass die Mohammed-Karikaturen für einen Moslem Blasphemie sind – antichristliche und antijüdische Karikaturen und Artikel in den arabischen Zeitungen an der Tagesordnung stehen. Aber nur sehr wenige sind bereit, das auch zuzugeben.