Die „Lectio divina“, GPS und Kompass für das Leben

Webseite fördert Verbreitung des betrachtenden Lesens der Heiligen Schrift

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ROM, 20. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Die Bibel ist nach Worten von Ricardo Grozna, katholischer Berater der „United Biblical Societies“ (Vereinten Bibelgesellschaften), ein „geistliches GPS“ und ein „Kompass für das Leben“.



Mit Blick auf die Webseite www.lectionautas.com, die in die „Lectio divina“ bietet, das betrachtende Lesen der Heiligen Schrift, einführen will und bereits 50.000 Nutzer zählt, erklärte Grozna gegenüber ZENIT, was er mit dem Wort vom Globalen Positionierungssystem verdeutlichen wolle: Es gehe darum, im Wort Gottes „einen Satellit zu sehen, der uns sagt, wo wir uns befinden – wie ein Kompass, der uns den Weg anzeigt, den wir folgen sollen.“

Kardinal Oscar Rodríguez Maradiaga, internationaler Caritas-Präsident und Erzbischof von Tegucigalpa (Honduras), habe die „Lectio divina“ als ein GPS bezeichnet, und der Heilige Vater habe die Bibel einen „Kompass für das Leben“ genannt.

Die Heilige Schrift „ist ein Buch, das mein Leben interpretiert. Die Bibel ist wie ein Spiegel, der mir hilft. Sie lehrt mich, einen Weg zu suchen“, fügte Grozna hinzu. „Jahrelang hat Papst Johannes Paul II. und danach auch Papst Benedikt XVI. darauf bestanden, dass die ‚Lectio divina‘, eine Methode monastischen Gebetes, alle Christen erreichen müsse.“

Das Programm der „Lectio divina“ im Internet bietet Texte und MP3-Dateien. Die Nutzer sind vorwiegend Jugendliche, die die Audiodateien auf ihre Handys herunterladen. Grozna erläuterte, dass das Programm darauf abziele, junge Menschen zu trainieren, damit diese wiederum andere Jugendliche anleiten, die Bibel zu lesen.

„Die Kirche gibt allen Programmen, die das Lesen der Bibel fördern, den Vorrang“, führte Grozna aus und bezog sich besonders auf seine Erfahrungen in Lateinamerika. „Die Katholiken haben sich etwas Zeit gelassen, die Bibel wiederzuentdecken, aber in der Kirche hat sie immer ihren Platz gehabt. Es ist nicht so, dass ich die Bibel lese; vielmehr liest die Bibel mich.“

Grozna berichtete vom Erfolg der Webseite, der sich in Hunderten von E-Mails zeige, in denen Jugendliche erzählten, „wie sie ihr Leben verändern, indem sie dem betenden Lesen folgen“.

Die Methode habe auch einen ökumenischen Aspekt: „Die ‚Lectio divina‘ stellt einen Punkt dar, der den Dialog mit anderen christlichen Brüdern weiterbringt.“ Sie diene auch dem Apostolat: „In einigen Ländern verwenden die Jugendlichen in den Gemeinden die Methode der ‚Lectio divina‘, um Jugendliche am Rand der Gesellschaft zu erreichen; jene, die in sehr armen Vierteln leben, die den Drogen, der Gewalt und den Gangs zum Opfer gefallen sind.“

Webmaster Hugo Flores stellte das Projekt der „Lectionautas“ vor kurzem in Rom vor. Er betonte gegenüber ZENIT, dass das Programm bei Theologen und Bibelwissenschaftlern großen Anklang gefunden habe.

„Sie haben erkannt, dass die ‚Lectio divina‘ ihnen helfen kann zu evangelisieren und das Wort Gottes zu mehr Menschen zu tragen.“ Kardinäle, Bischöfe und Priester seien von dieser neuen Form der Evangelisierung durch das Internet „begeistert“.

[Von Miriam Díez i Bosch; Übertragung ins Deutsche durch Marta Valle]