„Die Kirche gibt uns Heimat“: Professor Gindert über den Kongress „Freude am Glauben“ 2007

Interview mit dem Vorsitzenden des Forums Deutscher Katholiken

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MÜNCHEN, 23. August 2007 (ZENIT.org).- Unter dem Motto „Die Kirche – unsere Heimat“ veranstaltet das Forum Deutscher Katholiken vom 5. bis zum 7. Oktober 2007 im neuen Kongresszentrum in Fulda den siebten Kongress „Freude am Glauben“, bei dem nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr wieder ein Jugendprogramm angeboten wird. ZENIT sprach mit Wirtschaftsprofessor Dr. Hubert Gindert, dem Vorsitzenden des Forums, über die Themen und Ziele des Kongresses.



ZENIT: Der diesjährige Kongress „Freude am Glauben“ trägt den Titel: „Die Kirche – unsere Heimat“. Lässt dieses gefühlsbetonte Wort von der Heimat nicht ein wenig an Nostalgie oder gar an einen Abschied von zu Hause denken?

-- Gindert: Das Wort „Heimat“ ist sicher gefühlsbetont. Es soll ausdrücken, dass wir uns der Kirche auch emotional verbunden fühlen, dass wir sie nicht primär als Institution sehen.

Es gibt heute so viele Menschen, die nirgendwo beheimatet sind. Ich denke da nicht nur an Heimatvertriebene in Darfur (Südsudan) oder im Kongo, sondern an die spirituelle Heimatlosigkeit. Auch die vagabundierende Religiosität, von der oft gesprochen wird, ist ein Beispiel dafür.

Die Kirche gibt uns Heimat, weil sie beispielsweise an Ehe und Familie oder am Lebensrecht der Menschen von Anfang des Lebens bis zum natürlichen Ende festhält; auch, weil sie einem übermächtigen Staat, der immer mehr regelt, in ihrer Sozialbotschaft Grenzen setzt. Vor allem aber, weil – wie unser Papst einmal gesagt hat – Christsein ohne Kirche nicht möglich ist.

ZENIT: Wie könnte man in unserer bindungsscheuen Gesellschaft neu zu einer verbindlichen Nachfolge ermutigen?

-- Gindert: Da steht zuerst die Frage, warum die Menschen heute so bindungsscheu sind. Eine Gesellschaft, die Freiheit als obersten Wert, als Freisein von allen Bindungen und Normen propagiert, schwächt die Bindungsfähigkeit, weil diese scheinbar Verzicht auf Freiheit bedeutet. Hinzu kommt, dass die Menschen selbst im intimen Bereich der Familie erleben, wie Bindungen zerbrechen und das Leid von Scheidungswaisen sehen.

Trotzdem sehnen sich viele danach, dass ihre Bindung hält, auch solche, die nur zusammenleben. Gestärkt wird die Bindungsbereitschaft, wenn solche Menschen an anderen erleben, dass lebenslange Treue in der Ehe oder auch bei Priestern und Ordensleuten nicht nur möglich ist, sondern sogar mit Freude gelebt wird. So wird die Nachfolge Christi faszinierend und ansteckend.

ZENIT: Sie werten den Beitrag von verantwortlichen Christen als einen wichtigen Beitrag zur Humanisierung Europas. Welche Akzente müssten auf diesem Feld jetzt unbedingt gesetzt werden?

-- Gindert: Da ist ein verstärkter Einsatz für den Gottesbezug in der Präambel einer Europäischen Verfassung oder in einem ähnlichen Vertragswerk zu nennen, weil hier eine Letztverantwortung vor Gott zum Ausdruck kommt. Ein solcher Gottesbezug schützt Christen, Juden und Muslime, ebenso wie Atheisten, in ihrer Würde und in ihren unveräußerlichen Rechten. Auch der Hinweis auf die christlichen Wurzeln Europas ist in einem solchen Vertragswerk dringend erforderlich. Sonst muss der Eindruck entstehen, dass sich Europa von seiner eigenen Geschichte und von seiner kulturellen Identität verabschiedet und Gott aus dem öffentlichen Leben verbannt werden soll.

ZENIT: Einer der Podien des Kongresses trägt den Titel „Aus Erbfeinden Freunde machen“. Welche Signale wollen sie für die Versöhnung zwischen den Völkern setzten?

-- Gindert: Wir wollen mit diesem Podium an konkreten Beispielen aufzeigen, dass Aussöhnung zwischen Völkern und Menschen, die sich einmal als „Feinde“ gesehen haben, möglich ist, nämlich zwischen Franzosen und Deutschen, Juden und Deutschen und zwischen Polen und Deutschen. In allen diesen Fällen haben gläubige Christen bei der Aussöhnung eine herausragende Rolle gespielt.

Auf dem Balkan haben wir, wie auch anderswo, ungelöste Probleme. Bischof Komarica von Banja Luca im ehemaligen Jugoslawien wird die notwendigen Schritte erläutern, wie auch dort zwischen Katholiken, Orthodoxen und Muslimen Friede und Aussöhnung möglich werden kann.

ZENIT: Der erstmalig gleichzeitig mit dem Kongress „Freude am Glauben“ angebotene Jugendkongress im letzten Jahr war ein großer Erfolg. Was zieht Ihrer Meinung nach die Jugend an?

-- Gindert: Der Erfolg mit dem Jugendprogramm im letzten Jahr hat uns ermutigt, damit weiterzumachen. Ein solches Programm erreicht Jugendliche meines Erachtens dann, wenn die Probleme, die sie bewegen, in ihrer Sprache auf den Tisch kommen. Solche Fragen können sein: Was wird aus mir? Wie finde ich Liebe für mein Leben? Ich will Ich selbst sein. Brauchen wir die Kirche für unser Leben? Glaube und Freude – ein Widerspruch? Ich will die Welt verbessern – aber wie?

In jedem Fall freuen wir uns, dass wir mit dem Kongress „Freude am Glauben“ mit Jugendlichen zusammensein können.