Die Macht der Liebe: Erzbischof Vingt-Trois (Paris) über aktuelle Fragen und seine Kardinalsernennung

Interview mit dem neuen Vorsitzenden der Französischen Bischofskonferenz

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PARIS, 14. November 2007 (ZENIT.org).- Der neue Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Erzbischof André Vingt-Trois von Paris, wird während des öffentlichen Konsistoriums, das für den 24. November vorgesehen ist, von Papst Benedikt XVI. zum Kardinal kreiert werden. Im Gespräch mit ZENIT erklärte er, was die Kardinalsernennung as für ihn bedeutet.



ZENIT: Herr Erzbischof, Benedikt XVI. hat Sie dazu auserkoren, am 24. November die Kardinalswürde zu empfangen: Was bedeutet Ihnen dieser neue Ruf?

Erzbischof Vingt-Trois: Die Entscheidung des Heiligen Vaters, mich zum Kardinal zu ernennen, hat mich tief berührt, denn sie manifestiert in besonders deutlicher Form das Vertrauen, dass uns der Papst entgegenbringt; uns allen, die er dazu berufen hat, seine engen Berater zu werden. Ich nehme sie als eine Einladung an, mich stärker und entschlossener für das Glaubenszeugnis und den Dienst an der Weltkirche einzusetzen.

ZENIT: Sie sind gerade zum Vorsitzenden der Französischen Bischofskonferenz gewählt worden: Was bringt diese neue Aufgabe mit sich?

Erzbischof Vingt-Trois: Die französischen Bischöfe haben mich zusammen mit zwei Vizevorsitzenden gewählt, damit wir uns um die Arbeit der Bischofskonferenz und vor allem um die Vollversammlungen kümmern.

Es handelt sich dabei um einen äußerst anregenden Pastoraldienst. Von unserer Seite aus verlangt er, dass wir uns um die Teilnahme jedes Bischofs sorgen, zugleich aber auch um die neuralgischen Punkte unseres gesellschaftlichen Weges, auf dem die Getauften das Zeugnis für das Evangelium entfalten können und müssen.

ZENIT: Ein Thema, dass die französischen Bischöfe während ihrer Vollversammlung in Lourdes behandelt haben, ist Priestertum und Priesterausbildung. Was erscheint Ihnen in diesem Bereichs als besonders wichtig?

Erzbischof Vingt-Trois: In den letzten 25 Jahren sind zahlreiche Initiativen unternommen worden. Einige davon wurden institutionalisiert und gestärkt, andere wurden abgebrochen oder korrigiert. Trotz des echten Einklangs in den Überzeugungen hat diese Zeitspanne aber auch viele unterschiedliche Meinungen hinsichtlich der Umsetzung zutage gefördert. Für uns schien nun der Moment gekommen zu sein, über diese Initiativen zu sprechen und unsere diesbezüglichen Überlegungen miteinander zu teilen. Ich bin glücklich, dass es eine Arbeitsgruppe zugelassen hat, dieses Nachdenken in Angriff zu nehmen.

ZENIT: Wie kann eine Berufung reifen und wachsen, nachdem ein junger Mensch die Stimme Christi vernommen hat?

Erzbischof Vingt-Trois: Das braucht Zeit, Geduld und einen Ruf: Zeit und Geduld, um den Ruf Christi und die Antwort, die man ihm gegeben hat, in sich zu verwurzeln und zu vertiefen. Der Ruf führt zur Mission. Was ist die missionarische Ausrichtung, die junge Menschen dazu bewegt, ihr Leben hinzugeben?

ZENIT: Sie haben sich sehr mit der Frage der Familie beschäftigt. Jeden Mittwoch richtet Benedikt XVI. ein Wort an die jungen Ehepaare. Wie bestärkt man sie auf ihrem Weg – in einer Zeit, in der viele sakramental geschlossene Ehen getrennt werden?

Erzbischof Vingt-Trois: Indem man an die Macht der Liebe glaubt: an die Macht der Liebe Gottes für die Menschheit, der unvergänglichen Liebe.

Indem man an die Macht der Liebe von Eheleuten glaubt, die sich definitiv füreinander einsetzen, und Eheleute findet, die von der Solidität dieser Liebe Zeugnis geben. Und indem man auf den bevorzugten Platz verweist, den die Familien einnehmen, und auf die Freude, die in ihnen herrscht.

ZENIT: Als Kardinal werden Sie auch größeren Anteil haben an der Fürsorge Petri gegenüber der Weltkirche: Wie wollen Sie das tun?

Erzbischof Vingt-Trois: Dadurch, dass ich mehr und besser mit den anderen Ortskirchen in der Welt verbunden bin. Das bringt die Bemühung mit sich, mich zu informieren, aber es handelt sich auch darum, ein aufmerksames Herz zu haben.

ZENIT: Sie haben zwei Bücher veröffentlicht, darunter „Les signes que Dieu nous donne“ („Die Zeichen, die Gott uns gibt“, erschienen im Verlag „Parole et Silence“). Ein großer Teil der öffentlichen Meinung ist aber der gegenteiligen Auffassung: dass uns Gott nämlich keine Zeichen schenkt…


Erzbischof Vingt-Trois: Diese Zeichen sind nur für jene Menschen Zeichen, die Augen haben, um sie wahrzunehmen. Für die anderen sind es neutrale oder bedeutungslose Ereignisse. Für den, der an die Liebe Gottes glaubt, ist alles voll von solchen Zeichen.

ZENIT: Ihr anderes Buch trägt den Titel: „Croire, espérer, aimer“ („Glauben, hoffen, lieben“, erschienen im Verlag „Presses de la Renaissance“). Warum diese drei theologischen Tugenden?


Erzbischof Vingt-Trois: Weil ich den Eindruck habe, dass es viele unserer Zeitgenossen nötig haben zu glauben, zu hoffen und zu lieben.