Die letzten Stunden im Leben von Schwester Lucia, der letzten Seherin von Fatima

„Sie schien wieder das Kinder zu sein, das die Erscheinungen in Cova de Ira gehabt hatte“

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ROM, 26. September 2007 (ZENIT.org).- Anlässlich der Vorstellung des Buchs „Die letzte Seherin von Fatima“ („L’ultima veggente di Fatima“) des vatikanischen Staatssekretärs Kardinal Tarcisio Bertone SDB wurde auch ein Film aufgeführt, in dem die Mutter Priorin des Klosters in Coimbra (Portugal) die letzten Augenblicke im Leben von Schwester Lucia schildert.



In den 57 Jahren, die Schwester Lucia im Kloster der unbeschuhten Karmelitinnen verbrachte, habe sie stets die gleiche Zelle bewohnt. Von dort aus ist sie nach Worten von Priorin Schwester Maria Celina vom gekreuzigten Jesus „in den Himmel entflohen“.

Über ihren ersten Eindruck von Schwester Lucia teilte die Oberin mit, sie habe acht Tage gebraucht, um Schwester Lucia zu erkennen: „Als eine Schwester mich fragte: ‚Mutter, soll ich Ihnen ein Stück Brot für heute Abend bringen?‘, dachte ich, das könne doch nicht Schwester Lucia sein. Und doch war sie es.“

Schwester Lucia habe häufig am Ende des Weges gestanden, der zur Statue der Jungfrau Maria führt, und habe dabei ihre Cousine und ihren Cousin gescholten, die den Erscheinungen der Jungfrau ebenfalls beigewohnt hatten, aber noch als Kinder verstorben sind: „Ihr seid in den Himmel gegangen und habt mich hier allein gelassen.“

Sie habe sich stets geweigert, von einem „vierten Geheimnis von Fatima“ zu sprechen. Über jene, die derartige Gerüchte verbreiteten, habe sie gesagt, dass diese Leute „niemals zufrieden sind; dass sie das tun sollten, worum Unsere Liebe Frau gebeten hat; dass das das Wichtigste ist. Wenn jemand zu ihr sagte: ‚Schwester Lucia, es heißt, dass es noch ein anderes Geheimnis gibt‘ (…), dann antwortete sie spöttisch: ‚Ich wünschte, sie würden es mir sagen: Ich weiß von keinem anderen Geheimnis.‘“

Schwester Maria Celina berichtete, dass die Seherin niemals mit dem Bild, das von Unserer Lieben Frau von Fatima erstellt wurde, zufrieden gewesen sei: „Das Bild von Unserer Lieben Frau war nicht so, wie sie es wollte. Manchmal erschien es ihr hässlich, weil es nicht genau ihren Erinnerungen entsprach.“ Etwas Ähnliches sei auch im Fall der heiligen Bernadette Soubirous aus Lourdes geschehen.

Die Priorin beschrieb Schwester Lucia als eine Ordensfrau, die „Freude ausstrahlte“: „Ich habe 28 Jahre lang mit ihr zusammengelebt und eine Person kennen gelernt, die immer mehr die Kindschaft des Evangeliums entfaltete, je älter sie wurde. Sie schien wieder das Kinder zu sein, das die Erscheinungen in Cova de Ira gehabt hatte. Je schwerer ihr Körper wurde, desto leichter wurde ihre Geist.“

In den letzten Stunden ihres irdischen Lebens, als Schwester Lucia auf Hilfe angewiesen war, sei ihr Bett in die Mitte ihrer Zelle gestellt worden. Alle Schwestern hätten sich um sie herum versammelt, zusammen mit dem Bischof von Leiria-Fatima. Schwester Maria Celina habe direkt neben ihr gekniet.

„Schwester Lucia schaute jeden einzelnen an, zuletzt auch mich. Es war ein lang anhaltender Blick, aber in ihren Augen war ein tiefes Licht, das ich in meiner Seele trage. Ich bitte sie stets um ihr Gebet, und ich weiß, dass sie für uns betet. Es gibt Dinge, die keiner Worte bedürfen: Eine Geste oder ein Gedanke reichen vollkommen aus. Schwester Lucia konnte schlecht hören – aber jetzt nicht mehr. Jetzt versteht sie alles, auch ohne Worte.“