"Die Kirche existiert, um zu verkünden, um die Stimme eines Wortes zu sein"

So Papst Franziskus in der heutigen Predigt in Santa Marta

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 403 klicks

Anlässlich der Messe zur Geburt des heiligen Johannes erinnerte der Pontifex die Kirche daran, dass sie dazu berufen sei, das Wort Gottes - wie es der heilige Johannes bis zu seinem Martyrium getan hat - zu verkünden. Sie dürfe nichts für sich nehmen, sondern solle allein dem Evangelium dienen. An der Messe nahmen Kardinal Gianfranco Ravasi und eine Gruppe von Priestern und Mitarbeitern des Päpstlichen Rats für Kultur sowie eine Gruppe von Mitarbeitern der Päpstlichen Kommission für Archäologie teil.

Zu Beginn der Messe anlässlich des Geburtstages des Heiligen Johannes beglückwünschte der Papst zunächst all diejenigen, die eben diesen Namen tragen. Er führte fort, dass die Figur des heiligen Johannes nicht immer einfach zu verstehen sei. Schaue man sich seine Lebensgeschichte an, so sehe man einen Propheten, der als armer Mann ende. Wer sei Johannes denn eigentlich? Die Antwort gebe er selbst, so der Papst. Johannes sage von sich, er sei eine Stimme, eine Stimme in der Wüste. Eine Stimme ohne Worte, denn das Wort selbst sei er. Der Sinn des Lebens des Heiligen Johannes sei gewesen, mit seiner Stimme auf jemand anderen hinzuweisen. Er, der Pontifex, sei berührt davon, dass die Kirche für die Festlichkeiten des heiligen Johannes eine Zeit im Jahr gewählt habe, in der die Tage die längsten seien, die am meisten Licht hätten. Johannes sei ein Mann des Lichtes gewesen, der das Licht gebracht habe, aber nicht das eigene, sondern den Widerschein eines Lichtes.

„Es scheint, als sei Johannes ein Nichts gewesen. Das war seine Berufung: sich zu verneinen. Und wenn wir das Leben dieses Mannes betrachten, dieses starken und mächtigen Mannes – alle dachten, es würde sich um den Messias handeln -, wie es im Dunkeln eines Gefängnisses endet, betrachten wir ein großes Mysterium. Wir wissen nicht, wie die letzten Tage des Johannes waren. Wir wissen nur, dass er umgebracht wurde, sein Kopf auf einem Tablett, wie das Geschenk einer Tänzerin an eine Ehebrecherin. Ich denke, mehr kann man nicht sinken, sich verneinen. Das war das Ende Johannes‘.“

Im Gefängnis sei Johannes von großen Zweifeln geplagt worden, und er habe seine Jünger zu sich gerufen, um sie zu Jesus zu schicken und um ihn zu fragen, ob er derjenige sei, auf den sie warteten. Das sei das Dunkel, der Schmerz über sein Leben gewesen, nicht mal das sei ihm erspart worden. Papst Franziskus fügte hinzu, dass ihn die Figur des Johannes oft an die Kirche erinnere.

„Die Kirche existiert, um zu verkünden, um die Stimme eines Wortes zu sein. Und sie existiert, um dieses Wort bis zum Martyrium zu verkünden. Ein Martyrium, das in den Händen der Hochmütigen liegt. Johannes hätte sich wichtig machen können, hätte etwas von sich behaupten können. Aber er dachte nicht, nur das: Er zeigte, er fühlte sich wie eine Stimme, nicht wie ein Wort. Warum ist Johannes heilig und hat nicht gesündigt? Weil er niemals eine Wahrheit für seine eigene ausgegeben hat. Er wollte kein Ideologe sein. Der Mann, der sich selbst verneint hat, damit das Wort ans Licht kommt. Und wir als Kirche können heute um die Gnade bitten, eine Kirche frei von Ideologien zu werden…“

Eine Kirche ohne eigene Ideologien, ohne eigenes Leben, die das Wort Jesu höre und ihm eine Stimme verleihe, die mutig verkünde, sei eine wahre Kirche, so der Pontifex weiter. Die Kirche, die das „mysterium lunae“ sei, die das Licht bekomme und selber kleiner werden müsse, damit er wachsen könne.

„Das ist das Modell, das uns Johannes heute anbietet, uns und der Kirche. Eine Kirche, die immer im Dienst des Wortes steht. Eine Kirche, die nie etwas für sich nimmt. Heute haben wir im Gebet um die Gnade der Freude gebeten, wir haben den Herrn gebeten, der Kirche im Dienst des Wortes die Freude zu machen, die Stimme des Wortes zu sein, dieses Wort zu predigen. Beten wir, die Gnade Johannes zu erlangen, ohne eigene Ideen, ohne ein Evangelium, dessen wir uns bemächtigt haben, nur als eine Stimme der Kirche, die auf das Wort hinweist und das bis zum Martyrium. So sei es!“