Die Kirchenväter, fester Bezugspunkt für alle Theologen: Benedikt XVI. würdigt Johannes Chrysostomus

Papstbotschaft zum 1600. Todestag des heiligen Kirchenvaters

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ROM, 8. November 2007 (ZENIT.org).- Anlässlich des 1600-jährigen Gedächtnisses des Todes des heiligen Johannes Chrysostomus wurde heute, Donnerstag, eine Botschaft Papst Benedikts XVI. veröffentlicht. Mit diesem Schreiben, das am 10. August 2007 in Castel Gandolfo unterzeichnet wurde, wendet sich der Papst an alle Bischöfe, Priester und Gläubigen. Benedikt XVI. stellt darin die große Gestalt des Kirchenlehrers Johannes vor und beschäftigt sich ausführlich mit dessen Leben und Dienst sowie mit dessen Lehramt.



Das päpstliche Schreiben wurde im Rahmen der Eröffnung des Kongresses des patristischen Instituts „Augustinianum“ über Johannes Chrysostomus („Chrysostomika II“, 8.-10. November 2007) vorgestellt. Der umfangreiche italienische Originaltext wird in zwei Wochen in der offiziellen deutschen Übersetzung vorliegen.

Benedikt XVI. hatte bereits die Generalaudienzen am 19. und am 26. September 2007 dem großen Heiligen des Westens und Ostens gewidmet. Die neue Vorstellung des Lebens, Wirkens und Werks des Heiligen ist somit Frucht der intensiven Auseinandersetzung des Papstes mit Johannes.

Nach seinen Erläuterungen zu Leben und zu Lehramt des Predigers erinnert Benedikt XVI. im Schlusswort an die Worte seines Vorgängers Johannes Paul II. Dieser hatte zu einem anderen großen Kirchenvater – dem heiligen Basilius – geschrieben: Jedes Mal, wenn „wir diesen unseren Vätern begegnen, werden wir durch sie im Glauben gestärkt und in der Hoffnung ermutigt“ (Patres Ecclesiae 1, 2. Januar 1980).

Der 1600. Jahrestag des Todes des heiligen Johannes Chrysostomus biete somit eine sehr günstige Gelegenheit, um die Forschungen über ihn zu intensiveren, seine Lehren wiederzuentdecken und seine Frömmigkeit zu verbreiten. Der Heilige Vater bringt in diesem Zusammenhang seinen „brennenden Wunsch“ zum Ausdruck, dass die Kirchenväter, „in deren Stimme die beständige christliche Tradition erklingt“ (vgl. Generalaudienz vom 9. November 2005), immer mehr zu einem festen Bezugspunkt für alle Theologen der Kirche werden mögen.

„Zu ihnen zurückzukehren bedeutet, auf die Quellen der christlichen Erfahrung zurückzugreifen, um deren Frische und Echtheit zu kosten. Welch besseren Wunsch könnte ich also an die Theologen richten, wenn nicht den nach einem erneuerten Einsatz für die Wiedererlangung des Weisheitserbes der heiligen Väter?“ Das werde die Betrachtungen, die die Theologen auch über die Probleme unserer heutigen Zeit anstellen, sehr bereichern.

Im dritten Abschnitt seiner Abhandlung über das Lehramt des heiligen Johannes Chrysostomus führt Papst Benedikt XVI. in besonderer Weise dessen außerordentlichen Einsatz für die Förderung der Aussöhnung und der vollen Gemeinschaft der Christen des Ostens und des Westens an. Der Heilige Vater erwähnt insbesondere seinen entscheidenden Beitrag zur Beilegung des Schismas zwischen der Kirche von Antiochien und der Kirche von Rom und den anderen westlichen Kirchen.

„Sowohl in Antiochien als auch in Konstantinopel sprach Johannes leidenschaftlich von der Einheit der über die Welt verstreuten Kirche“, so der Papst. Für Johannes sei die Einheit der Kirche in Christus gegründet, im göttlichen Logos, „der sich durch seine Fleischwerdung mit der Kirche vereinigt hat wie das Haupt mit seinem Leib“. Christus verbinde nach der Lehre des Johannes alle Glieder seiner Kirche mit sich selbst und untereinander. „Unser Glaube an Christus verlangt es, dass wir uns für eine effektive sakramentale Einheit unter den Gliedern der Kirche einsetzen und allen Trennungen ein Ende setzen“, bekräftigte Benedikt XVI.

Johannes, so der Papst weiter, erblicke in der Eucharistie das besondere Zeugnis für die kirchliche Einheit, die sich in Christus verwirkliche. „Der Glaube des Chrysostomus an das Geheimnis der Liebe, das die Gläubigen an Christus und untereinander bindet, führte ihn dazu, eine tiefe Verehrung für die Eucharistie an den Tag zu legen; eine Verehrung, die er insbesondere in der Feier der Göttliche Liturgie nährte.“ Der Papst erinnert diesbezüglich daran, dass eine der reichsten Ausdrucksformen der östlichen Liturgie seinen Namen trägt: „Die Göttliche Liturgie des Heiligen Johannes Chrysostomus“.

Johannes habe mit großem Tiefgang seine Überlegungen über die Wirkung der sakramentalen Gemeinschaft der Gläubigen weiterentwickelt. Diese „Heilige Gemeinschaft“ müsse die Buße für die Sünden und den Dank für das von Christus für unser Heil vollbrachte Opfer einschließen. Johannes habe dann aus der Betrachtung des Geheimnisses moralische Konsequenzen gezogen, in die er seine Zuhörer mit einbeziehen wollte. Er habe sie daran erinnert, „dass sie die Gemeinschaft mit dem Leib und dem Blut Christi dazu verpflichtet, die Armen und Hungernden, die unter ihnen leben, materiell zu unterstützen“. Der Tisch des Herrn sollte der Ort sein, wo die Gläubigen den Armen und Bedürftigen, den sie vielleicht vorher ignoriert haben, anerkennen und aufnehmen.

Johannes Chrysostomus ermahnt nach Worten Benedikts XVI. „die Gläubigen aller Zeiten, jenseits des Altares zu blicken, auf dem das eucharistische Opfer dargebracht wird, und auf Christus in der Person des Armen zu schauen und dabei daran zu denken, dass sie dank der Hilfe, den sie den Armen erweisen, auf dem Altar Christi ein Gott gefälliges Opfer darbringen können“.