Die Kardinalswürde und der Ablauf des zweiten Konsistoriums Benedikts XVI.

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ROM, 23. November 2007 (ZENIT.org).- Am morgigen Samstag um 10.30 Uhr wird Papst Benedikt XVI. das zweite Ordentliche Konsistorium seines Pontifikats zur Kreierung 23 neuer Kardinäle halten.



Die Kardinalswürde ist in „ordines“ eingeteilt: Kardinalbischöfe, Kardinalpriester und Kardinaldiakone.

Kardinalbischöfen sind als Titel die suburbikarischen Bistümer zugeordnet. Die suburbikarischen Bistümer sind einige der ältesten Bistümer der lateinischen Kirche im Umkreis von Rom, deren Vorsteher dem Papst bei der Leitung der Gesamtkirche zur Seite standen. Außerdem gehören die mit Rom unierten orientalischen Patriarchen mit eigenem Patriarchalsitz zu diesem „ordo“. Der ranghöchste Kardinalbischof und Vorsitzender des Kardinalkollegiums ist der Kardinaldekan (gegenwärtig Kardinal Angelo Sodano).

Dem „ordo“ der Kardinalpriester sind jene Bischöfe zugeordnet, denen eine Titelkirche in Rom zugewiesen ist. Somit ist jeder Kardinalpriester nominell auch Pfarrer in Rom, mit einer eigenen Gemeinde.

Dem „ordo“ der Kardinaldiakone gehören Bischöfe an, denen der Titel einer römischen Diakonie zugewiesen ist. Eine römische Diakonie ist die Bezeichnung für besondere Gebäude, die den sieben historischen kirchlichen „regiones“ (Stadtvierteln) liegen, in die das frühchristliche Rom aufgeteilt war. Die Aufgabe der Diakonie bestand in der Fürsorge für die Armen des jeweiligen Stadtteils. In jedem dieser Viertel wurde ein Gebäude („diaconia“) in unmittelbarer Nähe einer Kirche errichtet, das der Aufnahme der Armen diente. Den Vorsteher einer solchen Diakonie nannte man einen Diakon (später auch „diaconus ecclesiae Romanae“); nach und nach wurden diese Vorsteher auch Kardinalsdiakone („diaconi cardinales“) genannt. Ein deutscher Kardinaldialkon ist Walter Kasper.

Das Konsistorium folgt dem 1991 eingeführten neuen Ritus, der aus den folgenden Elementen besteht: Nach dem liturgischen Gruß verliest der Heilige Vater die Ernennungsformel und verkündet feierlich die Namen der neuen Kardinäle. Der erste der neuen Kardinäle richtet dann im Namen aller ein Gruß- und Dankwort an den Papst.

Nach dem Wortgottesdienst hält der Papst die Predigt. Ihr folgen das Glaubensbekenntnis und der Eid der neuen Kardinäle. Im Anschluss daran kniet jeder einzelne der neuen Kardinäle vor dem Nachfolger des Petrus nieder, um das Kardinalsbirett und die Urkunde der Zuweisung eines Titels oder einer Diakonie in Empfang zu nehmen.

Bei der Übergabe des Kardinalsbiretts erklärt der Papst: „Rot als Zeichen der Würde des Amtes des Kardinals, um zum Ausdruck zu bringen, dass ihr bereit sein müsst, euch mit Stärke zu verhalten, bis zum Vergießen des Blutes, für die Mehrung des christlichen Glaubens, für den Frieden und die Ruhe des Volkes Gottes und für die Freiheit und die Verbreitung der Heiligen Römischen Kirche.“

Anschließend überreicht der Papst die Bulle der Kardinalsernennung, die Zuweisung des Titels oder der Diakonie und tauscht mit dem neuen Kardinal den Friedensgruß aus. Der neue Kardinal tauscht dann mit den anderen Kardinälen den Friedensgruß aus.

Der Ritus findet mit dem Gebet der Gläubigen, dem Gebet des Vaterunsers, und dem Schlusssegen seinen Abschluss.

Am Sonntag, dem Hochfest Christkönig, findet eine feierliche Messe statt, der der Papst zusammen mit den neuen Kardinälen vorstehen wird. Während der Feier überreicht der Heilige Vater jedem der neuen Kardinälen den Kardinalsring und spricht dazu: „Empfange den Ring aus den Händen des Petrus zum Zeichen der Würde, der pastoralen Sorge und einer festeren Gemeinschaft mit dem Sitz des Petrus.“

Nach dem zweiten öffentlichen Konsistorium wird das Kardinalskollegium 201 Mitglieder aus fünf Kontinenten zählen: 104 aus Europa, 20 aus Nordamerika, 34 aus Lateinamerika, 18 aus Afrika, 21 aus Asien sowie 4 aus Ozeanien. 120 Kardinale sind im Fall eines Konklaves wahlberechtigt.