Die italienischen Bischöfe besorgt um die soziale Situation des Landes

Im Zentrum der Generalversammlung der italienischen Bischofskonferenz steht auch die Wunde der Pädophilie

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Von Chiara Santomiero

ROM, Mittwoch, 25. Mai 2011 (Zenit.org). – „Ein breites Einverständnis, das die Sorge darüber betont, was das Land erlebt, vor allem auf der sozialen Ebene“: Das war die Reaktion der zur Generalversammlung zusammengekommenen, italienischen Bischöfe auf den Vortrag des Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Angelo Bagnasco, den er am 23. Mai zur Eröffnung der Tagung hielt. Dies hob Monsignore Mariano Crociata, der Generalsekretär des Koordinationsorgans der italienischen Bischöfe, hervor, als er am Dienstag mit der Presse sprach.

Nach Crociata beschreibt der Vortrag „den Blick, mit dem die Kirche die Situation Italiens verfolgt. In Hinblick auf diese Situation bestätigt auch der jährliche Bericht „Istat“ ein besorgniserregendes Bild der sozialen Schwierigkeiten im Bereich der Familie, der Arbeit und der Notsituationen, die sich damit verbinden“.

Dieses Gefühl der Sorge jedoch „widerspricht nicht dem Vertrauen in unsere Menschen und deren Bereitschaft zu reagieren“. „Die Verbindung zwischen der Sorge und dem Vertrauen in die Ressourcen des Landes muss durch die Institutionen hergestellt werden“.

Angeregt durch die Fragen der Journalisten bezüglich der von Priestern begangenen Delikte der Pädophilie– eine Wunde, die von Kardinal Bagnasco in seinem Vortrag als „widerliche und noch nicht überwundene Notlage“ bezeichnet wurde – bekräftigte Crociata, dass der „Erstverantwortliche zur Bewältigung dieser Fälle der Diözesanbischof ist, welcher sofort handelt, indem er sich an die Glaubenskongregation wendet“.

Die von Kardinal Bagnasco für die nächste Zukunft angekündigten Leitlinien, die die Aufgabe haben, die von der Kongregation kommenden Vorgaben für Italien umzusetzen, dienen zur Sicherstellung, dass „die Opfer bereitwillig angehört und geschützt und dass die Verantwortlichen sofort entfernt werden“. Es bedarf tatsächlich „eines schnellen Eingreifens, damit man dem Problem nicht nur entgegentritt, sondern es ausräumt“. Nach Crociata verhindert das Aufsehen um die Fälle unter anderem, die Aktivität wahrzunehmen, die von der Kirche in diesem Bereich fortwährend ausgeübt wird und die sich „in der Begleitung der Priesterausbildung und in der Unterstützung ihres normalen Weges“ ausdrückt.

Der Sekretär der Bischofskonferenz bestätigte auch die im letzten Jahr angegebene Zahl der Fälle sexuellen Missbrauchs, die von Priestern an Minderjährigen verübt worden waren – circa 100 Fälle in den letzten zehn Jahren -, zu denen die in diesem Jahr im Bericht registrierten Fälle hinzukommen. Auch diese Ereignisse verdeutlichen, wie es „die Sorge der Hirten sein muss zu verhindern, dass Priester, die sich mit so gemeinen Verbrechen beschmutzt haben, weiterhin in der Lage sind, Schaden anzurichten“.

„Wertschätzung und Nähe“ drückte Crociata für Monsignore Claudio Maniago aus, den Weihbischof von Florenz, der in einige Zeugenaussagen hineingezogen wurde, die in Verbindung mit den Untersuchungen gegen Don Lelio Cantini stehen, einem Priester, der vom Papst in den Laienstand zurückversetzt und wegen des sexuellen Missbrauchs an Minderjährigen verurteilt wurde. „Wir haben keine Informationen über ein besonderes Verfahren“, sagte Crociata. „Wenn entsprechende Dinge zutage treten, werden wir sie anschauen. Aber es gibt bisher keinen Grund, daraus einen Fall zu machen, da im Übrigen das Verfahren gegen den Priester in klarer und präziser Weise abgeschlossen ist“.

In Bezug auf das politische Engagement der Katholiken - ein Thema, das durch die in diesen Wochen laufenden Wahlen angeregt wurde – meinte Crociata, dass „von den Katholiken ein dem eigenen Glauben entsprechender Einsatz gefordert ist“, der nicht verstanden wird als „einseitige Sichtweise, sondern als Einsatz für das Allgemeinwohl“. „Man darf nicht an die Stelle des Gewissens des Einzelnen treten“, führte er weiter aus, „sondern kann die Gläubigen nur an die moralischen Kriterien erinnern. Sie sind selbst in der Lage, die Kandidaten, die sich dem Allgemeinwohl widmen, zu wählen, jenseits der Lager“.

Weiterhin betonte Crociata zum Thema des Referendums, dass „alle Ausdrucksformen des Volkswillens zu schätzen sind“, dass aber „bei bestimmten Themen, wie dem des Wassers, eine gemeinsame soziale Verantwortung und die immer größere Sorge zum Schutz eines Gemeingutes ausgeübt werden muss.“

Eine letzte Anmerkung in Bezug auf die Kontroverse über den Bau einer Moschee in Mailand: „Die italienische Bischofskonferenz“, sagte Crociata, „hat sich immer zugunsten der Religionsfreiheit ausgesprochen und daher auch für der Möglichkeit, Kultorte einzurichten“. „Eine Moschee“, fügte der Sekretär der Bischofskonferenz hinzu, „stellt auch einen Ort der Sozialisierung und der Begegnung dar und muss diesen Bedürfnissen entgegenkommen können - gemäß den italienischen Gesetzen, die unser Zusammenleben regeln“.

[Aus dem Italienischen übersetzt von Edith Olk]