Die Liebe Gottes, die wir mit unseren Brüdern teilen, ist unser wahrer Reichtum

Ansprache von Papst Franziskus vor dem Angelus am 4. August 2013

Vatikanstadt, (ZENIT.org) | 1398 klicks

Der Heilige Vater Franziskus zeigte sich heute um 12.00 Uhr am Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast, um gemeinsam mit den auf dem Petersplatz versammelten Gläubigen und Pilgern den Angelus zu beten.

Der Papst sprach folgende Worte zur Einführung in das marianische Gebet:

[Wir dokumentieren die Ansprache in einer eigenen Übersetzung:]

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Liebe Brüder und Schwestern!

Vergangenen Sonntag befand ich mich in Rio de Janeiro für die Abschlussmesse des Weltjugendtags. Ich denke, wir alle müssen dem Herrn für das große Geschenk danken, das er uns, dem Land Brasilien, dem südamerikanischen Kontinent und der ganzen Welt mit diesem Ereignis gemacht hat, das einen weiteren Schritt auf dem Pilgerweg der Jugend durch die Welt, unter dem Zeichen des Kreuzes Christi, darstellt. Wir dürfen nie vergessen, dass die Weltjugendtage keine „Feuerwerke“ sind, keine Begeisterungsmomente, die ihren Zweck in sich selbst erfüllen. Es sind Etappen eines langen Wegs, der 1985 dank der Bemühungen von Papst Johannes Paul II. seinen Anfang genommen hat. Damals vertraute er das Kreuz der Jugend an und sagte: Geht, und ich werde mit euch kommen! So war es auch, und diese Wallfahrt der Jugend hat sich auch unter Papst Benedikt XVI. fortgesetzt, und ich danke Gott dafür, dass ich ebenfalls diese wunderbare Etappe in Brasilien miterleben durfte. Denken wir immer daran: Diese Jugendlichen folgen nicht dem Papst, sie folgen Christus, indem sie sein Kreuz tragen. Der Papst führt und begleitet sie auf diesem Weg des Glaubens und der Hoffnung. Deshalb danke ich all jenen jungen Menschen, die oft unter Opfern an diesem Ereignis teilgenommen haben. Und ich danke dem Herrn auch für alle Begegnungen, die ich mit den Hirten und dem Volk, den Amtsträgern und den Freiwilligen jenes großen Landes hatte. Möge der Herr es allen lohnen, die für dieses große Fest des Glaubens gearbeitet haben. Ein ganz besonderer Dank geht an die Brasilianer. Das sind ehrliche Menschen, diese Brasilianer, ein Volk mit einem großen Herzen! Ich werde nie die Begeisterung, den Jubel, die Blicke, die Freude vergessen, mit denen sie mich aufgenommen haben. Ein großzügiges Volk; ich bitte den Herrn, es sehr zu segnen!

Nun möchte ich euch bitten, mit mir gemeinsam dafür zu beten, dass die jungen Menschen, die am Weltjugendtag teilgenommen haben, dieses Erlebnis auf ihren alltäglichen Wegen umsetzen mögen, in ihrem alltäglichen Umgang, aber auch in den wichtigen Entscheidungen ihres Lebens, indem jeder von ihnen der persönlichen Berufung folgen möge, die der Herr an ihn gerichtet hat. In der heutigen Liturgie klingen die provozierenden Worte des Kohelet wieder: „Windhauch, Windhauch, das ist alles Windhauch“ (Koh 1,2). Junge Menschen sind besonders empfindlich für den Mangel an Werten, der sie oft umgibt. Und leider bezahlen sie auch oft dafür. Stattdessen erfüllt die Begegnung mit Jesus, der in seiner großen Familie, der Kirche lebt, das Herz mit Freude, weil sie es mit echtem Leben erfüllt, mit einem tiefen Reichtum, der nicht vergeht und nicht verfault: Das haben wir auf den Gesichtern der jungen Menschen in Rio lesen können. Doch dieses Erlebnis muss dem täglichen „Windhauch“ standhalten, dem Gift der Sinnleere, das sich in unsere auf Profit und Besitz fundierten Gesellschaften einschleicht. Das Evangelium des heutigen Sonntags erinnert uns eben daran, wie sinnlos es ist, sein Glück auf Besitz zu gründen. Der Reiche sagt sich: Dir steht soviel Besitz zur Verfügung, meine Seele: Ruh dich aus, iss, trink,und vergnüge dich! Doch Gott sagt zu ihm: Du Narr! Noch in dieser Nacht wird man dein Leben von dir zurückfordern. Wem wird dann all das gehören, was du angehäuft hast? (vgl. Lk 12,19-20)Liebe Brüder und Schwestern, der wahre Reichtum ist die Liebe Gottes, die wir mit unseren Brüdern teilen. Jene Liebe, die von Gott kommt und bewirkt, dass wir sie unter uns teilen und uns gegenseitig helfen. Wer diese Liebe erfährt, fürchtet den Tod nicht und empfängt den Frieden des Herzens. Diese Gebetsintention, die Intention, die Liebe Gottes zu empfangen und mit unseren Brüdern zu teilen, wollen wir der Fürbitte der Jungfrau Maria anvertrauen.

[Nach dem Angelus  fügte der Papst noch folgende Worte hinzu:]

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich begrüße euch alle und danke euch dafür, dass ihr trotz der großen Hitze gekommen seid.

Ich freue mich besonders darüber, einige Jugendgruppen begrüßen zu dürfen: die Karmeliterjugend aus Kroatien; die Jugendlichen aus Sandon und Fossò in der Diözese Verona, sowie die aus Mozzanica, Diözese Cremona, die aus Moncalieri, die einen weiten Fußweg hinter sich haben, und die aus Bergamo, die mit dem Fahrrad gekommen sind. Danke euch allen! Es sind heute so viele junge Menschen auf dem Platz: Es sieht fast aus wie Rio de Janeiro!

Ich möchte einen besonderen Gedanken an alle Pfarrer und Priester der Welt richten, denn heute gedenkt die Kirche ihres Schutzheiligen, des hl. Jean-Marie Vianney. Liebe Mitbrüder, lasst uns vereint sein im Gebet und in der priesterlichen Nächstenliebe.

Morgen werden die Bewohner der Stadt Rom unserer lieben Mutter, der „Salus Populi Romani“ gedenken: Wir wollen sie bitten, uns zu beschützen; und jetzt wollen wir sie alle zusammen mit einem Ave Maria begrüßen. Alle zusammen: „Ave Maria…“. Einen Gruß an unsere Mutter, alle zusammen, einen Gruß an unsere Mutter (er klatscht gemeinsam mit der Menge Beifall).

Gerne will ich auch daran erinnern, dass übermorgen das liturgische Fest der Verklärung des Herrn gefeiert wird, und dabei voll Dankbarkeit auch an den ehrwürdigen Papst Paul VI. denken, der diese Welt am 6. August vor 35 Jahren verlassen hat.

Liebe Freunde, ich wünsche euch einen schönen Sonntag und einen guten Monat August.Und ein gutes Mittagsmahl! Auf Wiedersehen!

[© 2013 - Libreria Editrice Vaticana]