„Die Kirche will Muslimen die Hand ausstrecken“

Erste Pressestimmen zum Abschluss der Pilgerreise des Papstes

| 1053 klicks

ROM, 15. Mai 2009 (ZENIT.org).- „Fünfzehn Sekunden, die alles veränderten“: Papst Benedikt XVI. Hand in Hand mit Religionsführern in Nazareth, alle miteinander vereint im betenden Gesang; ein lächelnder Heiliger Vater. Für die französische Tageszeitung Le Figaro ist dies „das Bild, das die Pilgerreise zusammenfasst“, wie die Schlagzeile sagt.

„Versöhnung, gegenseitiges Verständnis und die wiederholte Forderung nach einer Zweistaatenlösung: diese Themen sind eine Woche lang durchgehend immer wieder von Papst Benedikt XVI. zu hören gewesen. Mehrere Male hat er sein Mitgefühl für die Opfer der Nazis ausgesprochen. Öfters hat er auch von Versöhnung zwischen Juden, Christen und Muslimen gesprochen“, hieß es im Österreichischen Rundfunk.

„Drei Jahre nach seiner umstrittenen Regensburg-Rede hat Papst Benedikt XVI. seine Nahost-Reise genutzt, um sein Image als unerbittlicher Feind des Islam abzuschütteln“, bestätigte heute die Basler Zeitung. „Geistliche verschiedener Religionen bescheinigen Papst Benedikt XVI. guten Willen im Umgang mit Muslimen. ‚Er ist ein Papst mit Lernvermögen’, sagte ein islamischer Geistlicher. Das Oberhaupt der katholischen Kirche habe einen neuen Ton getroffen und für seine Reden klassisch islamische Begriffe sowie neue Argumente gewählt, sagen Experten. Diese Veränderung finde bei Muslimen Nachhall und vereinfache die Suche nach den Gemeinsamkeiten zwischen den beiden größten Weltreligionen.

Durch den Gebrauch islamischer Terminologie habe Benedikt aufgezeigt, welchen Weg seine Kirche gehen wolle, sagte Imam Yahya Hendi, muslimischer Geistlicher an der Katholischen Universität in Washington. ‚Die Kirche will Muslimen die Hand ausstrecken’“.

Als „Weltführer im Weltinteresse“ sah die Süddeutsche den Pilger aus Rom. „Im Heiligen Land hat Benedikt vor allem das Gespräch mit dem Islam vorangebracht“, würdigt ein Kommentar von Stefan Ulrich. „Dabei halfen ihm seine jordanischen Gastgeber, die allen Islamophoben im Westen bewiesen: Es gibt ihn, den moderaten, toleranten, auf Zusammenarbeit setzenden Islam. Auch der couragierte Einsatz des Papstes für die Rechte der Palästinenser wird das Verhältnis zwischen Christen und Muslimen verbessern. Das ist ein Erfolg dieser hochpolitischen Pilgerfahrt, von dem nicht nur die Kirche profitiert. Benedikt handelte als geistiger Weltführer - im Weltinteresse“, so die SZ.