Die Kirche ist eine mutige Mutter, die ihre Kinder zu Jesus führt

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 396 klicks

Die Kirche habe den Mut einer Frau, die ihre Kinder beschützt. So die Worte von Papst Franziskus während der Messe in Santa Marta. Der Pontifex nahm das heutige Evangelium nach Lk 7,11-17 für seine Überlegungen zum Ausgangspunkt, um über den Witwenstand in der Kirche zu sprechen.

Jesus habe die Fähigkeit, uns in unserem Leiden nah zu sein. Im Evangelium habe Jesus für die Witwe in Naim, die auch ihren einzigen Sohn verloren hatte, großes Mitgefühl verspürt. Er habe gewusst, was es bedeute, in der damaligen Zeit eine Witwe zu sein. Papst Franziskus fügte hinzu, der Herr habe eine besondere Liebe für die Witwen, er kümmere sich um sie und pflege sie. Auch die Witwe Naim sei eine Ikone der Kirche, weil auch die Kirche in gewissem Sinne eine Witwe sei.

„Ihr Bräutigam ist gegangen und sie geht im Laufe der Geschichte vorwärts, in der Hoffnung, ihn zu finden, sich mit ihm zu treffen. Und sie wird die Braut sein. Aber in der Zwischenzeit ist sie, die Kirche, allein! Das hat eine gewisse Dimension eines Witwenstandes. Diese mutige Kirche, die ihre Kinder beschützt, wie die Witwe, die zum korrupten Richter geht, um ihr Recht einzufordern, und am Ende gewinnt sie. Unsere Mutter Kirche ist mutig! Sie hat den Mut einer Frau, die weiß, dass ihre Kinder ihre sind, die sie beschützen muss und die sie zur Begegnung mit ihrem Bräutigam bringen muss.“

Der Papst führte einige Witwen in der Bibel an, insbesondere die mutige makabäische Witwe, Mutter von sieben Kindern, die gemartert werden. Die Bibel sage von dieser Frau, sie habe mit ihren Kindern im Dialekt gesprochen. Der Pontifex sagte, auch die Mutter Kirche spreche im Dialekt, in der Sprache „der wahren Orthodoxie, die wir alle verstehen, die Sprache des Katechismus, der uns die Kraft gibt, weiterzumachen im Kampf gegen das Schlechte.“

„Diese Dimension des Witwenstandes der Kirche, die in der Geschichte fortdauert, in der Hoffnung, ihren Bräutigam zu treffen… So ist unsere Mutter Kirche! Eine Kirche, die treu ist und weinen kann. Wenn die Kirche nicht weint, läuft etwas falsch. Sie weint um ihre Kinder und betet! Eine Kirche, die weitermacht und ihre Kinder groß zieht, sie gibt ihnen Kraft und begleitet sie bis zum letzten Abschied, um sie in die Hände ihres Bräutigams zu geben. Das ist unsere Mutter Kirche. Ich sehe sie in dieser Witwe, die weint. Und was sagt der Herr der Kirche? ‚Nicht weinen. Ich bin mit dir, ich begleite dich, ich warte auf dich. Dein Sohn, der tot war, lebt jetzt!“

Dies sei der Dialog, den der Herr mit der Kirche führe, so Papst Franziskus weiter. Sie beschütze die Kinder, aber wenn sie sehe, dass sie tot seien, weine sie, und der Herr sage ihr, er sei mit ihr, und ihr Kind sei mit ihm. So wie Jesus dem Sohn von Naim gesagt habe, er solle von seinem Totenbett aufstehen, befehle er auch uns, aufzustehen. Wenn Jesus den Menschen verzeihe, wenn er ihnen ihr Leben zurückgebe, gebe er die Menschen ihrer Mutter zurück.

„Unsere Versöhnung mit dem Herrn endet nicht in dem Dialog ‚Ich, du und der Priester, der mir die Vergebung gibt‘. Sie endet, wenn er uns an unsere Mutter zurückgibt. Dort endet die Versöhnung, denn es gibt keinen Weg des Lebens, keine Vergebung, keine Versöhnung außerhalb der Mutter Kirche. Ich sehe in dieser Witwe die Ikone des Witwenstandes der Kirche, die auf dem Weg ist, ihren Bräutigam zu treffen. Ich möchte den Herrn um die Gnade bitten, immer vertrauensvoll gegenüber dieser „Mama“ zu sein, die uns beschützt, uns lehrt, uns erzieht und zu uns in unserer Sprache spricht“.