Die Kirche, „Zeichen und Werkzeug der Gemeinschaft für die ganze Menschheitsfamilie“

Benedikt XVI. ruft zur Überwindung von Rassismus, Intoleranz und Ausgrenzung auf

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ROM, 18. August 2008 (ZENIT.org).- Wir veröffentlichen die Ansprache, die Papst Benedikt XVI. am gestrigen Sonntag in Castel Gandolfo gehalten hat.

Der Heilige Vater warnte vor der Gefahr des Rassismus. Die Sendung der Kirche sei universal, was Ausgrenzung und Diskriminierung ausschließe. Gleichzeitig appellierte der Papst an das Gewissen der Autofahrer, um menschenunwürdige Unfälle zu verhindern.

Nach dem Angelus-Gebet rief der Bischof von Rom zur Beilegung der Kämpfe in Georgien auf. Anschließend gedachte er des verstorbenen Bischofs von Brixen-Bozen, Dr. Wilhelm Egger.

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Liebe Brüder und Schwestern!

Am heutigen 20. Sonntag im Jahreskreis legt uns die Liturgie die Worte des Propheten Jesajas zum Nachdenken vor: „Die Fremden, die sich dem Herrn angeschlossen haben, die ihm dienen…, sie bringe ich zu meinem heiligen Berg und erfülle sie in meinem Bethaus mit Freude... Denn mein Haus wird ein Haus des Gebetes für alle Völker genannt“ (Jes 56,6-7). Auf die Universalität des Heils bezieht sich auch der Apostel Paulus in der zweiten Lesung, ebenso wie der Abschnitt aus dem Evangelium, der die Begebenheit der kanaanäischen Frau wiedergibt, einer, die für die Juden eine Fremde ist und von Jesus aufgrund ihres großen Glaubens erhört wird. Das Wort Gottes gibt uns so Gelegenheit, über die Universalität der Sendung der Kirche nachzudenken, die aus Völkern aller Rassen und Kulturen gebildet ist. Gerade dem entspringt die große Verantwortung der kirchlichen Gemeinschaft, die dazu berufen ist, für alle ein gastliches Haus zu sein, Zeichen und Werkzeug der Gemeinschaft für die ganze Menschheitsfamilie.

Wie wichtig ist es vor allem für unsere Zeit, dass jede christliche Gemeinschaft immer mehr dieses Bewusstsein vertieft, um auch der Zivilgesellschaft zu helfen, jegliche Versuchung des Rassismus, der Intoleranz und der Ausgrenzung zu überwinden und sich mit Entscheidungen zu organisieren, die die Würde eines jeden Menschen achten! Eine der großen Errungenschaften der Menschheit besteht in der Tat gerade in der Überwindung des Rassismus. Leider aber sind hiervon in verschiedenen Ländern neue besorgniserregende Anzeichen festzustellen, die oft mit sozialen und wirtschaftlichen Problemen verbunden sind, welche trotz allem nie die Verachtung und Diskriminierung aufgrund der Rasse rechtfertigen können. Bitten wir darum, dass überall die Achtung für jeden Menschen wachse - verbunden mit dem verantwortlichen Bewusstsein, dass es nur durch die gegenseitige Annahme aller möglich ist, eine Welt zu bauen, die sich durch echte Gerechtigkeit und wahren Frieden auszeichnet.

Ich möchte heute angesichts der Nachrichten über zahlreiche und schwere Verkehrsunfälle, die uns besonders in dieser Zeit erreichen, ein weiteres Gebetsanliegen vorbringen. Wir dürfen uns nicht an diese traurige Wirklichkeit gewöhnen! Denn zu wertvoll ist das Gut des menschlichen Lebens, und zu menschenunwürdig ist es, durch Ursachen zu sterben oder invalide zu werden, die zu einem großen Teil verhindert werden könnten. Gewiss bedarf es eines höheren Verantwortungssinnes - vor allem seitens der Autofahrer, da die Unfälle oft durch überhöhte Geschwindigkeit und unachtsames Verhalten verursacht werden. Mit einem Fahrzeug auf den öffentlichen Straßen unterwegs zu sein, erfordert Sinn für Moral und Bürgersinn. Zur Förderung des Letzteren ist die Arbeit der Vorbeugung, der Überwachung und der Einschränkung seitens der zuständigen Obrigkeiten unverzichtbar. Als Kirche fühlen wir uns dagegen direkt auf der Ebene der Ethik angesprochen: Die Christen müssen vor allem anderen eine persönliche Gewissenserforschung hinsichtlich ihres Verhaltens am Steuer machen; darüber hinaus sollen die Gemeinschaften alle dazu erziehen, auch das Autofahren als einen Bereich anzusehen, innerhalb dessen das Leben zu verteidigen und konkret die Nächstenliebe zu üben ist.

Empfehlen wir die sozialen Fragen, die ich in Erinnerung gerufen habe, der mütterlichen Fürsprache Mariens an, die wir jetzt im Gebet des Angelus gemeinsam anrufen.

[Nach dem Angelus formulierte Benedikt XVI. einen dringlichen Appell zugunsten der Beilegung des Konfliktes in Georgien. Gleichzeitig betete der Papst für die Kriegsopfer. Er rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, die Friedensbemühungen weiter zu unterstützen]

Ich verfolge weiterhin aufmerksam und besorgt die Situation in Georgien, und ich fühle mich insbesondere den Opfern des Konfliktes nahe. Während ich ein besonderes Gebet für die Verstorbenen erhebe und den Trauernden mein aufrichtiges Beileid zum Ausdruck bringe, appelliere ich, dass die schweren Leiden der Flüchtlinge, vor allem der Frauen und Kinder, denen es sogar am Notwenigsten zum Überleben fehlt, großherzig gelindert werden mögen.

Ich fordere ohne weitere Verzögerung die Öffnung humanitärer Korridore zwischen der Region Südossetien und dem übrigen Georgien, damit den noch zurückgelassenen Toten eine würdige Bestattung zuteil werden kann, die Verletzten angemessen versorgt werden und diejenigen, die es wünschen, wieder mit ihren lieben Angehörigen zusammenkommen können. Darüber hinaus sollen den ethnischen Minderheiten, die in den Konflikt verwickelt sind, Unversehrtheit und jene grundlegenden Rechte garantiert werden, die niemals mit Füßen getreten werden dürfen.

Schließlich hoffe ich, dass der derzeitige Waffenstillstand, der dank des Beitrags der Europäischen Union zustande gekommen ist, sich konsolidieren und zu einem stabilen Frieden werden kann. Ich fordere die internationale Gemeinschaft dazu auf, weiterhin ihre Unterstützung anzubieten, um durch den Dialog und den gemeinsamen guten Willen zu einer dauerhaften Lösung zu gelangen.

[Der Heilige Vater gedachte anschließend des am Samstagabend unerwartet an einem Herzinfarkt verstorbenen Bischofs von Bozen und Brixen, Dr. Wilhelm Emil Egger OFMCap:]


Tief bewegt habe ich die Nachricht vom plötzlichen Ableben des Bischofs von Bozen-Brixen, Seiner Exzellenz Wilhelm Emil Egger, erhalten. Vor wenigen Tagen habe ich ihn bei scheinbar guter Gesundheit zurückgelassen. Nichts hat an ein so plötzliches Hinscheiden denken lassen. Ich schließe mich der Trauer der Verwandtschaft und der ganzen Diözese an, in der er für sein Engagement und seine Hingabe geschätzt und geliebt wurde.

Während ich an den Herrn ein inniges Gebet für diesen seinen guten und treuen Diener richte, übersende ich seinem Bruder und Kapuziner, den Verwandten sowie allen Priestern, Ordensmännern, Ordensfrauen und Gläubigen der Diözese Bozen-Brixen einen besonderen tröstenden Apostolischen Segen.

[Die deutschsprachigen Pilger in Castel Gandolfo begrüßte Benedikt XVI. mit folgenden Worten:]


Ein herzliches „Grüß Gott“ sage ich euch allen, liebe Freunde aus den Ländern deutscher Sprache. Das Evangelium des heutigen Sonntags berichtet uns von einer Frau, die nicht zum jüdischen Volk gehört, aber Jesus beharrlich um die Heilung ihrer Tochter bittet. Und ihr Gebet wird erhört. Die Begebenheit zeigt uns: Im tiefen Vertrauen berührt der Mensch Gott und Gott den Menschen. Lassen wir uns von Gottes Liebe anrühren und seien wir Botschafter seines Erbarmens unter den Menschen! – Der Herr segne eure Urlaubszeit und begleite euch auf euren Wegen.

[ZENIT-Übersetzung des italienischen Orginals; © Copyright 2008 – Libreria Editrice Vaticana]