Die Messe ist kein soziales Ereignis

Predigt des Papstes in Santa Marta

Rom, (ZENIT.org) Maike Sternberg-Schmitz | 399 klicks

In der Messe von heute unterstrich der Papst, da wo Gott sei, sei immer ein Fest. An der Messe nahmen wiederum die acht Kardinäle des zurzeit tagenden Rates teil. Der Pontifex sagte, man müsse die Erinnerung an die Rettung wie ein Andenken bewahren. Die Messe sei kein soziales Ereignis, sondern sei die Anwesenheit des Herrn unter den Menschen.

Der Papst nahm für seine Predigt über die Erinnerung die heutige erste Lesung aus dem Buch Nehemia 8,1-4a5-6.7b-12 zum Ausgangspunkt. Das Volk Gottes habe eine Erinnerung an das Recht gehabt, aber es sei eine weit entfernte Erinnerung gewesen. An dem bei Nehemia geschilderten Tag sei das Recht hingegen nah gewesen, und alle hätten vor Freude und nicht vor Schmerz geweint, denn sie hätten die Erfahrung der Nähe der Rettung gemacht.

„Und das ist nicht nur in großen historischen Momenten wichtig, sondern in allen Momenten in unserem Leben. Wir alle haben die Erinnerung an die Rettung. Aber ich frage mich: Iist diese Erinnerung nah bei uns, oder ist sie weiter entfernt, ein bisschen undurchsichtig, ein bisschen archaisch, ein bisschen museal … Und wenn die Erinnerung nicht nah ist, wenn wir diese Erfahrung machen, dann rückt die Erinnerung in die Ferne.“

Wenn sie sich hingegen annähere, verwandle sie sich in Freude, und dies sei die Freude des Volkes. Das sei ein Prinzip unseres christlichen Lebens. Wenn die Erinnerung näher komme, erwärme sie die Herzen und mache Freude.

„Und diese Freude ist unsere Kraft. Die Freude der nahen Erinnerung. Die Erinnerung, die sich entfernt, erwärmt hingegen nicht das Herz; sie gibt uns keine Freude und keine Kraft. Die Begegnung mit der Erinnerung ist ein Ereignis der Rettung, ist eine Begegnung mit der Liebe Gottes, die Geschichte gemacht hat und uns gerettet hat. Es ist so schön, gerettet zu werden, dass dies ein Grund ist zu feiern.“

Oft hätten wir Christen jedoch Angst vor dem Fest: diesem „einfachen und brüderlichen Fest“, das ein Geschenk des Herrn sei. Das Leben entferne uns oft von Gott, so dass nur eine Erinnerung übrig bleibe. Die Kirche habe die Erinnerung der Passion des Herrn. Auch ihr passiere es, die Erinnerung zu einem gewöhnlichen Event werden zu lassen.

„Jede Woche gehen wir in die Kirche, jemand stirbt und wir gehen zur Beerdigung… und diese Erinnerung langweilt uns oft, weil sie uns nicht nahe geht. Es ist traurig, aber oft verwandelt sich die Messe in ein soziales Ereignis, und wir sind nicht der Erinnerung der Kirche nahe, der Anwesenheit des Herrn. Stellen wir uns die schöne Szene aus dem Buch Nehemias vor: Esdra bringt das Buch der Erinnerung Israels, und das Volk weint, das Herz wird erwärmt, es freut sich, es spürt die Freude des Herrn und seine Kraft. Und es feiert, ohne Angst, ganz einfach.“

Anschließend bat er den Herrn um die Gnade, immer die Erinnerung bei uns zu tragen, eine nahe Erinnerung und nicht eine der Gewohnheit.