Die Jugend muss man für große Ideale einsetzen

Die Worte des Papstes beim heutigen Regina-Caeli-Gebet

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 735 klicks

Nach der hl. Messe zur Priesterweihe von 10 Diakonen im Petersdom zeigte sich der Heilige Vater Franziskus am Fenster seines Arbeitszimmers im apostolischen Palast des Vatikans, um mit den zu dem sonntäglichen Treffen auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern das „Regina Caeli“ zu beten.

Zur Einführung in das österliche Mariengebet sprach der Papst folgende Worte, die wir in einer eigenen Übersetzung dokumentieren:

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[Vor dem Regina Caeli]

Liebe Brüder und Schwestern,

Guten Tag!

Den vierten Sonntag der Osterzeit kennzeichnet das jedes Jahr verlesene Evangelium vom guten Hirten. Im heutigen Text begegnen uns folgende Worte Jesu: „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir. Ich gebe ihnen ewiges Leben. Sie werden niemals zugrunde gehen, und niemand wird sie meiner Hand entreißen. Mein Vater, der sie mir gab, ist größer als alle, und niemand kann sie der Hand meines Vaters entreißen. Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10, 27-30). In diesen vier Versen ist die gesamte Botschaft Jesu enthalten, der zentrale Kern des Evangeliums: Er ruft uns zur Teilhabe an seiner Beziehung mit dem Vater auf, und das ist das ewige Leben.

Jesus möchte zu seinen Freunden eine Beziehung aufbauen, die ein Spiegelbild jener ist, die zwischen ihm und dem Vater besteht: eine Beziehung der gegenseitigen Zugehörigkeit im vollkommenen Vertrauen, in inniger Gemeinschaft. Als Symbol für diese tiefen Einheit, dieser Freundschaftsbeziehung, verwendet Jesus das Bild vom Hirten mit seinen Schafen: Er ruft sie, und sie erkennen seine Stimme, folgen seinem Ruf und gehen ihm nach. Dieses Gleichnis ist von großer Schönheit! Das Geheimnis der Stimme ist eindrucksvoll. Denken wir daran, dass wir bereits im Mutterleib das Erkennen der Stimme unserer Mutter und unseres Vaters erlernen; der Tonfall vermittelt uns Liebe oder Verachtung, Zuneigung oder Kälte. Die Stimme Jesu ist einzigartig! Wenn wir sie zu unterscheiden lernen, führt er uns auf dem Weg des Lebens, der auch über den Abgrund des Todes führt.

Jesus wandte sich auch mit den folgenden Worten an seine Schafe: „Mein Vater, der sie mir gab …“(Joh 10,29). Dabei handelt es sich um eine entscheidende Botschaft, um ein tiefes und nicht leicht zu begreifendes Geheimnis: Wenn ich mich zu Jesus hingezogen fühle, wenn seine Stimme mein Herz erwärmt, so habe ich das Gott, dem Vater, zu verdanken. Er hat das Verlangen nach Liebe, nach Wahrheit, nach Lebens und nach Schönheit in mich hineingelegt … Jesus ist dies in der gesamten Fülle! Daraus erschließt sich um das Geheimnis der Berufung und insbesondere der Aufruf zu besonderer Weihe. Manchmal ruft uns Jesus, lädt uns dazu ein, ihm nachzufolgen, doch es geschieht vielleicht, dass wir ebenso wie der junge Samuel nicht bemerken, dass gerade er es ist, der uns ruft. Ich sehe heute eine große Zahl junger Menschen auf dem Platz. Ihr seid viele, nicht wahr? Das sehe ich. Wollt ihr Apostel Jesu sein? Die Jugend muss man für große Ideale einsetzen. Das denkt ihr, nicht wahr? Seid ihr dieser Meinung? Frage Jesus, was er von dir will, und sei mutig! Sei mutig! Frag ihn! Hinter jeder Berufung zum Priestertum oder zum geweihten Leben steht immer das inständige und intensive Gebet einer Großmutter, eines Großvater, einer Mutter, eines Vaters oder einer Gemeinde … Vor diesem Hintergrund sagte Jesus: „Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Mt 9,38). Berufungen entstehen im Gebet und aus dem Gebet; nur im Gebet können sie fortdauern und Frucht tragen. Am heutigen „Weltgebetstag um geistliche Berufungen“ ist es mir ein besonderes Anliegen, dies hervorzuheben. Beten wir besonders für die neuen Priester der Diözese von Rom, deren Weihe ich heute Vormittag vollziehen durfte. Rufen wir Maria um ihre Fürsprache an. Zehn junge Menschen sagten heute Vormittag Ja zu Jesus und wurden zu Priestern geweiht. Das ist schön! Bitten wir um die Fürsprache Mariens, der Frau des Ja. Maria gab ihr ganzes Leben lang ihr Ja-Wort. Sie lernte die Stimme Jesu erkennen, als sie ihn in ihrem Schoß trug. Maria, unsere Mutter, hilf uns, die Stimme Jesu immer besser zu erkennen und ihm nachzufolgen, damit wir auf den Weg des Lebens gelangen! Danke.

Ich danke euch sehr für den Gruß, aber grüßt auch Jesus. Ruft ihn mit lauter Stimme: „Jesus“. Lasst uns alle zur Gottesmutter beten.

[Nach dem Regina Caeli]

Mit großer Sorge und intensivem Gebet verfolge ich die Ereignisse in Venezuela. Ich hege die Hoffnung, dass sich geeignete und friedliche Wege zur Überwindung der derzeit herrschenden gravierenden Probleme finden mögen. An die liebe venezolanische Bevölkerung und insbesondere an die politischen und institutionellen Verantwortlichen richte ich den Aufruf, jegliche Art der Gewalt entschieden abzulehnen und im Sinne des Allgemeinwohles und der Liebe zur Nation einen auf Wahrheit und der gegenseitigen Anerkennung gründenden Dialog zu aufzubauen. Ich bitte alle Gläubigen um ihr Gebet und um ihr Bemühen um die Versöhnung und um den Frieden. Vereinen wir uns in einem von der Hoffnung für Venezuela erfüllten Gebet und vertrauen wir das Land den Händen seiner Schutzpatronin, Unserer Lieben Frau von Coromoto, an.

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In Gedanken bin ich auch bei den Betroffenen des Erdbebens im Südwesten von Kontinentalchina. Beten wir für die Opfer und für all jene, denen diese schwere Naturkatastrophe Leid zugefügt hat.

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Heute Nachmittag findet in Sondrio die Seligsprechung von Don Nicolò Rusca statt. Das Leben und Wirken des Veltliner Priesters fällt in die Zeit zwischen dem 16. und dem 17.Jahrhundert.Don Rusca erfüllte lange Zeit einen herausragenden priesterlichen Dienst in Sondrio. Er wurde im Zuge der zu dieser Zeit in Europa herrschenden politisch-religiösen Kämpfe ermordet. Preisen wir den Herrn für sein Zeugnis!

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Mit großer Zuneigung heiße ich die aus den verschiedenen Ländern stammenden Pilger willkommen: die Familien, die zahlreiche Gruppen aus den Pfarrgemeinden, die Vereinigungen, die Firmlinge, die Schulen. Einen besonderen Gruß richte ich an die vielen jungen Menschen aus der Diözese von Venedig in Begleitung des Patriarchen; ich möchte euch an eines erinnern liebe Jungen und Mädchen: Das Leben muss man für große Ideale einsetzen! Ich begrüße die Katecheten der Diözese von Gubbio unter der Führung ihres Bischofes; die Gemeinschaft des Priesterseminars Lecce mit den Ministranten der Diözese; die Vertretung des italienischen Lions Clubs. An diesem „Weltgebetstag um geistliche Berufungen“, der vor 50 Jahren dank einer glücklichen Eingebung Papst Pauls VI. ins Leben gerufen wurde, lade ich euch alle zu einem besonderen Gebet darum ein, dass der Herr zahlreiche Arbeiter für seine Ernte aussende. Der hl. Hannibal Maria Di Francia, ein Apostel des Gebetes um geistliche Berufungen, erinnert uns an diesen wichtigen Einsatz. Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag!

Schönen Sonntag und ein gesegnetes Mittagessen!