Die Kirche kann zur menschenwürdigeren Gestaltung der Globalisierung beitragen, sagt Kardinal Martino

Ansprache vor einem internationalen Kongress über Leo XIII.

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VATIKAN, 9. Dezember 2003 (ZENIT.org).- Ein hoher Vertreter des Vatikans hat gesagt, dass die katholische Kirche viel dazu beitragen könne, der Globalisierung einen tieferen Sinn zu verleihen und sie im Dienst und zum Nutzen der Menschheit zu verwenden.



Kardinal Renato Martino, Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden, stellte diese Betrachtungen über „Die Lehre der Kirche zur Globalisierung“ auf dem Kongress über Papst Leo XIII. an, der in Rom vom vatikanischen Staatssekretariat veranstaltet wurde. Die zweitägige Konferenz endete am Samstag.

Der Kardinal sprach auch von der dringenden Notwendigkeit, die Solidarität zu globalisieren, und dabei fortschreitende Einigung über einen „gemeinsamen Moralkodex“ zu erlangen.

„Das bedeutet nicht, dass ein dominierendes sozioökonomisches System oder eine Kultur ihre eigenen Werte und Kriterien der Ethik aufoktroyiert“, meinte er weiter. „Es ist vielmehr die Person des Menschen selbst, seine universelle von Gott geformte Menschlichkeit, in der wir nach den Normen unseres gesellschaftlichen Lebens suchen müssen.“

Diese Suche ist unerlässlich, wenn wir sicherstellen wollen, dass Globalisierung nicht einfach nur ein anderes Wort für die völlige Relativierung von Werten und die Homogenisierung von Lebensstilen und Kulturen ist“, unterstrich Kardinal Martino.

„ Die Kirche begleitet die Menschheit in der Entdeckung des menschlichen Aspekts der Globalisierung“, fügte er hinzu. „Sie tut dies, indem sie sicherstellt, dass wir hinter dem Problem der Patente für genetisch modifizierte Organismen das Gesicht der afrikanischen Bauern sehen; hinter den Zahlenlisten auf einem Bildschirm die Kleinsparer in den Entwicklungsländern; hinter Satelliten und Glasfaserkabeln die vielen jungen Menschen in armen Ländern, die in den neuen Technologien ausgebildet werden könnten; hinter den ausgeklügelten Systemen der „New Economy“ die Unternehmen als Gemeinschaft von Menschen und hinter flexiblen Arbeitszeiten arbeitende Familien.“

Er fügte hinzu: „Dies ist der christliche Standpunkt für eine steuerbare Globalisierung.“