Die im Jahr 2003 im Vatikan entdeckte Nekropole an der „Via Triumphalis“ wird am 12. Oktober der Öffentlichkeit vorgestellt

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ROM, 10. Oktober 2006 (ZENIT.org).- Eine 2000 Jahre alte Grabanlage, die während des Baus der neuen Tiefgarage „Santa Rosa“ im Jahr 2003 auf dem Boden des Vatikanstaates entdeckt wurde, wird am Donnerstag, dem 12. Oktober 2006, feierlich zugänglich gemacht. Die Öffentlichkeit kann das Gelände ab dem 14. Oktober besichtigen.



Die Neueröffnung gehört zum Ausstellungsreigen zum 500-Jahr-Jubiläum der Vatikanischen Museen. Für den Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten ist ein wissenschaftlicher Kongress über Identität, Aufgabe und Perspektiven der Vatikanischen Museen geplant. Er findet vom 13. bis zum 16. Dezember statt.

Die frei gelegten Gräber sind Teil einer aus der römischen Kaiserzeit stammenden Nekropole („Totenstadt“). Es handelt sich dabei um eine ausgedehnte Begräbnisstätte außerhalb der Stadtmauern des antiken Roms, die an der „Via Triumphalis“ gelegen war.

Die jüngsten Ausgrabungen fanden unter der Leitung der Archäologen der Vatikanischen Museen statt. Dabei kam ein beachtlicher neuer Teil der Nekropole zum Vorschein, die Fortsetzung von Überresten, die in den Jahren 1959 und 1960 entdeckt worden waren. Diese beiden Begräbniskomplexe sind Teil eines großen Bestattungsareals, das entlang der „Via Triumphalis“ errichtet worden war. Die „Via Triumphalis“ verband Rom über den heutigen Monte Mario hinweg mit der ungefähr 18 Kilometer entfernten etruskischen Stadt Veij.

Durch die neue archäologische Entdeckung sind heute im Vatikan zwei der am besten erhaltenen und dokumentierten Nekropolen aus der römischen Kaiserzeit zugänglich: die Nekropole der „Via Cornelia“, die unter dem Petersdom liegt und deren wichtigste Grabstätte das Grab des Apostelfürsten ist, und jetzt die Nekropole der „Via Triumphalis“.

Die Ausgrabungen umfassen rund 40 Begräbnisstätten von kleinerem und mittlerem Ausmaß. Dazu kommen mehr als 200, auf verschiedenen Ebenen situierte Einzelgräber, die zum Großteil mit Inschriften versehen sind. Die meisten Gräber befinden sich in ausgezeichnetem Zustand. Sie sind auf die Zeit zwischen dem Ende des ersten Jahrhunderts und die ersten Jahre des vierten Jahrhunderts nach Christus datierbar. Somit stammen sie aus der Zeit zwischen der Herrschaft von Kaiser Augustus und jener von Kaiser Konstantin. Einige Gebäude weisen interessante Wandfresken und Dekorationsarbeiten aus Stuck sowie Mosaikböden auf.

Es wurden auch Grabaltäre, Urnen und Sarkophage entdeckt, die mit Reliefs bestückt sind. Von besonderem Interesse ist der Sarkophag des jungen „equites“ („Ritter“) Publius Caesilius Victorinus (270-290), auf dem die Gestalt eines Betenden dargestellt wird. Dieser befindet sich neben einem Baum, auf dem ein Vogel sitzt.

Diese Darstellung ist deshalb so wertvoll, da Abbildungen dieser Art schon im antiken Griechenland vorhanden waren, auf Gräbern allerdings erst in christlicher Zeit benutzt wurden. Das Grab des jungen Ritters könnte somit, obwohl es aus der Zeit vor dem Edikt Kaiser Konstantins stammt, ein frühes Zeugnis für das Christentum sein.

In einigen Fällen geben die Inschriften Auskunft über den Beruf und/oder den Herkunftsort des Bestatteten und bieten somit einen interessanten Einblick in das Alltagsleben der damaligen Zeit. Die Grabausstattung setzt sich vor allem aus Öllampen und Behältern zusammen, die dazu bestimmt waren, die Gaben für die Verstorbenen aufzunehmen. Über einigen Altären sind Löcher zu erkennen, an denen Blumengirlanden aufgehängt werden konnten.

Der Direktor der Vatikanischen Museen, Francesco Buranelli, hob den außerordentlichen historischen Wert der Grabanlage hervor. Nach 2000 Jahren biete sie einen Querschnitt durch die römische Gesellschaft der Kaiserzeit. Die Gräber von Reichen und Armen, Freigelassenen und Sklaven lägen nebeneinander.

Buranelli erinnerte daran, dass die archäologischen Funde im Vatikan immer schon zahlreich gewesen seien: angefangen bei den Gräbern, die beim Bau der Peterskirche Michelangelos zum Vorschein kamen, bis hin zu den Entdeckungen im 20. Jahrhundert. Für den Archäologen Giandomenico Spinola handelt es sich um ein „kleines Bestattungs-Pompeij“, und zwar vor allem wegen des ausgezeichneten Erhaltungszustands der Fundstücke. Jedes einzelne Stück wurde sorgsam zunächst an Ort und Stelle und anschließend in den Werkstätten der Vatikanischen Museen restauriert und dann wieder an den ursprünglichen Ort gebracht.

An den Arbeiten waren 30 Experten beteiligt. Der Direktor der Museen hob hervor, dass ihr Ziel darin bestanden habe, den Gang durch die Ausgrabungen zu einer Art „Museumsbesuch“ werden zu lassen. Der Besucher werde durch ein begrenztes Gräberareal von außerordentlicher Mannigfaltigkeit und Schönheit geführt.

Interessenten können die Nekropole am Freitag und Samstag besichtigen. Es werden Gruppen aus maximal 25 Teilnehmern zugelassen. Eine schriftliche Voranmeldung der Besuchergruppen ist obligatorisch: Ufficio Visite Speciali, Tel.: +39 339- 06 6988 4947; Fax: +39 339 06 6988 1573; Email: visitespeciali.musei@scv.va