Die Lektion des wahren Humanismus in der Schule des hl. Benedikt von Nursia

Benedikt XVI.: Europa braucht den Lebenssaft seiner christlichen Wurzeln

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ROM, 9. April 2008 (ZENIT.org).- In der heutigen Mittwochskatechese stellte Papst Benedikt XVI. den hl. Benedikt von Nursia (* um 480 in Nursia bei Perugia; † 21. März 547 auf dem Monte Cassino bei Cassino, Latium) in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Das Leben und Wirken des Begründers des christlichen Mönchtums im Westen mache deutlich, dass ein wahrer Humanismus sich gegen allzu Menschliche Egozentrik und Selbstverwirklichung durchsetzen kann.

In einem Europa, das auf der Suche nach seiner Identität ist, könne allein der „Lebenssaft“ der „christlichen Wurzeln“ jene „neue und dauerhafte Einheit“ sicherstellen, welche die begrenzten Horizonte wirtschaftlicher und politischer Natur übersteigt.

Eine der Hauptquellen, die das Leben und Wirken des hl. Benedikts illustrieren, findet sich in der Biographie des hl. Gregor des Großen, der „Dialoge“. In einer Zeit des kulturellen Zusammenbruchs und Sittenverfalls habe dieser heilige Papst beabsichtigt, mit dem Vorbild eines konkreten Menschen den Aufstieg zu den Gipfeln der Kontemplation zu erläutern, den jeder verwirklichen kann, der sich Gott hingibt. Absicht Gregors sei es gewesen zu zeigen, „dass Gott keine ferne Hypothese ist, die an den Ursprung der Welt gestellt ist, sondern dass er im Leben des Menschen, eines jeden Menschen, gegenwärtig ist.“

Benedikt sei in der „finsteren Nacht der Menschheitsgeschichte“ der leuchtende Stern gewesen, der den Sauerteig hervorbrachte, der den Lauf der Jahrhunderte und das Antlitz Europas verändert habe. Gerade durch das Wirken Benedikts sei die Wirklichkeit entstanden, die wir „Europa“ nennen.

Der hl. Benedikt habe sich schon in jungen Jahren in die Einsamkeit der Einsiedelei zurückgezogen, war er doch angewidert vom Sittenverfall seiner Generation. Nachdem er den Versuchungen von Selbstbehauptung und ersehnter Selbstdarstellung, von Sinnlichkeit und schließlich der Versuchung des Zornes und der Rachsucht widerstanden habe, fühlte er sich in der Lage, in Subiaco ein Kloster zu gründen.

Sein Weggang von Subiaco nach Montecassino ist, so der Heilige Vater, symbolisch zu sehen. Benedikt habe erkannt, dass ein Kloster auch einen öffentlichen Zweck im Leben der Kirche und der Gesellschaft hat: das Kloster müsse dem Glauben Sichtbarkeit verschaffen.

Das Gebet sei Quelle seines Lebens Gebet gewesen, das „tragende Fundament seines ganzen Daseins“. „Ohne Gebet gibt es keine Gotteserfahrung“, so der Papst. Weil Benedikt Gott schaute, begriff er die Wirklichkeit des Menschen und seine Sendung. Benedikt habe mit seiner Regel eine fruchtbare Symbiose des Mönchlebens geschaffen, in der sich Kontemplation und Aktion vereinen, „damit in allem Gott verherrlicht werde“. Oberste Pflicht des Benediktiners sei somit die unaufhörliche Suche nach Gott.

Benedikt habe mit sehr viel Weisheit die Funktion des Abtes und den Auftrag des Gehorsams dargelegt. Wichtig und sehr modern sei hierbei die Forderung Benedikts, dass ein Mensch, der ein öffentlicher Verantwortungsträger ist, immer ebenso ein Mensch sein muss, der es versteht, hinzuhören, und aus dem zu lernen weiß, was er hört.

Die Regel des hl. Benedikts ist für Papst Benedikt XVI. nicht nur eine „einfache Regel“ für den Beginn seines Werkes. Sie gestatte es, durch ihre Ausgewohenheit, ihre Menschlichkeit und ihre nüchterne Unterscheidung zwischen dem Wesentlichen und dem Zweitrangigem für jedes geistliche Leben zu einer erleuchtenden Kraft zu werden.

Für die Formung der Zivilisation und der europäischen Kultur habe diese Regel eine unvergleichliche Bedeutung, so der Papst. Gerade heute sei Europa auf der Suche nach einer neuen Identität. Diese kann nicht ohne eine klare Besinnung auf seine christlichen Wurzeln gefunden werden: „Ohne diesen Lebenssaft bleibt der Mensch der Gefahr ausgesetzt, der alten Versuchung zu erliegen, sich selbst erlösen zu wollen“. Das Streben nach Selbsterlösung sei jedoch eine Utopie, die in der Vergangenheit zu den größten Tragödien geführt habe, erläuterte Benedikt XV.

Der hl. Benedikt hingegen bleibe ein wahrer Meister, „in dessen Schule wir die Kunst lernen können, den wahren Humanismus zu leben“.