Die katholische Kirche verteidigen

Ein neues Buch gegen die Desinformation über Missbräuche, Kondome, Kreuzzüge und Inquisition

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Von Pater John Flynn, LC

ROM, Donnerstag, 23. Juni 2011 (ZENIT.org).- Der Antikatholizismus ist möglicherweise das letzte übergebliebene Vorurteil in der heutigen Gesellschaft, aber nach Ansicht des kanadischen Autoren und Journalisten Michael Coren darf man ihn nicht unterschätzen.

In seinem kürzlich veröffentlichten Buch „Warum Katholiken Recht haben“ (McClelland und Stewart) nimmt der Autor eine Reihe der gewohnten Kritiken gegen die Kirche in Angriff. Coren, geboren in einer nicht praktizierenden Familie mit jüdischem Vater bekehrte sich zum Katholizismus, als er zwanzig Jahre alt war.

Jude zu sein half ihm bei seiner Karriere, während -wie er in der Einleitung seines Buches erklärt- der katholische Glaube es mit sich brachte, zwei Arbeitsstellen zu verlieren und dass ihm in der Medienwelt viele Türen vor der Nase zugeschlagen wurden.

Er beginnt das Buch mit einem Thema, das er, so der Autor, nicht hätte behandeln wollen und dürfen: jenes der  Sexualskandale des Klerus. Er erkennt den ungeheuren Schaden, den viele Personen aufgrund der Missbräuche erlitten hätten, vertritt aber auch die Meinung, dass einige der Kritiken unbegründet seien.

Coren besteht darauf, dass die Missbräuche nichts Spezifisches über den Katholizismus aussagen. In diesem Sinne ignorierten die Kritiker, die darauf erpicht seien zu beweisen, dass die Skandale an die Struktur oder die Lehre der Kirche gebunden seien, die Tatsache, dass Missbräuche seitens des Klerus auch in anderen Kirchen und Religionen vorkämen und zwar genauso häufig, wenn nicht sogar öfter.

Als Folge der Skandale habe die katholische Kirche ihre Lektion gelernt und sei heute einer der sichersten Orte für Jugendliche, so Coren. Auf diese Ereignisse müsste die Verurteilung der Vergehen folgen, nicht aber das Verurteilen der Kirche, schlussfolgert er.

Ein anderes Kapitel behandelt geschichtliche Ereignisse wie die Kreuzzüge und die Inquisition. Es sei wahr, räumt er ein, dass die Kirche nicht immer richtig gehandelt habe, aber in ihrer Gesamtheit sei sie eine ethische Avantgarde gewesen und repräsentiere den Antrieb zum Guten.

Die Kreuzzüge

Bezüglich der Frage der Kreuzzüge erinnert Coren daran, dass das heilige Land christlich gewesen war und dann zu einem gewissen Zeitpunkt von den Moslems überfallen worden sei.

Es ist laut Coren falsch, die Kreuzzüge als eine Art von Imperialismus oder Kolonialismus zu sehen. Weit davon entfernt, eine Form der Ausbeutung und Quelle des Profits zu sein, hätten sich viele adlige Familien  an den Bettelstab gebracht, um die Ritter und ihr Gefolge zu bewaffnen und zu erhalten.

Moderne Forschungen widersprächen jenen, die behaupten, dass viele Kreuzfahrer Kinder armer Familien und auf der Suche nach Beute gewesen seien. Hingegen sei es oft die Elite des europäischen Adels gewesen, erklärt der Journalist.

In den von den Kreuzzügen eroberten Gebieten habe die moslemische Bevölkerung ihr Leben normal weiterführen können, ohne dazu gedrängt zu werden, zum Christentum zu konvertieren. Was können wir also abschließend über die Kreuzzüge feststellen ?, fragt sich Coren.

„Es waren nicht die besten Zeiten der christlichen Geschichte, aber sie entsprechen auch nicht der kindischen Karikatur der heute verbreiteten Schuldgefühle der westlichen Welt und bestimmt auch nicht dem heutigen moslemischen Verfolgungswahn“, meint er.

Bezüglich der Inquisition sei dem Autor zufolge die Hauptanklage, die Christen hätten am schrecklichsten gewütet und eben nur die Kirche habe etwas Derartiges wie die Inquisition organisieren können.

Dies sei, gemäß dem Autor, schlichtweg lächerlich, der als erstes daran erinnerte, dass in nur wenigen Wochen der atheistischen französischen Revolution mehr Männer und Frauen massakriert worden seien als während hundert Jahren Inquisition. Es habe außerdem Inquisitionen auch in einer Reihe von protestantischen Nationen gegeben, im Besonderem gegen jene gerichtet, die der Hexerei verdächtigt worden seien.

Folter

Zweck der Inquisition sei es gewesen, doktrinäre Irrtümer und Häresien zu bekämpfen, um die Menschen zur Kirche zurückzubringen, erklärt Coren. Die Folter habe existiert, aber sie sei vor allem auf säkularem Gebiet gebräuchlich gewesen. Die Inquisition habe sie auf gleiche Weise benutzt, normalerweise aber weniger häufig als andere Richter der Zeit.

Der größte Teil der Kritik konzentriere sich auf die spanische Inquisition. In einer Zwischenbemerkung fragt sich der Autor, warum nicht den großen Massakern an Katholiken seitens der Könige von England, Heinrich VIII. und Elisabeth I., ebensoviel Aufmerksamkeit geschenkt werde.

Es sei wahr, dass die Päpste die spanische Inquisition anfänglich unterstützt hätten, aber diese sei alsbald ein Vorgehen des Staates und der Monarchie geworden. Nach der endgültigen Niederlage der Moslems in Spanien habe sich eine große Anzahl von Menschen vom Islam oder Judentum zum Katholizismus bekehrt.

Viele seien echte Konversionen gewesen, aber da es ökonomisch und politisch von Vorteil gewesen sei, katholisch zu sein, seien einige nicht authentisch gewesen. Dies habe die Inquisition dazu veranlasst, die Bedingungen für die Konversion zu erforschen.

Sicherlich seien Missbräuche geschehen, bekräftigt Coren, aber wie sehr auch Spanien eine kranke Gesellschaft gewesen sein mag, habe sie später doch nicht die blutigen Religionskriege erlebt, unter denen viele andere europäische Länder gelitten hätten.

Die Inquisition sei in der Geschichte zum großen Teil unbeachtet geblieben, bis die antikatholischen Schriftsteller Mitte des XIX. Jahrhunderts sie benutzt und verzerrt dargestellt hätten, um die Kirche anzugreifen, so Coren.

Eine andere, häufig auftretende Kritik an der Kirche betreffe ihre Reichtümer. „Wir werden angeklagt mit dem geflügelten Wort, dass die Kirche vor Geld trieft, während der Rest der Welt am Hungertuch nagt“, bemerkt Coren.

Sicherlich gebe es viele Reichtümer im Vatikan, in den Museen, die dem Publikum offen stünden. Die Kirche bewahre diese Kunstschätze über Jahrhunderte und habe sie als Erbe für die Menschheit erhalten.

Diese Werke zu verkaufen und den Erlös zu verteilen, wäre eine Aktion „una tantum“, deren Nutzen bald aufgebraucht wäre. Die Kunstschätze würden hingegen für die Zukunft aufbewahrt, allen zugänglich und nicht eingeschlossen in private Sammlungen.

Außerdem, fügt Coren hinzu, baue und erhalte die katholische Kirche Krankenhäuser und Schulen und leiste eine enorme Arbeit der Nächstenliebe in der ganzen Welt.

Leben

Eines der Kapitel ist dem Thema des Lebens und der Sexualität gewidmet. Die Kirche werde oft wegen ihrer Stellung zu Abtreibung, Kondomen und Verhütungsmitteln angegriffen.

Die Positionen, welche die Kirche in diesem Bereich vertrete, gründeten sich nicht nur auf moralische Erwägungen, sondern würden auch von der Wissenschaft und den Menschenrechten gestützt, bekräftigt Coren.

Die Feststellung, der zufolge vom Augenblick der Empfängnis an ein neues Leben existiere, gründe sich auf solide biologische Fundamente. Der Fetus sei ein neues menschliches Leben, und als solches müsse er das Recht genießen, zu existieren. Trotz allem würden in den letzten Jahren die Befürworter des Lebens häufig als Extremisten dargestellt.

Während sich außerdem die heutige Gesellschaft für fortgeschrittener und toleranter als jegliches vergangene Zeitalter erachte, würden heutzutage die ungeborenen Behinderten wissentlich aufgespürt und getötet.

Ein weiteres Thema sei die Opposition der Kirche gegen die Nutzung von embryonalen Stammzellen für die Forschung. Dies werde von den Gegnern der Kirche für den Vorwurf benutzt, sie behindere in naher Zukunft Heilverfahren gegen gewisse Krankheiten behindern.

Die Wahrheit aber sei, dass es keine funktionierenden Heilverfahren gebe, die sich auf die Nutzung von embryonalen Stammzellen gründen. Einige Erfolge würden hingegen bei der Verwendung erwachsener Stammzellen erzielt, was von der Kirche nicht verworfen werde, unterstreicht Coren.

Bezüglich des Kondoms und der Verhütungsmittel stelle die Kirche seit Jahren fest, dass ihre Verbreitung für die Gesellschaft schädlich sei. Es habe nämlich, so Coren, eine ständige Zunahme von sexuell übertragbaren Krankheiten, Scheidungen, gescheiterten Ehen gegeben, und die Sexualität werde Schritt für Schritt von einem Akt der Liebe zu einem bloßen Austausch organischer Flüssigkeiten herabgewürdigt.

Das Werk der Diffamierung gegen die Kirche und Benedikt XVI. wegen ihrer Opposition gegen die Verwendung des Kondoms in den Strategien zur Eingrenzung von AIDS sei ein weiterer Akt der Ehrabschneidung, bekräftigt Coren. Die in Afrika gewonnene Erfahrung beweise, dass die Verwendung des Kondoms schlicht und ergreifend nicht funktioniere. Dagegen seien es die Programme gewesen, die auf Enthaltsamkeit und Treue beruhen, die die besten Ergebnisse erzielt hätten.

Corens Buch behandelt noch viele andere Argumente und scheut sich nicht, die Kirche gegen schlecht informierte Angriffe zu verteidigen. Es stellt ein nützliches Instrument für jene dar, die daran interessiert sind, auf die Angriffe, die allzu oft gegen die Kirche vorgebracht werden, zu antworten.

[Übersetzung aus dem Italienischen von Josef Stolz]