Die Messe in Assisi

Der franziskanische Frieden basiert auf Christus

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 421 klicks

Im Anschluss an seinen Besuch am Bischofssitz ging Papst Franziskus zu Fuß zu der Kirche von Santa Maria Maggiore, von wo er aus sich im Auto zur oberen Basilika San Francesco begab, wo der Präsident Enrico Letta ihn erwartete. Nachdem Papst Franziskus die zahlreichen auf dem Platz versammelten Gläubigen begrüßte hatte, sprach er kurz mit dem Präsidenten. Anschließend begab er sich in die Krypta, um dort einige Minuten zu beten, um anschließend die um 11.00 Uhr beginnende Messe auf dem Platz von San Francesco zu halten. Der Inhalt seiner Predigt bezog sich auf das heutige Evangelium nach Mt 11,25, wo Jesus sagt: „Sei gepriesen, Vater, Herr des Himmels und der Erde; du hast die Geheimnisse des Reiches den Unmündigen offenbart.“

„Frieden und Gutes allen! Mit diesem franziskanischen Gruß danke ich euch, dass ihr auf diesen Platz gekommen seid, voller Geschichten und voll des Glaubens, um zusammen zu beten. Ich bin wie viele andere Pilger heute hierhin gekommen, um den Herrn für all das zu lobpreisen, was er einem dieser „Unmündigen“ offenbart hat: Franziskus, dem Sohn eines Reichen Geschäftsmannes aus Assisi. Die Begegnung mit Jesus brachte ihn dazu, sich eines bequemen und gedankenlosen Leben zu entäußern, um die „Madonna der Armut“ zu ehelichen und den Sohn Gottes zu leben. Diese Wahl des heiligen Franziskus war ein radikaler Weg, Christus nachzuahmen, ihn anzuziehen. Der Reiche, der er war, hat sich arm gemacht, um uns durch seine Armut zu bereichern. Während seines ganzen Lebens sind die beiden Elemente der Liebe für die Armen und die Nachahmung Christi untrennbar gewesen, die zwei Seiten der gleichen Medaille.“

Papst Franziskus fragte die Anwesenden: „Was zeigt uns Franziskus heute? Was sagt er uns, nicht mit Worten – das ist einfach – sondern mit seinem Leben?“

Er fuhr fort: „Das erste was er uns sagt, ist, dass Christsein darin besteht, eine lebendige Beziehung mit der Person Christus zu haben, ihm ähnlich zu werden. Von was geht der Weg von Franziskus zu Christus aus? Von dem Blick Jesu am Kreuz. Sich von ihm in dem Augenblick anschauen zu lassen, in dem er sein Leben für uns gibt und unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Franziskus hat diese Erfahrung auf besondere Art und Weise in der Kirche von San Damiano gemacht, als er vor dem Kruzifix betete, das auch ich heute verehre. An diesem Kreuz ist Christus nicht tot, er lebt! Das Blut fließt aus den Wunden der Hände, der Füße und der Seite, aber dieses Blut bedeutet Leben. Jesus hat die Augen nicht geschlossen, er hat sie geöffnet: ein Blick, der ins Herz trifft. Und das Kreuz erzählt uns nicht von Aufgeben, vom Versagen; es spricht von einem Tod, der Leben ist, der Leben schafft, denn er spricht von der Liebe, denn es ist die fleischgewordene Liebe Gottes, und diese Liebe stirbt nicht, im Gegenteil, sie überwindet das Schlechte und den Tod. Wer sich von dem gekreuzigten Jesus anschauen lässt, wird neu geschaffen, wird eine neue Kreatur. Von hier beginnt alles: die Erfahrung der Gnade, die verändert, bedingungslos geliebt zu werden, obgleich wir Sünder sind. Deswegen kann Franziskus wie der heilige Paulus sprechen und sagen: „-Ich aber will mich allein des Kreuzes Jesu Christi, unseres Herrn, rühmen, durch das mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt“ (Gal 6,14) Wir wenden uns dir zu, Franziskus, und wir bitten dich: Lehre uns, vor dem Kruzifix zu verharren, uns von ihm anschauen zu lassen, uns verzeihen zu lassen, neu schaffen zu lassen von seiner Liebe.“

Anschließend sagte er: „Im Evangelium heißt es: ‚Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch, und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.“ (Mt 11,28-29)Das ist das zweite, das Franziskus uns zeigt: wWer Christus folgt, erhält den wirklichen Frieden, den nur er uns geben kann und nicht die Welt. Der heilige Franziskus wird von vielen mit dem Frieden in Verbindung gebracht, das ist richtig, aber nur wenig gehen ins Detail. Was ist der Friede, den Franziskus erhalten hat und uns weitergibt? Den Frieden Christi, der über die größte Liebe kommt, den des Kreuzes. Es ist der Friede, den der auferstandene Jesus den Jüngern gibt, als er unter ihnen erscheint: der franziskanische Friede ist kein süßliches Gefühl. Diesen heiligen Franziskus gibt es nicht! Ebensowenig eine pantheistische Form der Harmonie mit kosmischen Energien… Auch das ist nicht franziskanisch, ist aber eine Vorstellung, die viele konstruiert haben! Der Friede des heiligen Franziskus ist derjenige Christi, und derjenige findet ihn, ihn auf sich nimmt. Liebt euch einer den anderen, so wie ich euch geliebt habe. Dieses Joch kann man nicht mit Arroganz tragen, mit Anmaßung, mit Oberflächlichkeit, sondern nur mit Sanftheit und Demut im Herzen.“

Im Folgenden zitierte der Papst den Gesang der Kreaturen. „Die Liebe für die gesamte Schöpfung, für die Harmonie. Der Heilige von Assisi zeigt den Respekt für alles, was von Gott erschaffen ist und wie er es erschaffen hat, ohne damit zu experimentieren, um es zu zerstören. Und vor allem zeigt es den Respekt für alles, dass der Mensch dazu aufgerufen ist, den Mensch zu schützen, dort wo der Mensch im Mittelpunkt der Schöpfung steht, dort, wo der Schöpfer ihn haben wollte. Nicht Instrument der Götzen, die wir erschaffen. Harmonie und Friede! Franziskus war ein Mensch der Harmonie, des Friedens. Von dieser Stadt des Friedens aus wiederhole ich mit der Kraft und Sanftmut der Liebe: Respektieren wir die Schöpfung; wir sind keine Instrumente der Zerstörung! Respektieren wir jedes menschliche Leben: Mögen die bewaffneten Konflikte, die die Erde mit Blut beflecken, aufhören; mögen die Waffen schweigen, und mache der Hass der Liebe Platz, die Beleidigung dem Verzeihen und die Uneinigkeit der Einigkeit. Hören wir den Schrei derjenigen, die weinen, leiden und aufgrund von Gewalt, Terrorismus oder Krieg sterben, im Heiligen Land, von Franziskus so sehr geliebt, in Syrien, im Mittleren Osten, auf der ganzen Welt. Wir wenden uns an dich, Franziskus, und wir bitten dich: Erhalte von Gott das Geschenk für uns, dass in unserer Welt Harmonie, Friede und Respekt für die Schöpfung herrschen!“

Abschließend sagte er: „Ich kann nicht vergessen, dass Italien heute des Hheiligen Franziskus als seinen Patron feiert. Und ich beglückwünsche alle Italiener. Dies drückt auch die traditionelle Gabe des Öls für die Votivlampe aus, die dieses Jahr von der Region Umbrien gegeben wurde. Beten wir für die italienische Nation, dass jeder immer für das Allgemeinwohl arbeiten möge, indem er das sieht, was vereint und nicht trennt. Ich bitte dich, Herr Jesus, Vater der Barmherzigkeit, schaue nicht auf unseren Undank, sondern erinnere dich immer an die Barmherzigkeit, die du in dieser Stadt gezeigt hat, dass sie immer ein Ort und Schutz für diejenigen bleibe, die dich kennen und deinen heiligen Namen bis in Ewigkeit lobpreisen. Amen.“