Die Leiter des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe erklimmen

Papst Benedikt XVI.: Katechese über den heiligen Johannes Climacus

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ROM, 11. Februar 2009 (ZENIT.org).- Nach dem zwanzigteiligen Katechesenzyklus über Gestalt und Lehre des Völkerapostels Paulus kehrte Papst Benedikt XVI. heute während der Generalaudienz wieder zur Vorstellung bedeutender Kirchenschriftsteller zurück.



Vor den Pilgern und Besuchern, die die Audienzhalle Pauls VI. zum Bersten brachten, sprach der Heilige Vater über den Mönch Johannes Climacus, der im sechsten Jahrhundert als Eremit und Abt des Klosters auf dem Berg Sinai im Heiligen Land lebte. Seine Lebenszeit wird gewöhnlich in die Jahre von 575 bis 650 datiert. Seinen Namen verdankt er seiner Schrift „Die Leiter“ (klimax, scala paradisi). Das Wenige, was von diesem Heiligen bekannt ist, wurde von zwei seiner Zeitgenossen überliefert, einem namentlich nicht bekannten Mönch von Sinai und Daniel von Raithu, einem Ordensmann aus einem Kloster am Roten Meer.

Glaube Hoffnung und Liebe sowie das Ziel des geistlichen Weges, dessen Ausgangs- und Anfangspunkt: Sie sind nach Worten Benedikts XVI. Geschenk Gottes und „einfach“, also nicht nur „moralische Helden“ zugänglich. Sie bilden eine wahre Leiter, um zu Gott zu gelangen.

Mit diesen Worten führte Benedikt XVI. in die Schriften und Anliegen des Mönchs Johannes Climacus ein und kehrte somit zur Vorstellung der „größten Schriftsteller des Mittelalters, des Abendlandes und der Morgenlandes“ zurück.

Johannes Climacus habe sich als 16-jähriger Jugendlicher in das Kloster auf dem Berg Sinai begeben, dort seine geistlichen Erfahrungen gemacht und davon erzählt. Vier Jahre habe der Novize damit zugebracht, sich zu prüfen und unterweisen zu lassen. Hierauf habe er sich in einen vom Kloster nicht weit entlegenen einsamen Ort namens Thola zurückgezogen. Benedikt XVI. betonte in diesem Zusammenhang, dass es sich nicht um eine „Flucht aus der Welt“ gehandelt habe. Johannes habe anschließend einige Klöster besucht, und sei dann zum Abt des großen Klosters auf dem Sinai gewählt worden, das er einige Jahre vor seinem Tod verließ, „aus Heimweh nach dem Eremiten-Leben“.

Sein Werk „Die Leiter“ ist, so der Papst, eine „vollständige Abhandlung über das geistliche Leben“. Es beschreibe den Weg des Mönches, angefangen beim Verzicht auf die Welt bis hin zur Vollkommenheit der Liebe zu Gott. Das Werk gliedere sich in 30 Schritte, von denen jeder mit dem nachfolgenden in Verbindung stehe. Es könne in drei Teile geteilt werden.

Im ersten Teil wird nach Worten des Papstes der „Bruch mit der Welt“ zum Ausdruck gebracht, um zur wahren evangeliumsgemäßen Kindheit, zu einem Dasein wie das der Kinder zurückzukehren, von denen Jesus spricht. Die Säulen dieses Weges seien „Unschuld, Fasten und Keuschheit“. Alle „Neugeborenen in Christus“ lernten, dass sie so Gott begegneten.

Der zweite Teil des Weges besteht „im geistlichen Kampf gegen die Leidenschaften“. Teil eins und Teil zwei gemeinsam lehrten die Menschen eine „geistliche Strategie“: Johannes schreibe, dass die Leidenschaften nicht in sich böse seien, sondern es durch den schlechten Gebrauch würden, den der Mensch von seiner Freiheit mache. Würden diese Leidenschaft geläutert, öffneten sie den Weg zu Gott. Der Kampf gegen die Leidenschaften sei dank des Bildes des Feuers des Heiligen Geistes positiv dargestellt, so Papst Benedikt. Dieses Feuer verwandle und verleihe eine Kraft, dank der man die Leidenschaften besiegen könne, „um sie in die vom Schöpfer gewollte Positivität zu verwandeln“.

Der letzte Abschnitt auf dem beschriebenen Weg beziehungsweise der „Leiter“ betreffe „die christliche Vollkommenheit“. Es gehe hier um die höchsten Sphären des christlichen Lebens. Jene, die zur Ruhe, das heißt zum inneren Frieden gelangt seien, könnten sie erfahren. Konkret gebe es sieben Stufen. Die wichtigste der ersten vier sei die Unterscheidungsfähigkeit, was zu diene, „geistliche Sensibilität“ zu wecken.

Nach diesen Ausführungen ging Benedikt XVI. der Frage nach, ob das Werk eines Eremiten, der vor 1.500 Jahren lebte, heute noch einen Stellenwert haben könne. Bei näherer Betrachtung seines Lebens werde deutlich, dass es man es hier mit einem „großen Zeichen für das Leben als Christ“ zu tun habe. „In Großbuchstaben“ werde nämlich aufgezeigt, was man Tag für Tag „in Kleinbuchstaben“ schreibe: wie man als Getaufter in Gemeinschaft mit Christus leben soll.

Die letzten Stufen der „Leiter“ seien den Tugenden gewidmet, fuhr Benedikt XVI. fort. Wer an Gott glaube, verzichte auf die eigene Arroganz. Man überwinde die Arroganz eines „Ich-weiß-es-besser-Sagens, hier im 21. Jahrhundert, um in Demut in diesen Raum des Glaubens einzutreten“. Auf diese Weise betrete man die Welt Gottes.

Die theologischen Tugenden fänden ihren Höhepunkt in der Liebe, „die Eros ist: Gestalt der ehelichen Liebe der Seele zu Gott“. Eine tiefe Erfahrung dieses Eros lasse die Seele mehr vorankommen als der harte Kampf gegen die Leidenschaften. „Mehr als der Kampf zählt diese Positivität.“

Die Kraft der Liebe sei die Hoffnung, also gewissermaßen „die Tür der Liebe“. Fehle die Hoffnung, so der Papst, gehe auch die Liebe zugrunde. Mit der Hoffnung könne der Christ die alltägliche Wirklichkeit überschreiten; er blicke nicht mehr auf den Erfolg, sondern auf Gott selbst. Kraft der Hoffnung könne der Mensch gut zu den anderen sein, ohne dafür einen Lohn zu erwarten.

„In der Liebe verbirgt sich das Geheimnis des Gebetes“, erläuterte Benedikt XVI. abschließend. In der Liebe lerne man Christus wirklich kennen, und sie schenke einem die Fähigkeit, das Herz zu öffnen, „um von ihm seine Güte und seine Liebe zu lernen“.

Papst Benedikt ermutigte alle, „diese Leiter des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe“ hinaufzuklettern. „So werden wir zum wahren Leben gelangen.“