Die Herausforderungen der Maroniten in der Diaspora (Teil 1)

Interview mit dem Bischof der maronitischen Kirche von Buenos Aires, Msgr. Habib Chamieh

Rom, (ZENIT.org) Robert Cheaib | 405 klicks

Vom 10. bis zum 19. September 2013 fand in Rom eine von der Kongregation für die Bischöfe und der Kongregation für die Orientalischen Kirchen veranstaltete Bildungstagung statt. Kennzeichnend für das diesjährige Treffen war eine bedeutende Präsenz neuer maronitischer Bischöfe.

Im Rahmen des vorliegenden Interviews schildert und kommentiert Msgr. Habib Chamieh, Bischof der maronitischen Eparchie des hl. Scharbel von Buenos Aires, den äußeren Verlauf der Tagung. Außerdem berichtet er von der Lage der Maroniten in der Diaspora in Lateinamerika.

Msgr. Habib Chamieh vom Mariamitischen Maroniten-Orden der seligen Jungfrau Maria wurde am 7. Oktober 1966 in Beirut (Libanon) geboren und ist seit seinem 15. Lebensjahr Mitglied des Ordens. Am 15. August 1992 empfing er das Sakrament der Priesterweihe. Er erfüllte verschiedene Funktionen innerhalb seines Ordens. Unter anderem wirkte er als Ausbilder der Postulanten, Generalsekretär des Ordens (1999-2005); Professmeister in Rom (2006-2007); Oberer der maronitischen Mission in Uruguay (2008-2011); Novizenmeister (seit 2011). In den Pfarren von Zouk Mosebh und Achkout im Libanon und „Notre-Dame du Libanon“ widmete er sich drei Jahre lang pastoralen Tätigkeiten (2008-2011).

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Seit mehreren Jahren unterstützt die Kongregation der Bischöfe eine jährlich stattfindende Bildungstagung für die neuen Bischöfe. Welche Bedeutung hat diese Begegnung für den Antritt des Bischofsdienstes?

Msgr. Chamieh: Nach meiner Bischofsweihe stellte ich den Verantwortlichen folgende Frage: Gibt es keine spezielle Ausbildung, die den neuen Bischöfen ihre genauen pastoralen und vor allem kanonischen Verpflichtungen vermittelt? Zu meiner Freude habe ich erfahren, dass die Kongregation der Bischöfe selbst in Zusammenarbeit mit der Kongregation für die Orientalischen Kirchen einen derartigen Dienst anbietet. Es handelt sich dabei um eine relativ neue Einrichtung, die jedoch seit nunmehr 12 Jahren an der Universität Regina Apostolorum der Legionäre Christi vorhanden ist. Ein Besuch ist nützlich und sehr empfehlenswert für einen bewussteren Antritt des Bischofsdienstes.

Welche wesentlichen Punkte wurden im Rahmen der Tagung thematisiert?

Msgr. Chamieh: Die Begegnungen konzentrierten sich auf verschiedene Themenbereiche in Verbindung mit der pastoralen Dimension des Bischofsdienstes. Wir haben grundlegende Aspekte der Identität des Bischofs besprochen. Die Konferenzteilnehmer halfen uns beim Nachdenken über verschiedene Fragen zur Beziehung des Bischofs mit dem Klerus, vor allem mit den von Schwierigkeiten und Krisen in Zusammenhang mit der Berufung betroffenen Priestern. Ebenso diskutierten wir die Beziehung und die gegenseitige Hilfe zwischen den Bischöfen und den im Land vorhandenen religiösen Orden.

Eine weitere Frage waren wesentliche und heikle kanonische Aspekte des Bischofsdienstes.

Durch welche Atmosphäre war die Veranstaltung in diesem Jahr gekennzeichnet?

Msgr. Chamieh: Ein besonderes Merkmal des diesjährigen Treffens waren die vielen maronitischen Bischöfe unter den Teilnehmern. Ihre Zahl erreichte gute 14 von insgesamt etwa 110 Bischöfen. Die orientalische Präsenz verlieh der Begegnung zusätzlichen Reichtum und Kollegialität. Als Folge davon kam es zu einer detaillierten Erörterung der Zusammenarbeit zwischen katholischen Bischöfen unterschiedlicher Riten. Wir betrachteten Kollegialität als pastorale Realität.

Ferner wurde aufgrund des zahlreichen Erscheinens der Maroniten unter der Teilnahme anderer Bischöfe eine Messe im maronitischen Ritus zelebriert. Dies war insofern eine schöne Erfahrung, als viele Bischöfe über keinerlei Wissen über die Maroniten und den Reichtum des maronitischen Ritus verfügten.

Tatsächlich ist eine große Unwissenheit bezüglich der orientalischen Katholiken zu beobachten. Manche verquicken sie mit Orthodoxen; andere wiederum bringen sie mit Muslimen in Verbindung, da sie Arabisch sprechen!

Welche innerrituellen Fragen wurden diskutiert?

Msgr. Chamieh: Angesichts der Vielfalt der Riten ist diese Frage nicht an bestimmte Orte gebunden. Aufgrund der Massenmigration orientalischer Christen in andere Gebiete spricht man von der Notwendigkeit, dass lateinische Bischöfe diesen Christen bei der Erhaltung ihres kulturellen und geistigen Erbes unterstützen. Daher ist das Vorhandensein eines Vorgesetzten vonnöten, der sich ihrer Bedürfnisse annimmt. Diese Richtlinien sind wichtig, denn unter den gegenwärtigen Umständen identifizieren sich viele Orientalen in der Diaspora vollkommen mit den sie aufnehmenden Kirchen, doch ihr orientalisches rituelles Erbe geht dabei leider verloren.

Während der gemeinsamen Begegnungen empfahlen wir den lateinischen Bischöfen, orientalische Gläubigen aktiv zu einer lebendigeren Teilnahme an ihren ursprünglichen Riten anzuregen, vor allem an der sakramentalen Praxis der Taufe, der Eheschließung usw.

(Der zweite und letzte Teil des Interviews erscheint morgen, Freitag, dem 27. September 2013)