Die Missionarische Familie Verbum Dei: Beheimatung im Glauben aus der Kraft des Wortes

Interview mit Dr. Katharina Karl

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MÜNCHEN, 4. Dezember 2007 (ZENIT.org).- Die Missionarische Familie Verbum Dei mit ihren weltweit verstreuten Mitarbeitern zählt auf einen Kernkreis von geweihten katholischer Laien, Priestern und Ehepaaren, die voll und ganz für den pastoralen Dienst der Evangelisierung zu Verfügung stehen.

Geboren aus einer lebendigen Erfahrung mit dem Wort Gottes, ist es Verbum Dei möglich, sich in unterschiedliche Welten zu wagen und an vielen verschiedenen Orten international präsent zu sein, damit Kirche sich dort entwickeln kann.

Dr. Katharina M. Karl (31), geweihtes Mitglied der Gemeinschaft, berichtet ZENIT in diesem Interview von den Chancen, gerade junge Menschen durch ein solches Charisma auf einem Weg mit Jesus zu begleiten.

ZENIT: Zu welchem Zweck wurde „Verbum Dei“ gegründet? Welche Aspekte waren ihrem Gründer besonders wichtig?

Karl: Die Missionarische Familie Verbum Dei wurde von einem Weltpriester aus der Diözese Mallorca, Jaime Bonet (81), vor 44 Jahren gegründet. Durch den Aufbau von Kernzellen im Geist des Evangeliums will sie Antwort geben auf die schreienden Nöte dieser Zeit.

Das geschieht durch Gebet und schöpferische Initiativen auf dem Gebiet der Glaubensverkündigung, Wortverkündigung und Predigt. Ein schlicht und solidarisch gelebtes Evangelium will Menschen durch Zeugnis, Lebenshilfe und Begleitung im Gebetsleben zur Nachfolge ermuntern.

Es passierte zuerst auf Mallorca, dass eine Bewegung junger Christen um Jaime Bonet berührt wurde von der Wirksamkeit des gepredigten und bezeugten Wortes. Dieses Erlebnis gaben sie geradezu spontan an andere weiter. So begann das Ganze, Kreise zu ziehen. Es weckte in ihnen die Sehnsucht, ihre Taufgnade praktisch umzusetzen, also selber zu Zeugen des Gottesreiches zu werden. Verbum Dei setzt also auf diese Kettenreaktionen im Glauben.

Unserem Gründer ist wichtig, dass Verbum Dei eine Missionarische Familie ist; stets hat ihren Kern von geweihten Laien, Ehepaaren und Priestern besonders behütet. Die Familie Verbum Dei will aber für alle offen sein. Weltweit wirken über 30.000 Mitarbeiter mit ihren eigenen spezifischen Gaben in der Glaubensverkündigung mit.

ZENIT: Welche besonderen Akzente setzt Ihre Gemeinschaft bei der Verbreitung des Evangeliums?

Karl: Eigentlich wollen wir als Christen nichts anderes leben als das Wesentliche jeder christlichen Berufung. Jaime Bonet hebt immer wieder hervor, dass der Grund des Verbum Dei allein die Person Jesu Christi und das praktizierte Evangelium seien.

Der Rahmen dafür ist die Wortverkündigung durch Kernzellen, Hausgemeinschaften und Familien, die geschwisterlich leben und so beten lehren. Für uns ist das Lebenszeugnis sehr wichtig. Die Praxis der evangelischen Räte als drei Säulen des Lebensstils Jesu sind für uns eine schlichte Konsequenz aus dem betenden Hören und Verinnerlichen der Weisungen des Evangeliums.

Christus nachzufolgen bedeutet bei aller Aktivität und dem Wunsch nach apostolischer Wirksamkeit im Tiefsten, in der Beziehung mit Gott verwurzelt zu sein. Daraus erwachsen Optionen, wie etwa die Einfachheit im Lebensstil oder der Raum für das persönliche Gebet, um langfristig gerne engagiert zu leben.

ZENIT: Was hat Sie dazu motiviert, sich Verbum Dei anzuschließen?

Karl: Während meines Studiums – ich habe Deutsch und Katholische Religionslehre für das Lehramt studiert – kam ich an der LMU in München erstmals mit der Existenz geistlicher Gemeinschaften in Berührung.

Der Kontakt und die Freundschaft mit Mitgliedern der Missionarischen Fraternität Verbum Dei hat in mir eine aufkeimende persönliche Suche nach mehr Lebendigkeit im Glauben aufgegriffen. Die Begegnung mit einer Gruppe junger Frauen, die wie ich Studentinnen waren und mir das Wort Gottes durch ihr Zeugnis, die Predigt und ihre Gebetsleben vermittelt haben, hat mich fasziniert. Ich ließ mich auf einen Weg des missionarischen Engagements mit Jesu ein, und so erschloss Jesus mir meinen persönlichen Berufungsweg.

Sozusagen als „Kind dieser Zeit“ traf mich die Botschaft des Evangeliums; meine persönliche und unmittelbare Erfahrung der Person Jesu Christi wurde zu einem Widerfahrnis von solcher Kraft, dass es mir meine tiefere, radikale Identität neu eröffnet hat. Darauf habe ich alles gesetzt.

Jetzt will ich als missionarische Christin alle Talente einbringen, um anderen Menschen, die ich mittlerweile als meine Geschwister erlebe, etwas von meiner tiefen Hoffnung verständlich zu machen.

ZENIT: Papst Benedikt XVI. hat die Geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen wiederholt gebeten, die Kirche vor Ort nach Kräften zu unterstützen. Wie setzen Sie das um?

Karl: Verbum Dei hat sich der Begleitung von Menschen auf dem Weg der „Jüngerschaft“ verschrieben. Jüngerschaft ist ja das belebende Prinzip für die Kirche. Im Kontext der aktuellen kirchlichen Situation, in der die Frage nach der Bedeutung des christlichen Zeugnisses der Kirche in ihrem inneren Kern und eine neue Sendung als missionarische Kirche im Vordergrund stehen, soll Verbum Dei als Teil der Nachfolgekirche für das Leben in den Gemeinden zu einer Bereicherung werden.

Tatsächlich leiten unsere Priester auch Pfarreien, und verwalten Missionarinnen verwaiste Gemeinden beziehungsweise arbeiten in der Gemeindeseelsorge aus der uns eigenen Spiritualität und pastoralen Dynamik mit. Unsere Mitarbeiter wiederum tragen ihre Erfahrungen und ihr Engagement in ihre Gemeinden hinein.

Die Suchbewegung nach der Treue zum empfangen Charisma in der pastoralen Zusammenarbeit und beim freundschaftlichen Miteinander in den Gemeinden nie aufzugeben, ist wohl der fruchtbarste Beitrag einer Gemeinschaft zur Ortskirche.

ZENIT: Welche Initiativen und Apostolate sind für Sie mit Blick auf die Jugend heute besonders wichtig?

Karl: Mit jungen Menschen im Schmelztiegel der Großstädte Orte der Beheimatung im Evangelium zu schaffen, ist eine Herausforderung, der wir uns stellen wollen. Ich habe erlebt, dass es vor allem der Bereitschaft bedarf, mit den Jugendlichen mitzugehen. Auf diesem Weg – sei es auf Jugendevents wie „Stay and Pray“ oder durch persönlichen Kontakt zu Familien oder Firmgruppen – habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Fragen nach dem Glauben, besonders die tiefergehenden Fragen, in den Jugendlichen von selbst aufbrechen. Das heißt einfach, kreativ nach Wegen zu suchen, junge Leute kennen zu lernen und auf einen Glaubensweg mitzunehmen.


Ein Höhepunkt sind für uns die Weltjugendtage. In diesen Monaten unterstützen wir besonders unsere Gemeinschaft in Sydney, da Verbum Dei beim WJT im Juli 2008 in Australien aktiv mit dabei sein wird. Jugendwallfahrten, wie der Weg nach Santiago de Compostela, gehören für uns genauso dazu wie im kommenden Jahr Anfang August eine Fußwallfahrt nach Lourdes. Wir arbeiten zudem an vielen Orten hier in Europa als Hochschulseelsorger und Seelsorgerinnen mit Studierenden aller Fachrichtungen.

In Deutschland sind uns die Zeit und der Freiraum für individuelle Begleitung von jungen Menschen wichtig, die der Kirche fern stehen. Internationale Events wie jährliche Jugendtreffen, die Pflege jugendgemäßer Gottesdienste sind für uns dabei unverzichtbar. Musikalische Events und Prayerfestivals gehören dazu.

Seit Jahren arbeiten wir mit Glaubenskursen und haben in letzter Zeit festgestellt, dass wir heute bei den Jugendlichen wenig Vorprägung erwarten dürfen. Also unterstützen wir jede Initiative der Evangelisierung, die junge Menschen heute umfassend erreicht: durch Einkehrtage in Schulen, durch Impulsreferate in den Alphakursen, die ja besonders auf junge Menschen ohne christliche Vorprägung zugeschnitten sind, oder Evangelisationsaktionen in den Fußgängerzone usw.

Ich bin aber besonders während meines momentanen Pastoralpraktikums in den USA, in dem ich in der Mitbetreuung des Firmprogramms intensiv mit Jugendlichen in Kontakt bin, zur Überzeugung gelangt, dass kein Apostolat wirksamer und überzeugender ist, als ein Christ, der wirklich Feuer und Flamme für Jesus ist.