Die Misereor Hungertuchwallfahrt

Seit 26 Jahren zieht das Hungertuch durch die Gemeinden Deutschlands

Rom, (ZENIT.org) Britta Dörre | 1135 klicks

Seit 1986 findet alljährlich in der Woche vor dem ersten Fastensonntag die Misereor Hungertuchwallfahrt statt: in diesem Jahr verlief die Strecke der Wallfahrer von Regensburg über Eichstätt bis nach Speyer.

Der Brauch des Hungertuchs, auch Fasten- oder Palmtuch genannt, geht auf das 10./11. Jahrhundert zurück. In der Regel handelt sich dabei um ein großes Leinentuch, das während der Fastenzeit vor dem Chor oder dem Hochaltar gespannt wird und in schachbrettartiger Anordnung meist Szenen aus der Passion Jesu darstellt. Der Brauch, den Altar in der Fastenzeit zu verhüllen, geht auf mittelalterliche Texte zurück. Die Unwürdigkeit des Menschen, Gott zu schauen, die Verdemütigung Christi und das Zurücktreten seiner Gottheit vor seiner gepeinigten Menschheit und die Erinnerung an das Velum vor dem Allerheilgsten des Tempels oder der Bundeslade, das beim Tod Christi zerriss (Mt. 15, 38; Mk. 15,38; Lk. 23, 45), werden als Gründe für den Brauch in der Fastenzeit angeführt.

Die Aktion der Misereor Hungertuchwallfahrt nahm diesen Brauch auf, als 1986 im Bistum Hildesheim eine Gruppe die Idee hatte, ein Hungertuch in einer Nachtwallfahrt vom Eröffnungsgottesdienst im Dom zu Hildesheim zur Eröffnungsfeier der Fastenaktion nach Hannover zu tragen. Seitdem sind 26 Jahre vergangen, und das Hungertuch ist in viele Gemeinden Deutschlands getragen worden, um auf die Probleme in Afrika, Asien und Lateinamerika aufmerksam zu machen.

An der Wallfahrt nehmen in der Regel 50-60 Personen im Alter von 16 bis 70 Jahren teil, die sich an einem Einkehrtag vor Beginn der Wallfahrt in vier Gruppen aufteilen. Der Ablauf der Wallfahrt erfolgt im Staffettensystem, das heißt die Einzelgruppen tragen im Wechsel das Hungertuch in Etappen zwischen zehn und zwanzig Kilometern bis zum nächsten Zielort. Danach können die jeweiligen Gruppen sich ausruhen und die Rast in der Gastgemeinde nutzen, um über die Misereor-Aktion zu informieren. Die Wallfahrer werden in den Gastgemeinden untergebracht, wo die Aktion immer auf großes Interesse stößt und Anlass zu vielen Gesprächen zwischen den Wallfahrern und den Gemeindemitgliedern und Interessierten gibt.

Nur auf der letzten Strecke vereinen sich alle vier Gruppen und tragen das Hungertuch gemeinsam zum Zielort, wo anschließend der Eröffnungsgottesdienst der Misereor-Fastenaktion in der Bistumshauptkirche gefeiert wird.

Die Organisation der Wallfahrt ist dem Einsatz ehrenamtlicher Mitarbeiter zu verdanken. „Gruppen und Vereinen in den Gemeinden, aber auch Einzelpersonen sind herzlich eingeladen, eine Teilstrecke mit den Wallfahrerinnen und Wallfahrern gemeinsam zu gehen“, so die Misereor Hungertuchwallfahrt-Organisatoren.

Weitere Informationen zur Fastenaktion und zur Hungertuchwallfahrt findet man unter dieser Seite.