"Die kambodschanische Kirche setzt ihre Ameisenarbeit fort"

Jahresrückblick des Missionars, der einst den Völkermord der Roten Khmer aufdeckte

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Michaela Koller

PHNOM PENH, 23. Dezember 2009 (ZENIT.org).- Es war ein katholischer Priester, der für die westliche Öffentlichkeit im Jahr 1977 erstmals den erschreckenden Massenmord der Roten Khmer in Kambodscha aufdeckte. Pater Francois Ponchaud, Mitglied der Gesellschaft des Pariser Missionsseminars (Société des Missions Etrangères de Paris), lebt seit 1993 wieder als Missionar in dem südostasiatischen Land. In einem Rundbrief zu Weihnachten blickt er auf das zu Ende gehende Jahr zurück, das für Kambodscha ein Besonderes war: Beim Prozess gegen den früheren Leiter des Folterlagers Tuol Sleng, hat mit dem 67-jährigen Kaing Guek Eav, erstmals überhaupt ein Ehemaliger aus der Führung der Roten Khmer wenigstens teilweise gestanden.

Der zum Christentum Konvertierte zeigte sich reuig und bat um Vergebung. Der "Genosse Duch" Genannte räumte aber nur in zwei Fällen ein, persönlich bei den Folterungen mitgewirkt zu haben und berief sich vor allem darauf, Befehlen gefolgt zu sein. „Ein Theaterspiel: Duch gibt vor, nur ein einfacher und zudem geringster Ausführender gewesen zu sein", kommentiert Pater Ponchaud die Verteidigungslinie.

Noch immer können Besucher des Foltergefängnisses in der Hauptstadt Phnom Penh Spritzer vom Blut der Opfer an den hohen Decken sehen. Die Schädel einiger der Ermordeten sind in einer Vitrine ausgestellt. Nur sieben Menschen überlebten diesen Horror, mindestens 12.000 erlagen den Torturen und menschenunwürdigen Bedingungen, darunter rund 2.000 Kinder. Für Anfang kommenden Jahres wird das Urteil gegen den einstigen Leiter erwartet.

Ponchaud zeigt sich in seinem Rundschreiben skeptisch, dass dieses Verfahren sowie Prozesse gegen vier weitere Angeklagte der Roten Khmer überhaupt noch Gerechtigkeit bringen. „Man kann immer davon träumen, dass diese Prozesse den Beginn eines Rechtssystem darstellen, das zu den Kambodschanern gerecht ist", schreibt er. Er kritisiert, dass viele ehemalige Rote Khmer aktuell wieder in politischen Führungspositionen sitzen. Dieser Umstand wurde, zumindest bis zu den Wahlen im Juli 2008, durch ein hohes Maß an Korruption begleitet.

Zweifel an der Lauterkeit der Politiker seien immer noch nicht erlaubt: „Das Recht auf freie Meinungsäußerung wird für die Khmer immer mehr eingeschränkt", beklagt Ponchaud. Er nennt dazu einige exemplarische Fälle, darunter auch Beispiele von Einschränkung der Pressefreiheit: „Redakteure von Magazinen der Opposition werden zu Freiheitsstrafen verurteilt, weil sie geschrieben haben, dass sich der Vize-Premier mit Korrupten umgeben habe."

Ponchaud sorgt sich um die wirtschaftliche Zukunft des Landes. Die Finanzkrise habe die Preise für Importprodukte ansteigen lassen und beeinträchtige zudem eine der Haupteinnahmequellen der kambodschanischen Volkswirtschaft: „Die Krise wirkt sich auch auf die Zahl der Touristen aus dem Westen aus, die um 25 Prozent im Laufe des Jahres gefallen ist", berichtet der Pater.

Ein besonderes Problem sei der Ausverkauf von Grundeigentum und Immobilien an reiche Vietnamesen, Chinesen, Koreaner. Um 8.000 Hektar Land für den Kautschuk-Anbau einer vietnamesischen Gesellschaft frei zu machen, seien 1.700 Anwohner in diesem Monat mit Militärgewalt vertrieben, einige davon sogar eingesperrt worden.

„In diesem so heiklen und menschlich schwierigen Umfeld führt die kambodschanische Kirche ihre Ameisenarbeit fort", schreibt Ponchaud. Aber in der Begegnung mit den Armen fänden die Geistlichen und ihre Unterstützer Rückhalt. „Wir verstehen uns im Dienst an das Leben, das stärker ist als dieses allgegenwärtige Klima des Unrechts", heißt es weiter in dem Brief.

Neben seiner missionarischen Tätigkeit koordiniert und unterstützt Pater Francois Ponchaud, der auch schon Teile der Heiligen Schrift in die kambodschanische Sprache Khmer übersetzt hat, eine Reihe von humanitären Projekten. Darunter ist etwa ein Kindergarten, eine Bibliothek für Grundschulkinder und einige Schulen, wie etwa eine Handwerksschule zur Ausbildung von Mechanikern für die in Kambodscha stark verbreiteten Motorräder und eine ländliche Schule zur Ausbildung junger Landwirte.

Auf diese Weise bemüht sich Pater Ponchaud, den Kambodschaner dreißig Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Roten Khmer doch noch ein wenig Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.