Die Lage der Christen im Irak verschlechtert sich: Erzbischof Sako von Kirkuk bezeichnet Bagdad als "Gefängnis"

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BAGDAD, 24. August 2006 (ZENIT.org).- Für Christen sei die irakische Hauptstadt Bagdad derzeit wie "ein Gefängnis", aus dem die Leute auszubrechen suchten: Mit diesen Worten schilderte Erzbischof Louis Sako von Kirkuk (Nordirak) kürzlich die verzweifelte Lage der christlichen Gemeinde seit der gewaltsamen Entführung des 34-jährigen chaldäischen Priesters Saad Sirop Hanna am 15. August. Die Entführer fordern Lösegeld in der Höhe von 1 Million Dollar.



Wie Papst Benedikt XVI. am Sonntag beim Angelus-Gebet, so appellierte auch Erzbischof Sako im irakischen Fernsehen an die Entführer, den gefangenen Priester umgehend freizulassen. Bereits in der vergangenen Woche war der Erzbischof von Bagdad, Patriarch Emmanuel III. Delly, mit dem irakischen Premierminister zusammengekommen, um über die Befreiung des Geistlichen zu beraten.

"Die Christen leben in Angst und Schrecken, sie fürchten sich vor weiteren Anschlägen auf ihre Priester und Kirchen", sagte Erzbischof Sako nach seinem Fernsehauftritt gegenüber Kirche in Not. "Die Entführung eines Priesters wird von der christlichen Gemeinde als etwas sehr Ernstes betrachtet, denn der Priester ist für sie ein höchst wichtiges religiöses Symbol." In der Vergangenheit habe es immer wieder Übergriffe gegen Priester gegeben. Die Hilfsorganisation "Kirche in Not" verzeichnet generell eine zunehmende Verschlechterung der Situation der Christen im Irak.

Am vergangenen Sonntag nahmen in der irakischen Hauptstadt aus Angst vor Terroranschlägen nur wenige Gläubige an der Heiligen Messe teil. Hunderttausende Schiiten, die mit einer Wallfahrt durch die Straßen der Stadt feierlich den Todestag von Imam Mussa begingen,wurden von Heckenschützen überrascht: Nach Angaben des irakischen Innenministeriums wurden mindestens 17 Menschen getötet, mehr als 250 Menschen verletzt. Im vergangenen Jahr waren während derselben Feierlichkeiten rund 1.000 Menschen ums Leben gekommen. Die Angst vor einem angeblich bevorstehenden Selbstmordanschlag hatte unter den Pilgern Panik ausgelöst und eine Brücke zum Einsturz gebracht.