Die Kirche ist keine Hochschule für Religion

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 311 klicks

In seiner Predigt während der heutigen Messe in Santa Marta sagte Papst Franziskus, ein Christ, der kein Zeugnis abgebe, sei unfruchtbar. In Bezug auf das Martyrium des Heiligen Stefans in der heutigen Lesung führte er aus, die Kirche sei keine Hochschule für Religion, sondern ein Volk, das Jesus folge. Nur so sei sie fruchtbar und eine Mutter.

„Martyrium ist die Übersetzung eines griechischen Wortes, das auch Zeugnis bedeutet. Und so können wir sagen, dass die Straße für einen Christen auf den Spuren des Zeugnisses verläuft, auf diesen Spuren Jesu, um von ihm Zeugnis abzulegen. Oft endet dieses Zeugnis damit, dass das Leben geschenkt wird. Man kann einen Christen nicht verstehen, wenn er kein Zeugnis gibt. Wir sind keine Religion, die allein aus Ideen, reiner Theologie, schönen Dingen und Geboten besteht. Nein, wir sind ein Volk, das Jesus Christus folgt und Zeugnis gibt – das ein Zeugnis von Jesus Christus geben will – und manchmal geht dieses Zeugnis mit der Opferung des eigenen Lebens einher.“

Papst Franziskus fuhr fort, ein Kirchenvater habe gesagt, dass das Blut der Märtyrer für die Christen ein Same sei. Mit ihrem Zeugnis würden sie den Glauben predigen.

„Das Zeugnis muss im täglichen Leben gegeben werden, in Schwierigkeiten und unter Verfolgung, bis hin zum Tod; das ist immer fruchtbar. Die Kirche ist fruchtbar und eine Mutter, wenn sie ein Zeugnis von Jesus Christus gibt. Wenn sich die Kirche hingegen in sich selbst verschließt, wird sie – sagen wir so – zu einer ‚Universität für Religion‘, mit vielen schönen Ideen, mit vielen schönen Tempeln, mit vielen schönen Museen, mit vielen schönen Dingen, aber sie gibt kein Zeugnis, sie wird unfruchtbar. Mit dem Christen verhält es sich ebenso. Der Christ, der kein Zeugnis gibt, bleibt unfruchtbar; ohne sien Leben zu geben, das er von Jesus Christus bekommen hat.“

Abschließend sagte Papst Franziskus, in den Momenten, in denen wir den richtigen Weg wählen müssten, gebe es das Gebet an den Heiligen Geist und ihn, der uns stark macht, um auf dem Weg des Zeugnisses zu gehen.

„Und heute fragen wir uns im Angesicht dieser beiden Bilder, dem sterbenden Stefan und den Christen auf der Flucht vor brutaler Verfolgung: Wie ist mein Zeugnis? Bin ich ein Christ, ein Zeuge Jesu, oder bin ich eine einfache Nummer in einer Sekte? Bin ich fruchtbar, weil ich Zeugnis ablege, oder bleibe ich unfruchtbar, weil ich nicht in der Lage bin, zuzulassen, dass der Heilige Geist mich in meiner christlichen Berufung voranbringt?“