"Die Kirche ist keine Nichtregierungsorganisation, sondern eine Geschichte der Liebe"

Predigt von Papst Franziskus am vergangenen Mittwoch, 24. April

Vatikanstadt, (ZENIT.org) Salvatore Cernuzio | 941 klicks

In der morgendlichen Messe in der „Domus Sanctae Marthae“ gibt Papst Franziskus das Beste von sich. Neben den berühmten ausdrucksstarken Sätzen und den charakteristischen Metaphern, die von Journalisten sehr geliebt und oft zitiert werden, wirft der Pontifex einen präzisen Blick darauf, wie die Kirche, deren Oberhaupt er ist, sein und wie sie handeln sollte.

Die Botschaft der Messe an diesem Mittwochmorgen war so klar wie noch nie zuvor: „Die Kirche ist keine Nichtregierungsorganisation“, vielmehr „eine Geschichte der Liebe.“. Es ist wunderlich, dass der Papst diese Worte vor einigen Mitgliedern des „Istituto per le Opere di Religione (IOR)“, der Vatikanbank, aussprach. Zuvor sagte der Pontifex ihnen: „Entschuldigt mich … alles ist notwendig, die Behörden sind erforderlich … Jedoch nur bis zu einem gewissen Punkt: als Hilfe in dieser Geschichte der Liebe.“ „Wenn die Organisation die erste Stelle einnimmt“, so betonte er, „geht die Liebe unter, und die Kirche wird eine Nichtregierungsorganisation. Und das ist nicht der Weg.“

Um eine derartige Äußerung zu erklären, begann der Heilige Vater mit der Lesung des Tages, die von der ersten Vergabe der christlichen Kommunion und der wachsenden Anzahl der Jünger erzählt. Ein positiver Anschein, der – so der Papst – in dem Moment, in welchem man dazu gedrängt wird, „Pakte“ zu schließen, um noch mehr „Partner in diesem Unternehmen“ zu haben, ins Negative umkippe.

Der Weg, den Jesus für seine Kirche gewollt habe, sei jedoch ein anderer, betonte der Heilige Vater: „ein Weg der Schwierigkeiten, ein Weg des Kreuzes, ein Weg der Verfolgungen … Und das lässt uns nachdenken: Was genau ist diese Kirche? Unsere Kirche, die nicht wie ein menschliches Unternehmen scheint.“

„Es sind nicht die Jünger, die die Kirche ausmachen“, fügte er hinzu. „Diese sind die Gesandten, von Jesus.“ Eigentlich beginne die Idee der Kirche „im Herzen des Vaters“: „Ich weiß nicht ob der Vater eine Idee hatte“, so der Papst, „der Vater empfand viel Liebe und begann diese Geschichte der Liebe lange Zeit zuvor, und sie ist immer noch nicht zu Ende.“

„Wir, Frauen und Männer der Kirche“, führte er fort, „befinden uns in der Mitte einer Geschichte der Liebe: Jeder von uns ist ein Glied in dieser Kette der Liebe. Und wenn wir dies nicht verstehen, verstehen wir nicht, was die Kirche wirklich ist.“

Der einzige Weg, den die Kirche gehen und durch den sie sich stärken könne, sei der Weg der Liebe. Dieser „wächst nicht mit menschlicher Kraft“: Das sei ein Fehler von vielen Christen im Verlauf der letzten Jahrhunderte gewesen: „Sie haben sich in geschichtlichen Umständen geirrt, haben den Weg verfehlt, bildeten eine Armee aus, führten Glaubenskriege.“ Auch heute „lernen wir an unseren Fehlern, wie die Geschichte der Liebe funktioniert.“ Eine Geschichte, die „wie der Same des Senfes, wie die Hefe im Mehl, lautlos, wächst“, so habe es bereits Jesus Christus gesagt.

Demnach wachse die Kirche „langsam, aus dem Tiefen“, betonte der Heilige Vater, und wenn sie „mit ihrer Größe prahlen möchte, Organisatorisches und Amtliches macht und ein wenig bürokratisch wird, verliert die Kirche ihre hauptsächliche Substanz und gerät in die Gefahr, sich in eine Nichtregierungsorganisation zu verwandeln. Und die Kirche ist keine Nichtregierungsorganisation…“

Was genau also sei die Kirche? „Sie ist wie eine Mutter“,behauptete stellte Papst Franziskus fest: “Es sind viele Mütter in dieser Messe anwesend. Was würdet ihr antworten, wenn jemand fragt: ‚Sind Sie die Organisatorin ihres Hauses?‘ ‚Nein: ich bin die Mutter!‘

Die Kirche sei somit keine Organisation, so wiederholte er, sie entstehe nicht „mit dem Militär“, sondern mit der Kraft des Heiligen Geistes. Und wir, fügte er hinzu, „alle zusammen sind eine Familie in der Kirche, die unsere Mutter ist.“ So wie jeden Tag am Ende der Messe, betet Papst Franziskus zu Maria, der Mutter Gottes und zur Mutter der Menschen, da sie „uns die Gnade der Freude erlangt, die geistliche Freude, diesen Weg der Liebe zu gehen.“