Die Humboldt-Universität verleiht Rabbi Ernst M. Stein (80) Ehrendoktorwürde

Raul Wallenberg Stiftung: eine großartige Geste der Versöhnung und der Abbitte für grausamen Antijudaismus

| 1654 klicks

BERLIN/NEW YORK, 24. November 2009 (ZENIT.org).- Die Berliner Humboldt-Universität verlieh dem ehemaligen Berliner Rabbiner Ernst M. Stein (80) gestern die Ehrendoktorwürde. Im Anschluss daran hielt dieser einen Vortrag mit dem Titel „Persönliche Gedanken zu Jerusalem“.

Der heute 80-jährige Rabbiner Ernst M. Stein war noch ein Kind, als die Synagogen brannten. Geboren 1929 in Elberfeld erlebte er die Zerstörung der Synagogen und des gesamten Familienbesitzes durch die Nazis. Für ihn folgte die Flucht nach Shanghai.

Über Israel und die USA kehrte Ernst M. Stein später nach Deutschland zurück. Erst mit 73 ließ sich der gelernte Schmied in London zum Rabbiner ausbilden. 1972 traf er Nathan Peter Levinson, der ihn dazu ermutigte sich im Leo Baeck College in London ausbilden zu lassen. Dort erwarb er schließlich seine "smicha" (Zulassung als Rabbi).

Von 1980 bis 1997 war er für die Jüdische Gemeinde zu Berlin tätig. Er sei für seine oft unorthodoxe Auslegung der rituellen Überlieferungen und Vorschriften bekannt gewesen, teilte die HU mit 1997 ging der heute 80-Jährige in den Ruhestand.

Die Auszeichnung sei auch eine Geste dafür, dass sich die Hochschule «ihrer Verantwortung für ihre Geschichte und dem durch Mitglieder der Universität verursachten Unrecht stellt», hatte HU-Präsident Christoph Markschies im Vorfeld der Ehrung erklärt. Die Bücherverbrennung der Nationalsozialisten sei 1933 von Studenten der HU „maßgeblich vorbereitet und durchgeführt“ worden.

Die Bücherverbrennung 1933 auf dem Bebelplatz, die Berliner Studenten mitorganisiert hatten, und bei der 20.000 Buchbände verbrannt worden waren sei das deutlichste Zeichen für die Verquickung der Hochschule in die totalitären Systeme des 20. Jahrhunderts geworden. Damals wurden 250 jüdische Hochschullehrer und akademische Mitarbeiter entlassen und deportiert.

In einem persönlichen Brief an den HU-Präsidenten, der ZENIT vorliegt, würdigt die Raoul-Wallenberg-Stiftung (www.raoulwallenberg.net) „diesen besonderen Moment und seine symbolische Bedeutung … durch die Ehrung eines Mannes, der sein Leben der Weitergabe der Werte des Judentums für Juden und Nichtgläubigen gewidmet hat“.

Rabbi E. Stein sei „ein Mann der einen bedeutsamen Beitrag für den Dialog mit Menschen aller Glaubensrichtungen geleistet hat“.

Die Humboldt-Universität, die bis Herbst 2010 ihr 200-jähriges Jubiläum feiert, sei Wirkort für Köpfe wie Johann Gottlieb Fichte, G.W.F. Hegel und Arthur Schopenhauer gewesen, so die RWIF, und von Physikern vom Kaliber eines Albert Einstein und Max Planck, insgesamt gehören 29 Nobelpreisträger dazu.

Es sei eine großartige Geste der Versöhnung und Abitte um Verzeihung, dass die Humboldt Universität, diese Ehrung Rabbi Stein zukommen lässt, der persönlich die tragische Verflechtung zwischen Deutschland und dem Judentum symbolisiert.

Rabbi E. Stein sei das lebendige Sprachrohr für die stummen Rufe der über 6 Millionen unschuldigen Opfer des Holocaust, die ihn bei der Preisverleihung begleiteten, so der Gründer der Stiftung, Baruch Tenembaum, der ein renommierter Professor für Bibelstudien und Hebräisch in den USA ist.


Die Internationale Raoul-Wallenberg-Stiftung will das Gedenken an Raoul Wallenberg wach halten, eines schwedischen Diplomaten, der im Januar 1945 verschwand, nachdem er Zehntausende Juden vor dem sicheren Tod durch die Nazis gerettet hatte
Die Stiftung bemüht sich auch um das Gedächtnis an die „Retter“, an jene Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus ihr Leben riskiert und teilweise auch verloren haben, weil sie anderen halfen, wie es unter anderem, Raoul Wallenberg, der Apostolischer Nuntius Angelo Roncalli (der spätere Papst Johannes XXIII.), Aristides de Sousa Mendes oder Jan Karski getan hatten.