Die Kirche dient dem Gemeinwohl: Benedikt XVI. empfängt neuen italienischen Botschafter

„Ihr einziges Ziel ist es, dem Menschen zu dienen“

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ROM, 4. Oktober 2007 (ZENIT.org).- Am Donnerstagvormittag empfing Benedikt XVI. den neuen Botschafter Italiens beim Heiligen Stuhl, Antonio Zanardi Landi, zur Übergabe der Beglaubigungsschreiben. In seiner Ansprache würdigte der Papst den Einsatz der Republik Italien zugunsten des weltweiten Friedens. Zugleich hob er hervor, dass es nicht im Interesse der Kirche liege, politische oder wirtschaftliche Vorteile zu beanspruchen; der Kirche gehe es vielmehr darum, zum Wohl der ganzen Gesellschaft zu wirken.



Der Empfang des Botschafters fand am liturgischen Gedenktag des heiligen Franz von Assisi statt, der zusammen mit der heiligen Katherina von Siena Landespatron Italiens ist. Benedikt XVI. würdigte die enge Zusammenarbeit, die die Beziehungen des Heiligen Stuhls und der italienischen Republik auszeichnen. Ein besonderes Zeichen hierfür sei das einstimmige Zeugnis der Annahme, der geistlichen Unterstützung und der Freundschaft, die die Italiener dem Papst in Rom und im ganzen Land bekundeten.

Benedikt XVI. dankte für Grüße, die ihm von Staatspräsident Giorgio Napolitano übermittelt worden waren, und wünschte dem italienischen Volk, dass es auch in diesen Zeiten, die von tiefen Veränderungen geprägt seien, weiterhin den Weg eines echten Fortschritts gehen könne.

Die Kirche werde es ihrerseits nicht daran fehlen lassen, „der Zivilgesellschaft – wie dies ja schon in der Vergangenheit der Fall war – ihren spezifischen Beitrag anzubieten, indem sie das, was wahr, gut und schön in ihr ist, fördert und erhebt und so alle Bereiche der menschlichen Tätigkeit mit jenen Mitteln erhellt, die dem Evangelium entsprechen und sich mit dem Wohl aller in Einklang befinden“.

Die Handlungsweise der Kirche lasse das vom II. Vatikanischen Konzil geäußerte Prinzip sichtbar werden: „Die politische Gemeinschaft und die Kirche sind auf je ihrem Gebiet voneinander unabhängig und autonom. Beide aber dienen, wenn auch in verschiedener Begründung, der persönlichen und gesellschaftlichen Berufung der gleichen Menschen“ (Gaudium et spes, 76).

Was die Zusammenarbeit von Kirche und Staat angeht, habe die Kirche nicht vor, „auf Macht aus zu sein, Privilegien zu beanspruchen oder Positionen wirtschaftlichen und sozialen Vorteils anzustreben. Ihr einziges Ziel ist es, dem Menschen zu dienen“, bekräftigte Benedikt XVI. „Dabei inspiriert sie sich an den Worten und am Beispiel Jesu Christi als höchste Verhaltensnorm.“ Aus diesem Grund bitte die Kirche darum, in ihrem spezifischen Wesen Beachtung zu finden und in Freiheit ihrer besonderen Sendung nicht nur zum Wohl der Gläubigen nachzukommen, sondern aller Italiener.

Der Heilige Vater erinnerte in diesem Zusammenhang an seine Worte anlässlich des 4. Nationalen Kongresses der Kirche in Italien 2006 in Verona: „Die Kirche ist kein politischer Handlungsträger und will dies auch nicht sein. Gleichzeitig ist sie jedoch sehr interessiert am Wohl der politischen Gemeinschaft, deren Seele die Gerechtigkeit ist, und sie bietet ihr auf zweifacher Ebene ihren spezifischen Beitrag an. Der christliche Glaube reinigt nämlich die Vernunft und hilft ihr, besser sie selbst zu sein: Durch ihre Soziallehre, deren Inhalt seinen Ausgangspunkt bei dem nimmt, was der Natur jedes Menschen entspricht, trägt die Kirche daher dazu bei, dass das, was gerecht ist, nachhaltig erkannt und dann auch umgesetzt werden kann. Zu diesem Zweck sind natürlich moralische und geistliche Kräfte unverzichtbar, die es ermöglichen, die Erfordernisse der Gerechtigkeit den persönlichen Interessen oder den Interessen einer gesellschaftlichen Kategorie oder auch eines Staates voranzustellen: Hier ist für die Kirche wiederum ein sehr großer Raum vorhanden, um diese Kräfte in den Gewissen zu verankern, sie zu nähren und zu festigen.“

Benedikt XVI. brachte den Wunsch zum Ausdruck, dass die Zusammenarbeit mit allen Teilen der Gesellschaft sowohl zur Bewahrung des kulturellen und geistlichen Erbes als auch zur Entdeckung neuer Wege führen möge, um in angemessener Weise den großen Herausforderungen der heutigen postmodernen Zeit zu begegnen:„Ich beschränke mich darauf, unter diesen Herausforderungen die Verteidigung des Lebens des Menschen in all seinen Phasen, den Schutz der Rechte des Menschen und der Familie, den Aufbau einer solidarischen Welt, die Achtung der Schöpfung, den interkulturellen und interreligiösen Dialog zu erwähnen.“

Der Heilige Vater erinnerte an den kommenden 60. Jahrestag der Verabschiedung der Menschrechtserklärung. Dieser Anlass könne für Italien eine willkommene Gelegenheit darstellen, seinen eigenen Beitrag zum Aufbau einer gerechten Ordnung zu leisten, in deren Mittelpunkt stets die Achtung des Menschen, seiner Würde und seiner unveräußerlichen Rechte stehen sollte. Dazu zitierte der Papst aus seiner Botschaft zum Weltfriedenstag 2007: „Diese Erklärung wird wie eine Art von der gesamten Menschheit übernommene moralische Verpflichtung angesehen. Darin liegt eine tiefe Wahrheit, vor allem, wenn als das Fundament der in der Erklärung beschriebenen Rechte nicht nur einfach der Beschluss der Versammlung angesehen wird, die sie approbiert hat, sondern die Natur des Menschen selbst und seine unveräußerliche Würde als einer von Gott erschaffenen Person.

Darum ist es wichtig, dass die internationalen Organe das natürliche Fundament der Menschenrechte nicht aus den Augen verlieren. Das bewahrt sie vor der leider immer latent vorhandenen Gefahr, in eine nur positivistische Interpretation dieser Rechte abzugleiten. Sollte dies geschehen, würde sich herausstellen, dass die internationalen Organe nicht über das nötige Ansehen verfügen, um ihre Rolle als Verteidiger der Grundrechte der Person und der Völker zu entfalten — eine Aufgabe, in der aber die grundsätzliche Rechtfertigung ihres Daseins und ihres Handelns besteht..“

Italien müsse sich als Mitglied des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen unermüdlich für den Frieden und die Verteidigung des Würde des Menschen und all seiner unveräußerlichen Rechte einsetzen; zu diesen Rechten gehöre auch das Recht auf Religionsfreiheit.