Die Kirche, Sprachrohr der Stimmlosen: Kardinal George schreibt Barack Obama

„Wir werden beständig das Grundrecht auf Leben verteidigen“

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WASHINGTON, D.C., 20. Januar 2009 (ZENIT.org).- Den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod nennt Kardinal Francis George, Erzbischof von Chicago und Vorsitzender der US-Bischofskonferenz, in einem Brief an US-Präsident Barack Obama als zentrales Anliegen der katholischen Kirche. Obama trat am Dienstag sein Amt als Präsident der Vereinigten Staaten an.

„Ganz besonders werden wir das Leben der verletzlichsten und stimmlosen Mitglieder der Menschheitsfamilie beschützen, allen voran der ungeborenen Kinder und derjenigen, die behindert oder unheilbar krank sind", betont der Kardinal in seinem Schreiben. „Wir werden uns gegen gesetzliche oder andere Maßnahmen stellen, die Abtreibung ausweiten. Wir werden daran arbeiten, eine wesentliche und breit unterstützte Politik zu erhalten, die Respekt vor dem ungeborenen Leben zeigt, die Gewissensrechte des Gesundheitspersonals und anderer Amerikaner schützt und die verhindert, dass die Regierung Abtreibung finanziell fördert und vorantreibt."

Dieser Passus bezieht sich auf einen entsprechenden Gesetzesvorschlag. Barack Obama hatte wenige Wochen vor seiner Wahl vor Abtreibungslobbyisten des „Planned Parenthood Action Fund" erklärt: „Die erste Sache, die ich als Präsident machen werde, ist es, den ‚Freedom of Choice Act' zu unterzeichnen." Der „Freedom of Choice Act" ist ein Gesetzentwurf, der die Regelungen einzelner Bundesstaaten zur rechtlichen Beschränkung von Abtreibungen aushebeln soll. Jedes Krankenhaus und jede Klinik wäre dazu verpflichtet, dem Klienten eine Abtreibung zu ermöglichen.

Demgegenüber betont Kardinal Francis George: „Bemühungen, Amerikaner zu zwingen, Abtreibungen mit ihrem Steuergeld zu finanzieren, würden ein ernsthaftes moralisches Problem bringen und das Durchgehen wesentlicher Gesundheitsreformen aufs Spiel setzen." Eine Gesundheitsreform müsse jedes Leben „einschließlich ungeborenes Leben" schützen sowie die moralischen und religiösen Überzeugungen von Gesundheitspersonal und Patienten respektieren. Der Kampf gegen HIV sollte auf „wirksame und moralisch angemessene Weise" fortgesetzt werden.

Weitere politische Prioritäten aus Sicht der US-Bischofskonferenz betreffen die gesetzlich verankerte Ehe zwischen Mann und Frau sowie die Wirtschaftskrise. Die Ehe ist, wie Kardinal George in dem Brief bekräftigt, eine „treue, exklusive, lebenslange Verbindung von einem Mann und einer Frau und muss vor dem Gesetz eine solche bleiben". Die Wiederherstellung der Wirtschaft müsse alle Teile der Gesellschaft umfassen. Mehrfach hebt der Kardinal das Wohl der ärmsten Bevölkerungsschichten hervor, denen die besondere Sorge der Kirche gelte. Außerdem weist George darauf hin, dass sich die Bischöfe als Hirten und Lehrer an die Öffentlichkeit wenden wollten, und zwar gemäß der moralischen Prinzipien, die aus der Erfahrung der Sorge um Menschen in Not entwickelt worden seien.

[Den vollständigen Brief finden Sie auf bei ZENIT Englisch]