"Die Himmelfahrt Christi ist keine Weltraumfahrt zu den fernsten Gestirnen"

Impuls zum Fest Christi Himmelfahrt und zum 7. Ostersonntag 2014

Münster, (ZENIT.org) Msgr. Dr. Peter von Steinitz | 419 klicks

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. drückte mit diesen Worten das aus, was an der Himmelfahrt des Herrn wesentlich ist. Der moderne von der Technik geprägte Mensch könnte den biblischen Bericht über die Aufnahme Jesu in den Himmel leicht als naive vorwissenschaftliche Mythologie missverstehen.

Wer sich ein bisschen auskennt mit der Sprache der Heiligen Schrift, die, wenn auch in einer anderen Diktion, durchaus mit den Realitäten der Welt zu tun hat, versteht, dass hier ganz wirklichkeitsnah ausgedrückt wird, was damals auf dem Berg in Galiläa geschah. Jesus, der vierzig Tage lang den Jüngern immer wieder erschienen war, verlässt diese uns bekannte Welt und geht hinüber in die genauso reale Himmelswelt. Oder, anders ausgedrückt: er geht von der natürlichen in die übernatürliche Seinsebene. Das Emporgehobenwerden ist bildlich zu verstehen.

Die übernatürliche Welt – wir sehen sie nicht. Wir haben keine Sinnesorgane, um die Welt des Geistes wahrzunehmen. Wobei “Welt des Geistes” nicht heißt die Gesamtheit der Produkte des menschlichen Geistes, Philosophie, Wissenschaft, Kultur – kurz Feuilleton. Vielmehr ist die Welt des göttlichen Geistes, des Heiligen Geistes gemeint, jener Seinsbereich, den der suchende menschliche Geist nur im Glauben finden kann, wo der transzendente Gott wohnt, und der auch der Ort oder der Zustand all derer ist, deren Leben in dieser Welt zuende gegangen ist.

Diese Seinsweise hat man treffend als “übernatürlich” bezeichnet. Natürliche und übernatürliche Welt sind voneinander geschieden, haben aber viel miteinander zu tun. In dem berühmten Gleichnis Jesu von dem reichen Prasser und dem armen Lazarus sagt Abraham zum reichen Prasser, der in der “anderen” Welt, dort aber in der Hölle sitzt, dass zwischen ihm und der Welt der Lebenden ein Abgrund klafft, den man, auch wenn man wollte, nicht überbrücken kann (vgl. Luk 16,19).

Dennoch hat der Mensch zur übernatürlichen Welt vielfältige Beziehungen. Er “weiß” von Gott und von den Dingen Gottes. Allerdings führt der Weg dorthin nur über den Glauben.

Die Schnittstelle zwischen den beiden Bereichen ist die Welt, die Schöpfung. Wie das I. Vatikanische Konzil festgestellt hat, kann der Mensch aus der Schöpfung und ihrer Sinnhaftigkeit auf einen Schöpfer schließen. Aber er kann nicht ohne Hilfe erkennen, wie der Schöpfer ist. Dazu ist es nötig, dass Gott sich offenbart, und dass wir das glauben.

Mit dem Wort “glauben” verhält es sich so, dass es im Deutschen zwei verschiedene Bedeutungen dieses Wortes gibt. In der Alltagssprache heißt “glauben” “nicht genau wissen”. Beispielsweise sagt man: Ich glaube, dass morgen das Wetter wieder schön wird. Da wird klar: ich vermute es, weiß es aber nicht genau.

Ganz anders der religiöse Glaube Durch ihn erfahre ich die übernatürliche Welt, aber keineswegs als etwas Vages, Unsicheres. Im Gegenteil durch den Glauben wird mir die Existenz Gottes, der Engel, der geistigen Kräfte wie z.B. der Gnade ganz deutlich und klar bewusst.

Allerdings ist der Glaube davon abhängig, dass wir ihn pflegen, dass wir ihm, wie einem lebendigen Organismus regelmäßig Nahrung geben. Und diese Nahrung ist das Gebet und der Sakramentenempfang. Wer lange Zeit nicht betet, dessen Glaube wird schwach und geht schließlich ein. Wer regelmäßig und vertrauensvoll betet, für den ist das Geglaubte schließlich realer als das Gesehene.

Das Fest der Himmelfahrt Jesu mag uns ein guter Anlass sein, uns mit dieser übernatürlichen Welt zu befassen, denn sie ist das Ziel unserer Existenz. “Unsere Heimat ist im Himmel”, sagt der Apostel Paulus (Phil 3,20).

Viele Menschen, auch viele Christen, tun so, als gäbe es über den Himmel nichts Verlässliches zu wissen und verschieben ihre Beschäftigung mit der übernatürlichen Welt auf später. Wenn das Unkenntnis ist, muss man etwas dagegen tun. Wenn es Trägheit ist, muss man erst recht etwas dagegen tun.

Der hl. Josefmaria sagt in seinem Büchlein “Der Weg”: “Die meisten Leute haben nur Augen für das Flache, für die Fläche der Erde, zweidimensional. – Wenn du ein übernatürliches Leben führst, wirst du von Gott die dritte Dimension bekommen: die Tiefe, und damit das Relief, das Gewicht und die Fülle” (Nr. 279).

Ein “übernatürliches Leben führen” erfordert nicht, dass man sich vorwiegend mit hochgeistigen Dingen beschäftigt (der so genannte deutsche Kulturkatholizismus ist ja grandios gescheitert), sondern es geht darum, Gott zu suchen, zu finden und ihn zu lieben. Das kann in jeder menschlichen Weise geschehen, hochintellektuell oder auch in großer Einfachheit. Ausgerechnet in den letzten beiden Päpsten haben wir zwei Beispiele dafür: Papst Benedikt ist der hochkultivierte, Papst Franziskus ist der einfache Typ. Bei beiden aber sehen wir in gleicher Weise, wie das Übernatürliche nicht nur erkennbar da ist, sondern dass es das Natürliche ganz in sich hineinnimmt und veredelt.

Gewiss, ein Papst ist nicht ein Vorbild, dem man in jeder Weise nacheifern könnte. Aber in diesem wesentlichen Punkt können Groß und Klein es ihnen nachtun. Bei aller Verschiedenheit der Person, haben die beiden dieses gemeinsam: sie beten.

Als Nachfolger des hl. Petrus lenken sie unsere Aufmerksamkeit auch auf die Apostel, die damals mit Maria die Ankunft des Heiligen Geistes erwarteten.

Sowohl Papst Benedikt als auch Papst Franziskus zeichnen sich durch eine große Liebe zu Maria aus. Tun wir es den beiden alten Herren nach, und wir werden erleben, dass die Muttergottes uns in eine Weite führt, die die “fernsten Gestirne” hinter sich lässt.

Msgr. Dr. Peter von Steinitz, war bis 1980 als Architekt tätig; 1984 Priesterweihe durch den hl. Johannes Paul II.; 1987-2007 Pfarrer an St. Pantaleon, Köln; seit 2007 Seelsorger in Münster. Er ist Verfasser der katechetischen Romane: „Pantaleon der Arzt“ und „Leo - Allah mahabba“ (auch als Hörbuch erhältlich).